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Zusmarshausen

16.04.2015

Gigolo in der Sauna

Männer mit Badekappen und im Bademantel: Um den „Sauna-Gigolo“ geht es jetzt bei der Zusambühne.
Bild: Manuela Rauch

Frisch, frivol und überraschend: Ab Samstag darf beim neuen Stück der Zusambühne Zusmarshausen gelacht werden. Ein Blick hinter die Kulissen beim "Sauna-Gigolo".

Es gebe zwei Rollen, sagt Richard Baumeister, die seien ihm selber so fremd, dass er nie geglaubt hätte, sie spielen zu können. „Eine Frau und einen Homosexuellen.“ Letzteren verkörpert der Laienschauspieler nun übertrieben im rosa Rüschenhemd als Jerome Quast, Kosmetiker. Die Stimme einen Hauch zu hoch, die Gestik übertrieben dramatisch, die Mimik betont überbetont. Unten am Bühnenrand steht Hans-Peter Englbrecht und nickt zufrieden. „Wusst’ ich doch, dass er’s kann“, sagt er. Seit 1983 führt der mittlerweile pensionierte Pädagoge die Schauspielgruppe versiert durch jedes Stück. „Die sind am Ende jedes Mal von sich selber überrascht.“

So auch Richard Baumeister, der mit Spachtel und Creme-Tiegel in diesem Jahr eine vergleichsweise kleine Rolle spielt. Letztes Jahr stand er in „Hermann in flagranti“ als Hauptdarsteller auf der Bühne. Heuer hat sich die Textmenge auf ein Viertel reduziert. „Das ist nicht schlimm“, sagt er. Das Auswendiglernen sei weniger stressig und wäre im vergangenen Jahr „echt übel“ gewesen. Im echten Leben hat der 47-Jährige mehr mit Zahlen als mit Worten zu tun.

Richard Baumeister arbeitet im Controlling. In extreme Rollen schlüpfen und mal ganz anders sein, das mache das Theater so reizvoll, erklärt er. Die Laienspielgruppe ist bunt gemixt. Es gibt Lehrer, Krankenschwestern, Bankangestellte, Landwirte. Auch der Anblick von Siegfried Reinelt mag manchen überraschen. Den angegrauten Herrn im blauen Frottee-Bademantel und kunstvoll gebundenem Turban kennen viele als Polizeibeamten der Dillinger Dienststelle. Heute spielt Reinelt einen eifersüchtigen Ehemann und amüsiert sich königlich. „Das macht so viel Spaß“, sagt er und lässt die Badelatschen fröhlich wippen. Wie viele andere hier hat auch Reinelt früh seine Leidenschaft für das Schauspielern entdeckt. Als Jugendlicher stand er in Aufführungen von Hans Sachs auf der Bühne, 2011 kam er nach langer Abstinenz wieder auf den Geschmack. „Der Applaus fühlt sich einfach gut an“, sagt er.

Ab Samstag steht das Lustspiel „Der Sauna-Gigolo“ auf dem Programm. Die temporeiche Komödie von Andreas Wenig beansprucht die Lachmuskeln. Im Mittelpunkt stehen Theresa, Lisbeth und Ursel. Die Damen haben sich in der Sauna vom Schönling Sandro Kern den Kopf verdrehen lassen und wetteifern mit reichlich Gezicke und Gezeter um die Gunst des Jünglings. Doch der Gigolo hat nicht mit der Kreativität der gehörnten Ehemänner gerechnet. Es kommt zum Showdown in der Damensauna.

Seit 1983 gibt es die Zusambühne, viele der rund 20 Mitglieder sind seit den Anfängen dabei. Im Seniorenzentrum St. Albert hat die Truppe ihre Bühne, die Generalproben sind gleichzeitig den Bewohnern des Hauses als exklusive Preview vorbehalten. Hans-Peter Englbrecht zeigt auf die Fotowand im Foyer des Saals. Nonnen, griechische Helden, Frauen mit Schulterpolstern und Männer in Lederhosen. Einmal hatte man sogar elf Kindern die Haare rot färben müssen. Mehr als 30 Jahre Frohsinn. Nur ein einziges Mal, das war 1989, hatte sich die Zusambühne am ernsten Genre versucht und einen Krimi präsentiert. Das Urteil war vernichtend. „Bitte spielt wieder was Lustiges, sagte man uns.“ Englbrecht lacht. Doch bei aller Heiterkeit gab es auch traurige Momente. Erst vor wenigen Tagen starb Amalie Kastner. Seit dem ersten Vorhang schneiderte die 75-Jährige den Schauspielern jedes noch so ausgefallene Kostüm auf dem Leib. „Sie war die gute Seele“, erzählt der Regisseur. Doch das Leben, sagt er, sei eben auch ein Theaterstück. „Irgendwann geht es zu Ende, und der letzte Vorhang fällt.“

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