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Horgau

21.11.2019

Lärm und Schmutz: Baustelle in Horgau sorgt für Frust

Wegen der Baustelle an der Horgauer Hauptstraße musste ein Geschäft vorübergehend schließen. Ein Ende ist nicht in Sicht.Im Rahmen des Projektes „Dorferneuerung“ des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) soll Horgau und später auch Horgauergreuth für rund 3,71 Millionen Euro einen neuen Ortskern bekommen.
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Wegen der Baustelle an der Horgauer Hauptstraße musste ein Geschäft vorübergehend schließen. Ein Ende ist nicht in Sicht.Im Rahmen des Projektes „Dorferneuerung“ des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) soll Horgau und später auch Horgauergreuth für rund 3,71 Millionen Euro einen neuen Ortskern bekommen.

Seit über einem Jahr wird an der Hauptstraße in Horgau gebaut. Einige Anwohner sind stinksauer und werfen der Gemeinde vor, nicht zu handeln. 

Kein Kunde im kleinen Getränkemarkt von Anita Hölseder. Ihr Geschäft liegt mitten in der Horgauer Hauptstraße. Seit über einem Jahr wird hier gebaut. Zum großen Ärger der 73-Jährigen. Sie sagt: „Ich habe die Schnauze voll.“ Vor Kurzem musste sie ihren Getränkemarkt für zwei Wochen komplett schließen. Seit Tagen gibt es keine neue Lieferung von Getränken mehr. Derzeit kann man den kleinen Markt nur zu Fuß erreichen. „Und wer schleppt schon die schweren Kisten zu Fuß nach Hause?“, fragt Hölseder. Wenn es so weiter geht, müsse sie den Laden irgendwann dichtmachen.

Anwohner an der Hauptstraße in Horgau beschweren sich

Sie ist nicht die einzige, die von Lärm, Schmutz, und Straßensperrung in Horgau genervt ist. Im Sommer haben Anwohner mit Staub zu kämpfen, der auf der Baustelle aufgewirbelt wurde. Die Autos wurden dreckig, Fenster mussten stets geschlossen bleiben. Ein Anwohner berichtet, dass er plötzlich keine Auffahrt in seinen Hof mehr hatte – ohne Absprache. Kritisiert wird auch, dass es künftig keine Parkplätze am Martinsplatz, zum Beispiel für die Kirchgänger, mehr geben wird. Außerdem sind mehrere Anwohner der Meinung, dass die neue Straße viel zu schmal geplant sei. Landwirte sollen wegen der Baustelle mit ihren Maschinen nur schwer auf die Felder kommen. Es ist bekannt, dass sich die Arbeiten auf der Baustelle verzögern. Eigentlich sollte bereits eine Asphaltdecke über der neuen Hauptstraße liegen. Doch auf einem großen Teil fehlt diese. Woran liegt das?

Die Bauarbeiten an der Hauptstraße in Horgau dauern mittlerweile weit über ein Jahr. Noch immer ist kein Ende in Sicht.
Bild: Philipp Kinne

Arbeiten an der Baustelle verzögern sich

Horgaus Zweiter Bürgermeister Johann Ohnesorg erklärt, dass vor allem bei der Spartenarbeit zu Verzögerungen kam. Anschlüsse für Wasser, Elektrik oder Breitband wurden verlegt. Die verschiedenen Baufirmen hätten nicht gut kooperiert. Mittlerweile laufe die Absprache besser, sagt Ohnesorg. Er kann den Frust einiger Anwohner verstehen. „Natürlich ist das ärgerlich, vieles lief schief“, meint Ohnesorg. Doch nun müsse man daran arbeiten, dass es auf der Baustelle vorangeht. Nur darüber zu schimpfen nutze nichts.

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Im Mitteilungsblatt „D´r Rothtaler“, das vom Bürgerverein Rothtal herausgegeben wird, bittet Uwe Steinlein um Verständnis. Er wohnt selbst an der Baustelle und ist Mitglied des Bürgervereins. Er sagt: „Es nutzt nichts, den nächsten Gemeinderat anzurufen und unflätig zu beschimpfen oder beim Einkaufen über die ‘Deppen vom Gemeinderat‘ herzuziehen.“ Steinle behauptet, dass Anwohner auch die Arbeiter auf der Baustelle wüst beschimpft haben sollen. Von rassistischen Beleidigungen ist die Rede. Unsinnig sei es außerdem, allein die Gemeinde für die Verzögerungen verantwortlich zu machen: „Auftraggeber ist in diesem Fall sowieso nicht die Gemeinde, sondern das Amt für ländliche Entwicklung in Krumbach.“

Die Bauarbeiten an der Hauptstraße in Horgau dauern mittlerweile weit über ein Jahr. Noch immer ist kein Ende in Sicht.
Bild: Philipp Kinne

Im Winter wird es eine Pause auf der Baustelle geben

Das stimmt nur zum Teil, erklärt Projektleiter Andreas Pardun vom ALE. Er sagt: „Alles an Planung geschieht nicht ohne Wissen und Beteiligung der Gemeinde.“ Die Arbeiten an Kanal und die Spartenverlegung sei allein Aufgabe der Gemeinde. Erst bei den Straßenarbeiten sei das ALE als Aufsichtsbehörde zuständig. „Es nutzt aber nichts, sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben“, sagt Pardun. Auch er habe großes Verständnis für den Frust der Anwohner. Dass es zwischenzeitlich zu Sperrungen und teils zu Verzögerungen kommt, sei aber normal. Vertragsrechtlich sei man mit der Baustelle noch nicht in Verzug. Ob das Ziel, Mitte kommenden Jahres fertig zu werden, eingehalten werden kann, hänge nun in erster Linie vom Wetter ab. Denn sobald es frostig wird, könne nicht mehr asphaltiert werden. In den Wintermonaten soll es eine allgemeine Pause auf der Baustelle geben.

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