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Debatte

31.07.2014

Kutzenhausen ringt weiter ums Feuerwehrhaus

Soll das neue Feuerwehrgerätehaus Kutzenhausen an der Augsburger Straße gebaut werden oder nicht? An dieser Frage scheiden sich die Geister im Gemeinderat und bei den Bürgern. Das Gerätehaus ist klein und in die Jahre gekommen. Auf dem Gelände im Vordergrund könnte der Nachfolgebau entstehen.
Bild: Marcus Merk

Konzept für das Gerätehaus an der Augsburger Straße sorgt für heftige Turbulenzen im Gemeinderat

Einziges Thema der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause war das geplante Feuerwehrhaus an der Augsburger Straße in Kutzenhausen. Knapp 40 Zuhörer waren anwesend. Doch nach knapp zweistündiger und zum Teil heftiger Debatte, in der es vorrangig um den Standort in der Ortsmitte oder beim Raiffeisengebäude und um die jeweiligen Kosten und Synergieeffekte ging, wurde die Entscheidung vertagt.

Bürgermeisterin Silvia Kugelmann sagte, dass der Rat nach einer vernünftigen und vor allem finanzierbaren Lösung für ein Feuerwehrgerätehaus suchen müsse. Die Gemeinde habe jede Menge Pflichtaufgaben wie Hochwasserschutz, Freibad, Bauhof, Vereinsheim Rommelsried, Kanal- und Straßenbau und anderes zu bewältigen, die viel Geld kosten. Dem gegenüber stünden die rückläufige Gewerbesteuer, steigende Kosten bei der Verwaltung und nur mäßig steigende Einnahmen bei der Einkommensteuer.

Fünf Varianten für den Neubau

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Die Bürgermeisterin erinnerte daran, dass sich die Kutzenhausener im Rahmen der Bürgerbeteiligung zum Feuerwehrhaus dafür ausgesprochen hätten, nicht ausschließlich ein Feuerwehrhaus zu bauen, sondern dann auch Räume für die Öffentlichkeit zu schaffen und die Ortsmitte samt Dorfplatz entsprechend zu gestalten. In einer derart exponierten Lage nur ein Gerätehaus hinzubauen, war den Bürgern zu wenig. Bisher seien 80000 Euro an Planungskosten angefallen.

Kugelmann legte eine Kostenermittlung für insgesamt fünf Bauvarianten für ein Feuerwehrhaus mit zwei oder drei Stellplätzen und mit und ohne Gastronomie und Rathaus vor. Die Summen schwanken zwischen 1,3 Millionen und etwas über drei Millionen Euro. „Angesichts der finanziellen Lage der Gemeinde mit rund 700000 Euro Schulden und Rücklagen von etwa 1,8 Millionen Euro übersteigen sämtliche Varianten den finanziellen Rahmen der Gemeinde. Und andere wichtige Projekte bleiben dann auf der Strecke“, sagte die Bürgermeisterin.

Verschiedene Konzepte stehen zur Diskussion

Georg Rapp (FWK) hatte zusammen mit Ratskollegen und dem Architekten Eberhard Wunderle einen Plan erarbeitet. Herausgekommen seien zwei giebelständige Gebäude mit kleinerer Kubatur für zwei Stellplätze, Schlauchwaschanlage, Sozialbereich und Schulungsraum auf dem Grundstück an der Augsburger Straße. Wegen Hochwassergefahr müsste das Grundstück etwas angehoben werden, ein Entlastungskanal sei nicht berücksichtigt, die verbreiterte Zufahrt erfolge über die Augsburger Straße. Auf dem Dorfplatz im westlichen Bereich könnte Rasen angelegt werden. „Die reinen Baukosten liegen bei 800000 Euro“, rechnete Rapp vor.

Dem gegenüber stellte Johannes Spatz (UGG) ein Konzept auf dem Raiffeisenbankareal vor. Um Synergieeffekte zu nutzen, sollten Bauhof und Feuerwehrgerätehaus gemeinsam auf diesem Grundstück entstehen. Man könnte dort drei Stellplätze für die Feuerwehr unterbringen, das Untergeschoss für die Technik und das Obergeschoss für Büro und Schulungen nutzen. Die bestehende Halle könnte für den Bauhof um- und ausgebaut, Parkplätze im hinteren Bereich des Grundstücks angelegt werden. Damit wären zwei Probleme auf einen Schlag erledigt, meinte Spatz. Die Kostenschätzung liege hier bei knapp 1,5 Millionen Euro.

Josef Schmid, Sachberater für Brand- und Katastrophenschutz bei der Regierung von Schwaben, meinte, das Konzept auf dem Raiffeisenbankgelände würde passen. Die Räte sollten aber auch überlegen, ob nicht ein Bauwerk auf der grünen Wiese sinnvoller sei. Die technischen Anforderungen an die Wehren würde immer mehr, Spreizer und Rettungsschere würden in absehbarer Zeit kommen, Atemschutz werde künftig für alle Wehren Pflicht. Zwei Stellplätze würden in jedem Fall gefördert; der dritte Stellplatz wäre nur dann förderfähig, wenn Kutzenhausen als Stützpunkt für die anderen Ortsteilwehren spezielle Gerätschaften unterbringe, die im Bedarfsfall geordert werden. Die Lagerfläche an der Augsburger Straße sei dafür aber zu klein.

Kreisbrandrat Alfred Zinsmeister war es wichtig, dass es mit dem Feuerwehrhaus vorwärtsgeht; es müsse eine gute und flexible Aufteilung geben. Im Bereich Augsburger Straße sehe er Probleme, weil die Feuerwehr zu sehr nach Norden gedrängt werde, die Ausfahrt nicht glücklich gewählt und das Rangieren schwierig seien, so Zinsmeister. Seiner Ansicht nach hätten Bauhof und Feuerwehrgerätehaus an einem Standort die größten Synergieeffekte.

Ist die Augsburger Straße ideal oder nicht?

Rudolf Kaiser (CSU/UB) meinte, dass der Rat im Dezember 2013 das fertige Konzept mit drei Stellplätzen beschlossen habe. „Wenn wir jetzt vom Konzept Augsburger Straße abweichen oder ganz davon weggehen, dann sind die 80000 Euro Planungskosten ganz weg.“ Man wolle eine Zentrumsentwicklung, die Augsburger Straße sei ideal, das Grundstück seinerzeit eigens dafür gekauft worden. „Dass ein Feuerwehrhaus dort den einen oder anderen Groschen mehr kostet, war klar. Wenn man vernünftig haushaltet, dann ist das auch umsetzbar. Jeder, der den Raiffeisen-Vorschlag macht, muss auch Vorschläge für Synergieeffekte, Gestaltung und Kosten machen“, sagte Kaiser.

Das Areal an der Augsburger Straße könnte für Wohnbebauung (60+) genutzt werden, meinte die Gemeindechefin. Um dem Wunsch der Bürger nach öffentlichen Räumen nachzukommen, könnte die Gemeindehalle besser genutzt werden. Kugelmann appellierte, das Wohl der Gemeinde im Auge zu behalten. Ihr Stellvertreter Rupert Kugelbrey (UGG) fragte, ob es den Dorffrieden wert sei, auf dem Standort Augsburger Straße zu beharren und in Kauf zu nehmen, dass die anderen Ortsteile nichts mehr abbekommen. „Wir dürfen uns nicht langfristig alles verbauen.“ Bernhard Strehle (FWK) warf den Gegnern der Zentrumsbebauung eine Blockadepolitik vor.

Nach teilweise heftiger Debatte wurde kein Beschluss gefasst. In der nächsten Sitzung, bei der alle Gemeinderäte anwesend sein sollen, soll dann eine Entscheidung fallen.

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