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Bonstetten

07.04.2018

Jede Nuss wird hier von Hand eingesammelt

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600 Kilogramm Haselnüsse erntet die Familie Aubele jedes Jahr. Klaus Aubele zeigt eine ganze Kiste voll.
Bild: Marcus Merk

Familie Aubele aus Bonstetten erntet etwa 600 Kilogramm Haselnüsse im Jahr. Manuell. Und mit der Unterstützung von Freunden und Verwandten.

Vor ziemlich genau acht Jahren fiel der Startschuss für die Bonstetter Haselnuss aus dem Hause Aubele. Ende März 2010 bauten Klaus und Marianne Aubele 2000 Haselnussbäume auf einer Fläche von 2,7 Hektar an. Fünf verschiedene Sorten „Edelnüsse“ sind es heute. Gleich im ersten Jahr hatten sie mächtig Pech: Fast 350 Bäume fielen dem trockenen Frühjahr zum Opfer. An die allererste Ernte erinnert sich Marianne Aubele noch heute gern zurück. „Die ersten 20 Nüsse haben wir mit Freude gegessen“, erklärt sie lachend.

Vor drei Jahren dann waren es bereits 400 Kilogramm, im vergangenen Jahr konnten die Haselnussbauern 600 Kilogramm ernten. „Das Gefühl, mit den Händen in die braun gefärbten Nüsse zu greifen, ist unbeschreiblich“, schwärmt die Haselnussbäuerin und ergänzt: „Die Ernte ist ein Gefühl, das gut tut.“

Dennoch: Mit einem Aufwand wie diesem hat das Paar im Vorfeld nicht gerechnet, denn die Haselnüsse werden per Hand geerntet – oder vielmehr einzeln aufgesammelt. Klaus Aubele erklärt: „Wir haben ausschließlich fallende Sorten.“ Wenn die Haselnussbäume einen Großteil der Nüsse abgeworfen haben, werden alle freiwilligen Helfer zusammengetrommelt.

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Anfang Oktober vergangenen Jahres sind so 30 Verwandte und Freunde zusammengekommen, die an nur einem Tag etwa ein Drittel der Ernte einfahren konnten. Die Erntezeit liegt zwischen Ende September und Ende Oktober. Vor und nach der großen Hilfsaktion, die traditionell mit einem Abend am Lagerfeuer endet, sammelt Familie Aubele tagtäglich die Nüsse ein. In Kübeln, Kisten und Körben werden sie gesammelt. Dann kommen sie auf den Hänger.

Eine Erntemaschine ist keine Alternative

Eine technische Alternative gibt es für Familie Aubele nicht, auch wenn sie bereits eine Erntemaschine getestet hat. Allerdings sind diese Maschinen nicht für das Klima in Bonstetten gemacht. Gerade im Herbst ist der Boden oft schon feucht. In der Türkei hingegen, wo der Großteil der Haselnüsse bis heute angebaut wird, ist der Boden im Herbst grasfrei und trocken. Mit einer Maschine durch die Haselnussbaumreihen zu fahren, würde auf dem Acker von Familie Aubele bedeuten, einen Großteil der Nüsse in den weichen Boden zu drücken.

Folglich wird in Bonstetten jede Nuss von Hand eingesammelt. Nach dem Ernten werden die Nüsse sortiert. Auf den ersten Blick erkennen die Haselnussbauern, ob eine Hülse leer ist, oder ob sich darin eine Nuss befindet. Woran? An der Farbe. „Eine graue Hülse ist meist leer und lässt sich schlecht öffnen“, erklärt Marianne Aubele. Bei der gesunden Nuss hingegen geht die Hülse fast von alleine ab.

Einen Großteil der Haselnüsse gibt die Familie ab. In der Nähe von Dachau werden die Nüsse dann getrocknet, sortiert, gereinigt, verpackt und industriell weiter verwertet. „Welchen Preis wir dafür bekommen, wissen wir im Vorfeld nicht“, erklärt Klaus Aubele. Etwa 200 Kilo pro Jahr vertreibt oder konsumiert die Familie selbst. Vor Ort ist sie bekannt. Und so kommen Kunden gerne direkt vorbei, um dort Haselnüsse zu kaufen, wo die Herkunft bekannt ist. Auch über die Marktschwärmerei in Augsburg können Kunden Bonstetter Nüsse ordern.

Aus den Nüssen entsteht Schnaps, Pesto und Kuchen

Die Weiterverarbeitung ist hingegen eher ein Hobby der Bäuerin. Am liebsten sind ihr selbst die gerösteten Haselnüsse, die etwa 30 bis 35 Minuten bei 150 Grad Celsius ins Backrohr kommen. „Der Geschmack ist gut und auch die Haut geht so leicht ab“, verrät sie. Auch braut sie Schnaps, wofür sie geröstete Nüsse, weißen Kandis und Doppelkorn braucht. Nach vier Wochen wird das Gebräu gesiebt, behält aber eine trübe Färbung. Wer die Farbe nicht mag, für den filtert sie den Schnaps – allerdings nimmt dieser Vorgang auch einen Teil des typischen Nussgeschmacks. Das Rezept stammt von „Oma Edith“, einer Bekannten von Marianne Aubele, die sie erst auf die Idee gebracht hat, Schnaps zu brauen. Auch Pesto, Nussecken, Nusskuchen, Nusspanade oder Geburtstagsgeschenke aus Haselnuss gibt’s aus dem Hause Aubele – für Freunde und Verwandte. Die große Nachfrage ist meist saisonal geprägt: Vor Weihnachten ist die Haselnuss sehr beliebt. Unterm Jahr kommt sie vor allem bei den Veganern gut an, liefert sie doch reichlich Eiweiß.

Saisonal abhängig ist auch der Aufwand, den die Bonstetter auf dem Feld haben. Das Vorbereiten des Ackers, der Zaunbau und die Anlage der Reihen zu Beginn ihrer Haselnussbauernkarriere waren aufwendig. Hilfreiche Tipps bekamen sie vom zweiten Haselnussbauern im Ort, Jakob Deil. Und so pflanzten sie ihre Bäume wohlweislich mit reichlich Abstand zueinander. Vier Meter liegen zwischen den Reihen, drei Meter zwischen jeder Pflanze. So hat jede Pflanze zwölf Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Das ermöglicht es, außerhalb der Erntezeit den Acker zu mähen, ohne die Pflanzen in Mitleidenschaft zu ziehen. Aktuell steht der Rückschnitt an.

In Bonstetten wachsen „Haselnussbäume und keine Büsche“, erklärt Klaus Aubele. Der Grund: Fehlt den Zweigen Licht, können sie keine Früchte bekommen. Regelmäßig richtet er ein waches Auge auf seinen Haselnussbestand, um mit Blick auf die Blätter erkennen zu können, ob den Bäumen etwas fehlt. Sorgen darum, dass wieder einige Bäume kaputt gehen könnten, wie im ersten Jahr, machen sich Aubeles nicht. Erst wenn die Bäume das Alter von 20 oder 25 Jahren erreichen, wollen sie überdenken, ob sie nachpflanzen oder ob die Bonstetter Haselnüsse dann auslaufen.

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