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Vor 100 Jahren brach der erste Weltkrieg aus

04.08.2014

Erinnerungen an das Unvorstellbare

Blumen zu Ehren der Gefallenen beider Gemeinden legten (von rechts) Bürgermeister Karl Hörmann, sein französischer Amtskollege Joseph Moutier und dessen Stellvertreter Roland Wagner nieder.

Feier Gäste aus Lutzelbourg und Lützelburger gedenken des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren

Gablingen-Lützelburg Knallende Böllerschüsse, Weihrauch, Uniformen und Fahnen erfüllten den Platz vor der Lützelburger Pfarrkirche am Samstagabend. Der örtliche Kameraden- und Soldatenverein hatte zur Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Kriegsausbruchs 1914 geladen und konnte dazu neben zahlreichen Gästen aus der Politik und den Vereinen auch eine Delegation aus der befreundeten, fast gleichnamigen Gemeinde Lutzelbourg aus Frankreich empfangen. „Es ist heute unvorstellbar, dass die Menschen aus dem bayerischen Lützelburg und die des lothringischen Lutzelbourg sich so etwas antun könnten“, beschrieb Bürgermeister Joseph Moutier seine Betroffenheit über das Ausmaß des Ersten Weltkrieges, der in Frankreich als „Grande Guerre“, der große Krieg, in die Geschichtsbücher einging. Wohl auch deshalb, weil sich dort die Soldatenfriedhöfe häufen, die endlosen Reihen der weißen Kreuze allgegenwärtig sind.

Gernot Keller vom Kameraden- und Soldatenverein Lützelburg gab durch das Vorlesen der Namen aller Gefallenen der beiden Gemeinden dem Grauen des Krieges ein Gesicht. Vierzehn Männer aus Lothringen verloren zwischen 1914 und 1918 ihr Leben; 18 Lützelburger fielen, sieben Männer wurden vermisst gemeldet und kamen nie zurück. Nie wieder dürfe so etwas geschehen, wie die Kriege, die Europa im vergangenen Jahrhundert so sehr verletzten, erinnerte Bürgermeister Karl Hörmann an die Verpflichtung für Frieden, der für uns schon so selbstverständlich geworden sei, Wert zu schätzen und zu bewahren.

Eindringlich beschrieb der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz die Zeit, in der der Unfriede seinen Lauf nahm und neue Waffen bislang ungeahnte Zerstörung und Leid mit sich brachten.

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Auf die schier unvorstellbare Zahl von 17 Millionen Toten und die unüberschaubare Anzahl von an Körper und Seele schwer verletzten Menschen wiesen die Redner eindringlich hin. Der kirchliche Gruß „der Friede sei mit dir“ sei keine leere Floskel, sondern ein Wunsch mit tiefer Bedeutung, gab Pfarrer Franz Xaver Sontheimer in seiner Predigt zu bedenken. Er erinnerte an die Bedrohung dieses Friedens überall auf der Welt und auch direkt vor unserer Haustüre. „Der Frieden ist zerbrechlich“, warnte er, „und doch so notwendig für ein Leben in Fülle“. Nach der Niederlegung eines Kranzes durch Bürgermeister Karl Hörmann und eines Blumengebindes durch Bürgermeister Joseph Moutier standen immer wieder Gäste des anschließenden Empfangs im Pfarrheim sprachlos vor der großen Landkarte der französischen Schlachtfelder. Gernot Keller hatte die vom französischen Staat herausgegebene Gedenkkarte neben Feldpostkarten und einem Transkript des Feldtagebuches seines Großvaters zu einer Ausstellung zusammengestellt. Wie so viele seiner Generation war auch der 1878 geborene Martin Keller nicht mehr nach Hause gekommen. Er fiel ein paar Monate nach Kriegsausbruch in Frankreich.

Und was blieb am Ende dieses Krieges, der so vielen das Leben gekostet und noch viel mehr Menschen den Lebensplan zerstörte, fragte Keller in seiner Begrüßung zum Empfang. „Bilder von Schlachtfeldern und Schützengräben, Soldatenfriedhöfe und eine neue staatliche Ordnung Europas, die die Welt nicht friedlicher gemacht hat“, so sein Fazit. Diesen Frieden könne aber jeder Einzelne in seinem eigenen Einflussbereich selbst gestalten und durch die Pflege der Freundschaft mit anderen Völkern am Leben halten, so sein eindringlicher Appell vor allem an die Jugend, die zumindest als Musikanten des Jugendblasorchester Lützelburg zahlreich vertreten war und den feierlichen Rahmen für die Veranstaltung schuf.

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