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Neusäß-Ottmarshausen/Hammel

26.11.2018

Die letzte Geschichte in einem kleinen Bildchen

Ob reicher Landwirt, Familienvater oder junger Soldat: Das Ende ist immer gleich. Der Ortsgeschichtliche Arbeitskreis Ottmarshausen-Hammel hat jetzt einen Teil seiner großen Sammlung an Sterbebildern aus drei Jahrhunderten gezeigt.
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Ob reicher Landwirt, Familienvater oder junger Soldat: Das Ende ist immer gleich. Der Ortsgeschichtliche Arbeitskreis Ottmarshausen-Hammel hat jetzt einen Teil seiner großen Sammlung an Sterbebildern aus drei Jahrhunderten gezeigt.
Bild: Marcus Merk

Der Ortsgeschichtliche Arbeitskreis Ottmarshausen-Hammel hat Hunderte von Sterbebildern gesammelt. Sie erzählen Persönliches, aber auch die Geschichte des Orts.

Joseph Sueß muss ein bedeutender und reicher Mann gewesen sein. Der Hofbesitzer aus Ottmarshausen starb im Jahr 1870 – und bereits damals konnte sich seine Familie für ihn ein Sterbebildchen leisten.

Heute ist die kleine Karte, mit einem Gebet auf der einen und einer Abbildung des heiligen Nepomuk auf der anderen Seite versehen, für den Ortsgeschichtlichen Arbeitskreis Ottmarshausen-Hammel ein kleiner Schatz. Es ist das älteste Druckwerk seiner Art in der Sammlung des Vereins. Die ist inzwischen beachtlich. „Wir haben etwa 600 Sterbebilder aus Ottmarshausen und 120 aus Hammel“, berichtet Anita Christl aus der Leitung des Arbeitskreises. Die Entwicklung der beiden Dörfer und ihrer Einwohner, aber auch die Geschichte von Familien lässt sich aus ihnen in einem gewissen Maß ablesen.

Passend zum Totensonntag, der sich als letzter Sonntag im Kirchenjahr traditionell mit den letzten Dingen befasst und vor allem in der evangelischen Kirche dem Gedenken der Verstorbenen gewidmet ist, hat der Arbeitskreis jetzt einen Teil seiner Sammlung aufbereitet und in der Alten Schule gezeigt. Die Besucher, darunter viele alteingesessene Ottmarshauser und auch Hainhofer und Hammeler, finden dabei auch einige alte Bekannte wieder: Zum Beispiel den ehemaligen stellvertretenden Landrat Ludwig Hüttenhofer, nach dem heute noch ein Fußball-Jugendturnier benannt ist, seine Ehefrau Elfriede, die ihn um fast 40 Jahre überlebte und in Ottmarshausen in der Zeit der Selbstständigkeit zweite Bürgermeisterin war. Oder den Mediziner Dr. Karl Greiner. Oder verschiedene Mitglieder der Familien Reitmayr und Zwack, die lange Zeit Pächter des Gasthofs Alte Post in Hammel waren.

Die Besucher schauen und erinnern sich – und schon geschieht genau das, wofür die Sterbebildchen einst geschaffen worden waren: „Früher lagen sie zumeist in den Gebetbüchern. Beim Betrachten erinnerte man sich der Toten“, erklärt Kreisheimatpflegerin Claudia Ried. Sie hat die Idee des Ortsgeschichtlichen Arbeitskreises zu dieser Ausstellung von Anfang an unterstützt. In ihrem Vortrag erklärt sie, was hinter den teils jahrhundertealten, teilweise aber auch viel neueren Bräuchen rund um den Tod, das Sterben und die Zeit der Trauer steckt. Bräuche verändern sich, erklärt sie: Erst im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurden Sterbebilder richtig „modern“.

Besonders viele zeigt die Ausstellung aus einer anderen Zeit des großen Sterbens, nämlich des Ersten Weltkriegs. Todesfälle ritualisiert zu begleiten, das helfe auch bei der Trauerarbeit, so die Kreisheimatpflegerin. Das Trauerjahr für den Ehepartner oder die vier Trauerwochen für entferntere Verwandte hätten somit auch wichtige soziale Aspekte gehabt.

Ein Familienerbstück zeigt Peter Obeth in der Ausstellung: Es ist ein kleines Versehbesteck für die letzte Ölung. Solche Gegenstände hätten sich noch Anfang des Jahrhunderts in fast allen Haushalten gefunden, erklärt Claudia Ried.

Trotz aller Betroffenheit und Trauer: Auch rund um den Tod und Beerdigungen gibt es Anekdoten. Einer, der viele von ihnen kennt, ist der ehemalige Ottmarshauser Bürgermeister Josef Löflath.

Er weiß noch, dass man früher immer vom Kirchturm in Ottmarshausen geschaut hat, wann das Auto des Bestattungsinstituts aus Augsburg kam – denn wenn man es am Lohwald sah, dann konnte man anfangen, die Glocken zu läuten. Als die Stützmauer am Friedhof erneuert wurde, kamen menschliche Knochen zum Vorschein. Einige von ihnen konnte Löflath gerade noch einem Buben abnehmen, der sie mit einem Fahrradanhänger mitgehen lassen wollte. Alle geborgenen Gebeine wurden schließlich unter einer Buche auf dem neueren Teil des Friedhofs wieder bestattet.

Besonders kurios: Einmal sah Josef Löflath, dass an einem Samstag das Grab für die Beerdigung am Montag noch nicht ausgehoben war. Der junge Mann war wohl bei seiner Freundin in Haunstetten, bekannt war aber nur, dass die in einem Hochhaus wohnte. „Amtshilfe“ leistete schließlich die dortige Polizei, die an allen Hochhäusern Klingeln putzte, bis sie ihn gefunden hatte, weiß Löflath noch heute.

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