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Meitingen

26.06.2019

Meitinger sucht ein Zuhause für sein kleines Haus auf Rädern

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Das neue Zuhause von Max Eller steht reisefertig bereit. Nun fehlt nur noch ein schöner Platz dafür.
Bild: Wolfgang Stock

Plus Max Eller aus Meitingen will in sein Häuschen auf Rädern einziehen. Doch dafür braucht er eine Baugenehmigung. Die zu bekommen ist nicht leicht. 

Es macht sich ein Wohntrend bemerkbar, der nichts mit Wanddesign oder der Badkeramik zu tun hat. Kleiner, effizienter, praktischer sollen die eigenen vier Wände sein. In einem Tiny House, also einem winzigen Haus, wollen Leute wohnen, die mit weniger Dingen ganz bewusst mehr Lebensqualität gestalten wollen.

Max Eller aus Meitingen ist so einer. Das Haus hat er sogar schon. Nun fehlt nur noch das passende Stück Land, auf dem sein Zuhause auf Rädern ankommen kann. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn für die kleine Wohnstätte braucht es dieselbe Baugenehmigung wie für ein „großes“ Haus.

„Ich hatte mir das leichter vorgestellt“

Egal ob das Häuschen auf Rädern steht und jederzeit den Standort wechseln könnte oder fest installiert wird. „Ich hatte mir das leichter vorgestellt“, sagt Max Eller. Er ist verwundert darüber, dass sein Wohnkonzept bei den Gemeinden auf keine große Gegenliebe stößt. Und das in Zeiten heftig beklagter Wohnraumknappheit, ins Kraut schießender Mieten und dem Schlagwort Innenraumverdichtung, das in den Rathäusern seit Jahren die Runde macht. Die Idee des 27-Jährigen, auf einem großen Grundstück ein Tiny House zum Bestand dazuzustellen und damit auf einfachste Weise zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, scheint den Nerv der Zeit doch perfekt zu treffen.

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Doch eine Sonderlösung in punkto Baurecht gibt es für die kleinen Häuser bislang nicht. Ein Trend sei noch nicht auszumachen ergab die Nachfrage beim Bauamt des Landratsamtes. Ob das auch daran liegt, dass das aufwendige Verfahren die Interessenten an der alternativen Wohnform abschreckt, ist nicht bekannt.

Diese Regeln gelten auch für Tiny-Houses

Hintergrund: Sobald eine bauliche Anlage als überwiegend ortsfest eingestuft wird, greift das Bayerische Baurecht, so die Fachleute. Ortsfest ist das Häuschen, ob auf Rädern oder nicht, wenn es mehr als drei Monate steht. Wer nun die findige Idee hat, das mobile Heim ein wenig herum zu rangieren um die Ortsfestigkeit auszuhebeln, der hat damit kein Glück. Denn „als überwiegend ortsfest sind dabei auch beispielsweise wiederholte Veränderungen des Standortes im räumlich-funktionalen Grundstückszusammenhang einzustufen“, so die Klarstellung aus dem Landratsamt.

Das Tiny House kann Schlaf- und Arbeitsstätte sowie Freizeitraum sein - man muss den Platz nur gut nutzen. Foto: Alexander Heinl/dpa
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So lebt es sich in den kleinen Häuser
Bild:  Alexander Heinl/dpa

Dabei ist das Tiny House keine Billiglösung mit Campingcharakter. Bis zu 100000 Euro und auch mehr kann man für ein gut ausgestattetes, ökologisch ausgerichtetes Tiny House ausgeben. Doch dann fehlt es auch an nichts. Viel Geld, doch die Investition lohnt sich, ist der gelernte Bankkaufmann Max Eller sicher. Die 33 Quadratmeter seines Tiny House eines österreichischen Herstellers sind strikt ökologisch auf- und ausgebaut. Rund um eine Stahlkonstruktion sorgen Fichtenholz, Lehmputz und Schafwolle als Isolierung für warmes Wohnen.

Seine Wohnung möchte er schnell kündigen

Mit einem speziellen Ofen wird gekocht, gebacken, geheizt und heißes Wasser für die Zentralheizung gespeichert. Seine unnötig große Wohnung möchte der Tiny House Besitzer dafür so schnell wie möglich kündigen. Den Job bei der Bank hat er schon lange an den Nagel gehängt. Sein Geld verdient er heute mit einer kleinen Flotte von eigenen Foodtrucks mit denen er mit seinem Team bei Firmenevents und privaten Feiern für die Verpflegung sorgt. Nachhaltig, umweltfreundlich und regional hält er es beim Einkauf für seine Kunden und ebenso möchte er mit dem Tiny House auch leben.

Mit dem bunten Bully ist Max Eller viel unterwegs und hat sich das Thema Wohnen in vielen Ländern angeschaut.
Bild: Wolfgang Stock

Dass weniger oft mehr ist, kennt er von seinen vielen Reisen durch ganz Europa und darüber hinaus. Mit dem Bully unterwegs sein, den Menschen nahe kommen, sehen wie sie leben und arbeiten. Das fasziniert den ideenreichen Unternehmer. Daheim könnte er sich vorstellen, wie aus mehreren der kleinen Häuser Gemeinschaften Gleichgesinnter entstehen. Alles langfristige Planung, denn vorerst geht es darum überhaupt ein Grundstück für sein Tiny House zu finden.

„Gerne auch ein renovierungsbedürftiges Anwesen mit großem Grundstück“, denn dann könnte er im beweglichen Haus wohnen während er das Stationäre renoviert. Eine Nutzung hat er dafür auch schon im Kopf, aber das ist Zukunftsmusik. Im September würde er sein neues zehn Meter langes Zuhause gerne abholen. Noch steht es bei Karlsruhe, wo es einem Ehepaar während der Haussanierung gute Dienste geleistet hat. Bald könnte es in Schwaben ein Beispiel für die durchaus regionale Tugend von Sparsamkeit in Hinsicht auf den Umgang mit Mutter Natur sein.

Über Angebote würde Max Eller sich freuen. Erreichbar ist er unter 0171 213 989 2 oder Email jim@jimsgrosseklappe.de

Weshalb auch für die Mini-Häuschen die bayerische Bauordnung gelten muss, beschreit Christoph Frey in dieser Glosse.

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