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Streitheim

24.08.2017

Die Sternwarte Streitheim ist geschlossen

In der Glaskugel des Sonnenschreibers spiegelt sich das Problem der Sternwarte Streitheim wider: Wasser und Strom kamen bisher über das Wohnhaus (links). Das ist nun nach dem Tod des Eigentümers Martin Mayer nicht mehr möglich.
Bild: Manuela Bauer

Die Sternwarte und das Planetarium haben zurzeit kein Wasser und keinen Strom. Wie es dazu kam und wie es nun weiter geht.

Wie sieht unser Sonnensystem aus, wie funktioniert der Wechsel von Tag und Nacht, wie entsteht eine Sonnenfinsternis? In der Volkssternwarte Streitheim kommen die Besucher dem Himmel ganz nah. Doch nun haben die Betreiber ein ganz irdisches Problem: Die Einrichtung steht ohne Strom und Wasser da. Deshalb ist die Sternwarte nun bis auf weiteres geschlossen.

Wie ist es dazu gekommen? Die Anlage befindet sich an einem Hang am Ortsrand von Streitheim. Die Versorgungsleitungen – also Strom, Wasser und Telefon – gehen derzeit alle durch das Privathaus, das zwischen Sternwarte und Planetarium steht. Dieses Haus gehörte dem Begründer der Einrichtung, Martin Mayer. Er ist im Dezember mit 84 Jahren gestorben. Das Planetarium und die Sternwarte brauchen nun eigene Anschlüsse. Solange es diese nicht gibt, bleiben die Einrichtungen geschlossen.

Ohne Martin Mayer würde es die Volkssternwarte nicht geben. Mit einem Fernrohr und einer Schultafel begann er in den Sechzigerjahren mit dem Aufbau einer Sternwarte im Schullandheim Violau. Das Wissen über das Universum hatte er sich selbst beigebracht und gab es mit viel Freude weiter. Um diese Aufgabe im Ruhestand weiterzuführen, machten sich Mayer und seine Frau Ottilie auf die Suche nach einem passenden Grundstück für eine weitere Sternwarte. Sie wurde schließlich 1999 in Streitheim am Tag der totalen Sonnenfinsternis eröffnet. 2015 wurde dann auch ihr Traum von einem Planetarium wahr. Dafür hatte er viele Förderer gefunden – von der EU bis zur Marktgemeinde. So gehört das Grundstück, auf dem Planetarium und Sternwarte stehen, der Gemeinde. Im Vortragsraum gibt es viele Exponate, Bilder und Modelle und im Observatorium kann man mit großen Teleskopen Sonne, Mond und Sterne beobachten. Im Planetarium wirft der Projektor einen Nachthimmel mit etwa 5000 Sternen an die Kuppel.

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Um sein Lebenswerk weiterzuführen, hat Mayer 2011 den Astronomischen Verein Streitheim gegründet. Der Vorsitzende ist heute Max Stumböck, der Bürgermeister von Ustersbach. Er erklärt: „Wir müssen jetzt schauen, wie es weitergeht.“ Die Gebäude unter anderem mit eigenen Elektroleitungen zu versorgen, sei aufwändig, weil dafür umfangreiche Erdarbeiten nötig seien. Wie die Finanzierung und der weitere Betrieb aussehen könnten, darüber gebe es derzeit viele Gespräche zwischen dem Verein, der Gemeinde und der Erbengemeinschaft, die das Wohnhaus verkaufen will, erklärt der Zusmarshauser Bürgermeister Bernhard Uhl. Die neuen Versorgungsleitungen würden ungefähr 15000 Euro kosten, sagt er. Wann wird die Sternwarte also wieder öffnen? Das ist noch völlig unklar, sagt Stumböck. Bürgermeister Uhl hofft, dass das Wohnhaus noch heuer einen neuen Eigentümer bekommt. „Es wäre natürlich toll, wenn er nicht nur in das Haus zieht, sondern sich auch noch für die Sternwarte interessiert“, sagt Uhl. Er betont, dass ein Planetarium für die Gemeinde etwas Besonderes ist. Dass sie wie bei allen Vereinen etwas zuschieße, sei klar.

Auch wenn der Zeitpunkt für eine Wiedereröffnung noch nicht feststeht, sind Stumböck und Uhl optimistisch, dass der Betrieb nach einer Pause weitergehen kann. Der Verein sei grundsätzlich bereit dazu, auch wenn er derzeit personell nicht so gut aufgestellt sei, sagt der Vorsitzende. „Wir bräuchten schon Durchhaltevermögen. Aber das ist ja oft so: Wenn der Gründer einer Initiative stirbt, muss man erst schauen, wie man sich neu orientiert. In dieser Phase sind wir gerade.“

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