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Konzert

20.03.2013

Lyrische Hommage an die Liebe

Pianistin Karin Wolferstetter und Sopranistin Michaela Gumpp gestalteten die weibliche Seite des Motango-Konzerts im Stadtberger Bürgersaal.
Bild: Thomas Hack

Das Ensemble Motango lässt in Stadtbergen brillant musikalische Stilrichtungen verschmelzen

Stadtbergen Was kommt heraus, wenn man Salzburger Klassik mit südamerikanischer Lebenslust verbindet und das Ganze noch mit einer gehörigen Prise Comedy garniert? Der Name der Formation „Motango“ setzt sich zusammen aus Mozart und dem berühmt-berüchtigten Tanz aus Argentinien, was bereits im Vorfeld des Konzerts für ein angenehmes Spannungsfeld sorgte.

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Und die fünf Mitglieder des Ensembles machten im Stadtberger Bürgersaal auch von Anfang an deutlich, dass sie gar nicht erst versuchen, sich in irgendeine Musikschublade stecken zu lassen: „In den Zwanzigerjahren waren Konzerte beliebt, an denen alles durcheinander gespielt wurde. Es war bunt, frech und niveauvoll.“

Sicherlich hätte auch dem österreichischen Wunderknaben eine solche Buntheit gefallen und so war es keineswegs verwunderlich, dass der Abend mit einer farbenfrohen Figur aus der Zauberflöte seinen Anfang nahm: Bariton Manuel Wiencke warf als Vogelfänger seine musikalischen Netze aus und zeigte mit kraftvoller Stimme, dass die Musik von Motango auf allerhöchstem Niveau anzusiedeln ist.

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Aber keine Lyrik ohne die Liebe: Im Mittelpunkt der vergnüglichen Liederreise stand nichts Geringeres als das undurchschaubare Beziehungsgeflecht zwischen Mann und Frau, welches mal in wehmütiger Weise, mal mit augenzwinkernder Nonchalance in Szene gesetzt wurde. Bedingungslos erlag man den Verführungen eines Don Giovannis oder sah sich bei temperamentvollen Paso-doble-Klängen mit dem heißen Geschlechterkampf in der spanischen Meseta konfrontiert.

Doch Nomen est Omen – und so durften natürlich auch die tragischen Tangoklänge nicht fehlen, welche die schummrige Atmosphäre der argentinischen Tanzkeller in den Bürgersaal zauberten.

Eigene Kompositionen sorgen für Erheiterung

Für Erheiterung sorgten schließlich die zahlreichen Eigenkompositionen der einfallsreichen Truppe. So wurde in bester Udo-Jürgens-Manier mit anarchistischer Eleganz auf das moderne Konsumverhalten geschossen („Am Klavier wird ich zum Tier“) oder sich dezent mit den Verständigungsproblemen zwischen den Damen und Herren der Schöpfung auseinandergesetzt („Tarzan Blues“).

Höchst originell war eine Publikumsanimation, die man wohl treffend als lyrische Versteigerung bezeichnen konnte: Die Gäste mussten Wörter finden, die sich auf den Namen Frank reimen. Als nach zahlreichen und lautstarken Einwürfen niemandem mehr etwas Sinnvolles eingefallen war, bekam der letzte „Dichter“ einen Getränkegutschein für die Pause geschenkt.

In einem neckischen Höhepunkt wurde schließlich mit schwarzem Cocktailkleid und roter Federboa kokettiert – allerdings nicht seitens einer weiblichen Burlesque-Sängerin, sondern eines männlichen Baritons. Frivole Stücke von Max Raabe, groovige Anklänge an Benny Goodman und die herzerfrischende Moderation von Akkordeonist Ralf Peters machten den ungewöhnlichen Abend schließlich rundum perfekt.

Und was der Conférencier über die Liebe zum Besten gab, galt für diesen spannenden Liederabend gleichermaßen: „Es ist zumindest die Erinnerung, die bleibt.“

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