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Kultur

07.05.2019

Sich fügen heißt lügen

Jörg Stuttmann liest Erich Kurt Mühsam

Es ist nun rund 100 Jahre her, als nach der Ermordung des ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner in München eine sozialistische Räterepublik ausgerufen wird. Und zu den führenden Mitgliedern zählt Erich Kurt Mühsam, der in der Folge zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wird.

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Sein aufregendes Leben und Wirken hat Jörg Stuttmann, den wohl zu Recht als Multitalent geltenden Schauspieler, Sprecher und Archivar der Augsburger Stadtgeschichte veranlasst, umfänglich zu recherchieren und eine Lesung vorzubereiten, mit Zitaten, Erläuterungen, Wertungen, auch Gestik – kurzweilig für jeden, insbesondere für Geschichtsinteressierte. Auch das Ambiente an diesem ersten Maisamstag im Porzellansaal des Schlosses in Aystetten stimmt und lenkt doch nicht vom Vortrag ab.

Ein Vortrag, der sicherlich sowohl von der Struktur als auch gerade von der geschliffenen Sprache her beeindruckend ist und wohltuenderweise ohne den oft üblichen professionellen Sprecherjargon auskommt. Und so fällt es leicht, Stuttmann die Begeisterung und die Empathie für Mühsam abzunehmen, der fürwahr eine schillernde Persönlichkeit war. Ein Bohemien, ein Revoluzzer, ein überzeugter Linker, auch Schriftsteller und Jude und vielleicht obendrein auch noch schwul oder bi und bei all dem voller menschlicher Wärme.

Sich fügen heißt lügen

Mühsam entdeckt schließlich München, genauer gesagt die Intelektuellen-Szene in der Maxvorstadt und in Schwabing. Hier findet er seinesgleichen, also Sinnesgenossen, politisch wie weltanschaulich. Wedekind, Tucholski, Heinrich Mann, Feuchtwanger und viele mehr gehören zu dieser illustren Boheme.

1933 wird er von den Nazis verhaftet, es folgt eine Schreckenszeit voller Qualen und Misshandlungen, schließlich im KZ Oranienburg, wo er im Juli 1934 von der SS ermordet wird. Mühsams Motto war: sich fügen, heißt lügen.

Jörg Stuttmann beendet die Lesung mit einem der Schüttelreime von Erich Mühsam: „Wenn mein Hund zu bellen droht, geb ich ihm Sardellenbrot.“

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