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Stadtbergen

15.01.2020

Stadtberger fordern ein Herz für Radler

Ein privat organisierter Arbeitskreis setzt sich dafür ein, die Verkehrswege in Stadtbergen fahrradfreundlicher zu gestalten.
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Ein privat organisierter Arbeitskreis setzt sich dafür ein, die Verkehrswege in Stadtbergen fahrradfreundlicher zu gestalten.
Bild: Marcus Merk

Plus Eine private Initiative setzt sich mit einer Unterschriftensammlung für den Ausbau der Radwege ein. Wie Bürgermeister Metz auf die Vorschläge reagiert.

773 Unterschriften hat Ernst Kundinger in den vergangenen Monaten gesammelt. Der Stadtberger ist Initiator eines privaten Fahrradarbeitskreises, der sich dafür einsetzt, Stadtbergen fahrradfreundlicher zu gestalten. Jetzt übergab er Bürgermeister Paulus Metz den Umschlag mit allen gesammelten Namen, dazu ein Schreiben mit Forderungen und Verbesserungsvorschlägen an die Stadt.

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Stadtberger ärgerten sich über verstärkte Kontrollen der Fahrradfahrer

Auslöser der Initiative war ein Bericht unserer Zeitung im Sommer, dass das Ordnungsdienst verstärkt Fahrradfahrer wegen Verstößen, wie dem Fahren auf dem Fußweg oder ohne Licht, kontrolliert. Viele Stadtberger reagierten darauf mit Unverständnis. So auch Ernst Kundinger, der sich daraufhin an unsere Zeitung wandte, um auf die schwierige Situation der Fahrradfahrer in Stadtbergen hinzuweisen. Aus diesem Ärger heraus gründete sich im Spätherbst spontan die Initiative, die bislang rund zehn Mitglieder umfasst.

Ein zweiseitiges Blatt mit Forderungen und Vorschlägen

Auf einem beidseitig beschriebenen DIN A4 Blatt verdeutlichte die Gruppe ihre Ziele und Forderungen. So müsse in Stadtbergen ein Fahrradbeauftragter die Zügel in die Hand nehmen, um als direkter Ansprechpartner die Kommunikation zu erleichtern und die „Interessen der Radfahrer bei politischen Entscheidungen nachhaltig“ zu berücksichtigen. Um in einer dicht bebauten Stadt wie Stadtbergen überhaupt die notwendigen Flächen für Fahrradwege zu schaffen, müsse an einem Strang gezogen werden, ist sich Kundiger sicher. Demnach dürfe man die Interessen der Autofahrer und Fußgänger nicht ignorieren. Um letztlich den Verkehr im Stadtgebiet zu entzerren, sollen „mehr Bürger aufs Fahrrad“.

Stadtberger fordern ein Herz für Radler
Ernst Kundinger (links) übergibt die Unterschriften an Bürgermeister Paulus Metz.
Bild: Marcus Merk

Bürgermeister Metz lobte den Einsatz der Initiative, sich für ihre Belange einzusetzen und damit auch an die Öffentlichkeit zu gehen. Dennoch stellte er sich hinter die Entscheidung, Fahrradfahrer stärker zu kontrollieren und sagte: „Die Kontrollen dienen der Sicherheit der Fußgänger. Wir wollen Rowdys einschränken.“ Auf den Gehwegen hätten Radfahrer nichts verloren – ohne Licht stellten sie zudem für Autofahrer eine Gefahr dar. Metz räumte aber auch ein, dass der aktuelle Stand, so wie beispielsweise an der Bismarckstraße, nicht optimal sei. Für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer müssten die Wege klarer abgetrennt werden. „In dieser Hinsicht will die Stadt etwas unternehmen“, verspricht er. Dazu müsse aber der Fokus mehr auf den Fahrradfahrern liegen. Das sei in den vergangenen Jahren nicht der Fall gewesen, sagte Metz.

Momentan nur "Reparaturmodus"

Für Kundinger schon mal ein guter Ansatz, jedoch fordert er mehr. „Bislang werden nur bestehende Projekte angegangen, das ist Reparaturmodus.“ Von einer Fahrradstadt sei Stadtbergen noch weit entfernt. Viele Radfahrer fühlten sich im Straßenverkehr unsicher. „Das betrifft hauptsächlich ältere Leute“, sagte Kundinger. Er verstehe, dass die Stadt gegen Rowdys vorgehen wolle. Allerdings treffen die verstärkten Kontrollen auch die Radler, die sich aus Angst nicht in den Straßenverkehr einordnen wollten. „Manche sagen, sie zahlen lieber das Bußgeld, als sich überfahren zu lassen.“

Um dieses Problem zu beheben, hat der Fahrradarbeitskreis sich die Hilfe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) geholt. „Wir wollen die Expertise nutzen und nicht mehr aus dem Bauch heraus entscheiden“, erklärte Kundinger. Demnach rät der ADFC, für besonders kritische Stellen wie die Bismarckstraße ein Gutachten zu erstellen und sich nicht nur auf Fahrradstreifen zu konzentrieren. Besser seien abgetrennte Wege. Kundinger möchte aber nicht nur kritisieren, er lobte den Fortschritt am Nestackerweg, der an die Bismarckstraße mündet. An der Kreuzung baut die Stadt seit Sommer eine Ampel, um den Verkehr besser zu steuern.

Bürgermeister Metz zeigt sich offen für Vorschläge

Bürgermeister Metz zeigte sich zwar offen für die Vorschläge, gab aber zu bedenken, dass man in Stadtbergen den Widerstand der Autofahrer nicht unterschätzen dürfe. „Als wir vor zwei Jahren an der Kreisstraße Parkplätze für Autofahrer gestrichen haben, um für Fahrradfahrer mehr Platz zu schaffen, haben sich die Autofahrer lautstark beschwert.“ Dennoch gibt sich Metz kompromissbereit. Die Stadt hätte bereits vor Jahren gemeinsam mit dem ADFC Ideen für den Ausbau der Fahrradwege geplant. Diese wolle die Stadt nun auch nutzen. „So schnell wächst Stadtbergen nicht, die Pläne verjähren nicht.“

Das ist der ADFC Augsburg

  • Mitglieder Der ADFC Augsburg sieht sich als die Lobby für die Radfahrer unserer Region. Der Verein vertritt die Interessen von 1500 Mitgliedern und eine konsequente Förderung des Fahrradverkehrs.
  • Ziele Der ADFC sieht Nachholbedarf bei sicheren Radwegen, Aufstellflächen vor Kreuzungen, diebstahlsicheren Abstellmöglichkeiten und fahrradfreundlichen Arbeitgebern. Der ADFC will parteilich sein, wenn es um die Interessen von Radfahrern geht - aber überparteilich in der Zusammenarbeit mit Parteien und Interessengruppen. (AL)

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar: Der Fokus muss sich ändern


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