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Diedorf

29.01.2019

Rettet die Gemeinde den Saal vom Millerwirt in Diedorf?

Das Gebäude des Millerwirt – ehemals die Gaststätte zum Eiserenen Kreuz. Hinterhalb war immer der Eingang zu Saalbau, Kegelbahn und Bühne. Wie es weitergeht, ist unklar.
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Das Gebäude des Millerwirt – ehemals die Gaststätte zum Eiserenen Kreuz. Hinterhalb war immer der Eingang zu Saalbau, Kegelbahn und Bühne. Wie es weitergeht, ist unklar.
Bild: Foto: Marcus Merk

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Es könnte die letzte Veranstaltung überhaupt im traditionsreichen Saalbau des Diedorfer Millerwirts werden. Demnächst steht der Kinderfaschingsball an – an gleicher Stelle, wie seit vielen Jahren schon. Und doch könnte die Faschingssause anders werden, als gewohnt. Der Diedorfer Theaterverein hängt seit Oktober vergangenen Jahres in der Luft. Denn nach dem Ball wird der Verein ausziehen müssen, sagt Vorsitzender Thomas Wetzel. Bisher hat die Vereinigung jedes Jahr mehrere Stücke auf die Bühne des Saalbaus gebracht. Eine Alternative ist noch nicht in Sicht, obwohl der Verein seit Monaten sucht. Wetzel betont aber: „Als alteingesessener Ortsverein ist es unser Ziel, am Ort zu bleiben.“

Die Nachricht war für den Theaterverein ein Schock: „Eigentlich kann ich es gar nicht richtig beschreiben. Man muss hier machtlos zuschauen, wie ein 78 Jahre alter Ortsverein vor dem Aus steht.“ Für den Verein ist das Ende des Saals besonders bitter. Im Keller unter der Bühne war der Verein bisher gut organisiert. Hier lagerten Requisiten und Kostüme. Es gab einen Bereich für die Maske und einen Aufenthaltsraum für das Beisammensein nach der Vorstellung.

Theaterverein wendet sich an Marktgemeinde

Wetzel erklärt: „Im Gegensatz zu Vereinen, die vor dem Aus stehen, weil niemand mehr eine ehrenamtliche Funktion übernehmen will oder die Mitgliederzahl schwindet, stehen wir als gesunder Verein vor einem anderen Problem.“ Auch deshalb hat er sich in einem offenen Brief an die Gemeindeverwaltung gewandt. Sein Vorschlag: Die Marktgemeinde könnte den Saalbau als Veranstaltungsraum oder Kulturzentrum vom Besitzer pachten. Alles in allem fasst er seine Anregungen so zusammen: „Mit einem gut ausgearbeiteten Konzept, wäre der Saal für Diedorf mit Sicherheit erhaltenswert.“

Vielen Vereinen droht das Aus

An den nötigen Renovierungsarbeiten würde sich der Theaterverein im Rahmen seiner Möglichkeiten finanziell und tatkräftig beteiligen. Was hinzu kommt: Platz für kulturelle und sportliche Aktivitäten ist in Diedorf nicht nur beim Theaterverein knapp. „Mit der Schließung des Saales stehen nicht nur wir vor dem Aus“, erklärt Thomas Wetzel. Er denkt dabei an die Kegelgruppen, die regelmäßig auf der Bahn zusammenkommen. Ein weiteres Beispiel ist der Soldaten- und Kameradschaftsverein, der sich öfter im Millerwirt getroffen hat – zu seinem 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2008 zum Beispiel. Auch der Sportverein sucht immer wieder nach zusätzlichen Räumlichkeiten. Der Musikverein hat im vergangenen Jahr darüber nachgedacht, seinen Proberaum im Gebäude der Schmuttertalhalle über dem neuen Hort anzubauen – es dann aber aus Kostengründen erst einmal gelassen. Der Wasserwacht Diedorf, dem zweitgrößten Verein der Marktgemeinde, stehen in der Schmuttertalhalle ebenfalls nur wenige Quadratmeter für seine Vereinsaktivitäten zur Verfügung. Und die Kunstschule denkt bereits über einen Weggang aus Diedorf nach, weil sie keine geeigneten Räume mehr findet.

Auch CSU-Gemeinderat Thomas Rittel hat sich schon mit dem Thema beschäftigt. Ihm liege persönlich daran, dass dem Theaterverein weiter eine Spielstätte in Diedorf zur Verfügung steht, sagt er. Außerdem glaubt er, dass Diedorf einen Raum für kulturelle Veranstaltungen gut gebrauchen könnte. Seine Fraktion hat bisher zwei Modelle diskutiert: Entweder pachtet ein Diedorfer Verein oder die Gemeinde selbst das Gebäude. Rittel würde die letzte Möglichkeit vorziehen, allerdings betont er: „Das muss natürlich finanzierbar sein.“ Ähnlich wie Wetzel vom Theaterverein bringt auch er ein erweitertes Kulturangebot als Idee ins Spiel.

Alles in allem komme es auf das Angebot des Besitzers an. Dann sollte die Verwaltung an einem Runden Tisch auch die interessierten Vereine ins Boot holen, sagt Rittel. In diesem Zusammenhang könne man auch über die dringend notwendige Sanierung des Gebäudes sprechen, so der Gemeinderat.

Bürgermeister: Es liegt ein Angebot vor

Der Besitzer des Saalbaus war bisher nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Allerdings hat er der Gemeinde bereits ein Angebot gemacht, sagt Bürgermeister Peter Högg. Schon bald soll es zu einem Treffen mit interessierten Vereinen kommen.

Zu denen, die von der Schließung betroffen wären, gehört auch der Ortsverein der SPD. Der Vorsitzende Walter Pecher erinnert sich an Kabarettveranstaltungen – mit den „Mehlprimeln, Herr und Frau Braun oder den Wellbappn“ – und an einige politische Infoveranstaltungen. Pecher denkt noch weiter zurück: „Als ich 1969 in die Wasserwacht Diedorf eintrat, war die Vereinsgaststätte beim Millerwirt. Es gab noch keine Bürgerhäuser.“ (mit jah)

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