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Dialekte

24.06.2013

Janker, Nudeln und sportlich laufen

Unsere Serie über Sprachbesonderheiten bewegt sich heute zwischen Küche und Kleidung

Landkreis Augsburg Man mag es nicht für möglich halten, aber es ist wahr. Der Einfluss des Angloamerikanischen auf unsere Sprache macht auch vor deutschen Mundartworten nicht halt, nein, er konkurriert sogar mit ihnen. „Walken“ ist so ein Begriff.

Und, man lese und staune, der Hüter der deutschen Sprache namens Duden kennt und nennt beide Bedeutungen des gleich geschriebenen (nicht gleich lautenden) Wortes – denn die Aussprache ist unterschiedlich und schafft die nötige Distanz: Einmal, allerdings an zweiter Stelle, führt der Duden das englische „walken“ für „gehen im Sinne des sportlichen Nordic Walking“ an und zum anderen den deutschen, noch im Dialekt in verschieden Varianten genutzten Begriff mit den Bedeutungen für „geschmeidig machen“, „verfilzen“ (man erinnere sich an den „Walkjanker“), „massieren“ und „durchkneten“.

Und so versteht man in unseren Mundarten unter „Walker“ oder auch „Walger“, meist in Wortzusammensetzungen, jenes Küchengerät, das im Bauerntheater schon mal als typisch weibliche Waffe zur Bestrafung zu spät aus der Wirtschaft heimkehrender Ehemänner zweckentfremdet wird, richtig, das Nudelholz oder auch die Teigrolle.

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Interessant ist, dass der Begriff „walken“ (althochdeutsch „walchan“) in nahezu all unseren süddeutschen Mundarten bei diesem Gerät auftaucht. In Württemberg sagt man „Well-“ oder „Wallholz“, im bayerisch-schwäbischen Gebiet sind es, so die Sprachexperten König und Renn, meist zusammengesetzte Wörter, deren erster oder zweiter Teil dieses „wallen“ in zahlreichen Varianten nutzt: „wargeln“, „wergeln“, „wellen“, „wallgeln“. Und so heißt es dann folglich etwa „Wargelholz“, „Walgelholz“ und auch – ins Fränkische hinein – „Wergelholz“. Oder eben „Nudelwaller“ und „Nudelwargeler“.

Im westlichen oberbayerischen Alpenraum und im Allgäu hat sich’s, um es salopp zu formulieren, „ausgewallert“. Dort nennt man das Küchengerät etwa „Nudeltriebler“, „Nudeltriller“ oder gar „Nuudltriwla“. Basis ist, so König und Renn, ein althochdeutsches Wort „triben“, also treiben, rollen.

Da ja heute kaum noch jemand Nudeln mit der Holzwalze selbst herstellt – es gibt ja zig renommierte Großhersteller aus unseren Breiten und natürlich aus Italien, und es gibt obendrein elektrisch betriebene Küchenhilfen –, dürften die mundartlichen Begriffe für die Teigwalze bald ganz vergessen sein.

Und dann wird bei „walken“ im Duden nur noch die sportliche Betätigung aufgeführt werden. Es sei denn, der „Walkjanker“ kommt wieder in Mode, dann könnte das deutsche „walken“ vielleicht überleben ...

Das nächste Mal kümmern wir uns um Flecken und Flicken und einiges mehr.

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