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Kultur

21.10.2019

Rebell, Verräter, Poet und Erneuerer

Mit viel Leidenschaft breitete Rudi Rhode das musikalische Schaffen von Bob Dylan aus.
Bild: Siegfried P. Rupprech

Die Bob-Dylan-Story verpackt Rudi Rhode in eine theatermusikalische Biografie. Das Ergebnis ist ein außergewöhnlicher und leidenschaftlicher Blick in ein unangepasstes Künstlerleben

Bob Dylan ist einer der einflussreichsten Songwriter der letzten Jahrzehnte. Spätestens mit Erhalt des Literatur-Nobelpreises war er in aller Munde. Braucht es dann noch eine Bob-Dylan-Story auf der Bühne? Ja, heißt die klare Antwort. Der Sänger und Schauspieler Rudi Rhode inszenierte im Theater Eukitea nicht nur das Musikschaffen des Ausnahmekünstlers. Er zeigte ihn mit viel Leidenschaft auch als poetischen Erneuerer der Rockmusik, der sich weder von Fans noch vom Musikgewerbe vereinnahmen ließ. Gerade diese Unbeugsamkeit machte das Stück so vielschichtig und beeindruckend.

Und noch ein weiterer Aspekt faszinierte: Rudi Rhode sang die Dylan-Songs auf Deutsch. Nah am Original, akribisch und lyrisch eigenwillig – aber ohne zu kopieren. Dabei band er trickreich mit Theaterszenen und Original-Einspielungen wie der berühmten Martin-Luther-King-Rede „I Have a Dream“ den zeitgeschichtlichen Hintergrund ein. Damit beschwor er atmosphärisch die 1960er-Jahre mit Kubakrise, Vietnamkrieg und Friedensbewegung. Im Gegensatz dazu Rhodes mit viel Herzblut, wenig Requisiten, Akkordeon und Mundharmonika vorgetragene Interpretationen der sozialkritischen und pazifistischen Dylan-Lieder. Die Rüstungsindustrie fragte er: „Hat euer Geld so viel Macht, dass ihr Vergebung kaufen könnt?“ Anschaulich zeigte Rhode wie Dylan zum musikalischen Sprachrohr der gegenkulturellen Revolte aufstieg. Doch gegen diese Rolle wehrte er sich vehement. „Das Image ist der Tod der Kreativität“, meinte er.

So beschloss Dylan, den simplen Beatles-Texten Literarisches entgegenzusetzen: Er verband Rock’n’Roll mit anspruchsvollen Texten. Er erfand sich neu, verstärkte zudem seine Musik elektrisch und trat mit Band auf. Rudi Rhode verwies hier exemplarisch auf das Newport Folk Festival 1965. Dort löste Dylan mit seinem Trend zur Rockmusik bei den Fans lautstarke Kritik aus. Von Rhode aufgefordert, verdeutlichte das Publikum die damalige Feindseligkeit mit lauten Buhrufen.

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In der Folgezeit gelangen Dylan anspruchsvolle Hits wie „Like a Rolling Stone“ und „Knockin’ on Heavens Door“. Stücke, die Rhode ebenso wie „Maggie’s Farm“ mit enormer darstellerischer und musikalischer Präsenz vortrug.

Die Jahre ab 1966 hatten bei Rhode dann nicht mehr den breiten Stellenwert. Dylan habe sich nach einem Motorradunfall völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, informierte Rhode.

Auch viele Jahre später, nach Drogensucht und privatem Auf und Ab, waren Dylans musikalische und textliche Ideen - nicht zuletzt weil er seine Hits teilweise bis zur Unkenntlichkeit veränderte - oft massiver Kritik ausgesetzt. Die Musik-Theater-Doku, in der immer wieder das Aufbegehren und die Zerrissenheit des Künstlers aufleuchteten, endete mit der Verkündigung des Literatur-Nobelpreises 2016. Bob Dylan alias Rudi Rhode quittierte sie, die Hände in den Hosentaschen, mit einem breiten Grinsen. Wohlwissend über die eigene ikonenhafte Bedeutung.

Fazit: Die Aufführung stellte spannend und einfühlsam zugleich die unterschiedlichen Facetten Dylans dar: Dylan als Rebell, Verräter der Folkmusik, musikalischer Erneuerer und literarischer Impulsgeber der Rockmusik. Dafür gab es vom leider nur kleinen Publikumskreis großen Beifall.

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