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Diedorf

23.04.2019

Textilkunst erzählt Geschichten von Krieg und Frieden

„Krieg statt Paradies“: Beten, um den Feind zu vernichten, statt um ins Paradies zu gelangen. Der Wandel der Gebetsteppiche wird in der neuen Ausstellung von Michael Stöhr im Maskenmuseum in Diedorf drastisch verdeutlicht.
Bild: Jutta Kaiser-Wiatrek

  Im Diedorfer Maskenmuseum sind außergewöhnliche Arbeiten aus fernen Ländern zu sehen, die Michael Stöhr auf seinen Reisen zusammengetragen hat.

 

  Mit einer höchst attraktiven neuen Ausstellung startet das Maskenmuseum in den Frühling. Etwa 250 außergewöhnliche und überraschende Textilarbeiten, textile Bildfolgen, Wandteppiche und abstrakte Stoffkunstwerke, die meisten davon wieder von Museumsleiter Michael Stöhr und seiner Frau auf Fernreisen gesammelt, lassen die interessierten Besucher im Maskenmuseum in eine märchenhafte, unbekannte und bunte Welt eintauchen.

Auf dem Weg durch das Museum trifft man auf präkolumbianische Textilbilder der Inkakulturen von Nazca und Paracas antiqua, welche mit seltsamen Mischwesen beeindrucken, ausdrucksstarke Stoffrelikte, die Tänzer und Tiere der späteren ägyptischen (koptischen) Kunst zeigen, sowie neonbunte Stickbilder von Indioschamanen. Mit ihrer Fremdheit und Üppigkeit nehmen die Werke den Ausstellungsbesucher schnell gefangen.

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Ausstellungsstücke in Diedorf machen nachdenklich

Von zeichnerisch wirkenden Eisenschlammdrucken auf handgewebten Leinenstreifen der Senufo im Norden der Elfenbeinküste bis hin zu Stofffahnen mit figürlichen Szenen der Fante in Ghana, welche Gedanken an die Sklaverei wach werden lassen, überraschen die Exponate und lassen die Besucher öfter länger verweilen. Letztlich sind während des gesamten Rundgangs nur ganz außergewöhnliche Stücke zu sehen, die nicht nur gefallen, sondern oftmals berühren und teilweise nachdenklich machen.

Zeigen Gebetsteppiche aus dem Islam zunächst Paradiesdarstellungen mit Tieren und Pflanzen, wurden diese, so erklärt Stöhr, schließlich über verschiedene Stufen zu sogenannten „Warrugs“ umfunktioniert. Panzer, Talibankämpfer und Kalaschnikows dominierten nun deren Bildwelt und bieten einen eher befremdlichen Anblick. Es wurde mit diesen Gebetsteppichen nicht mehr um die spätere Aufnahme ins Paradies gebetet, sondern um die glückliche Vernichtung der Feinde.

Teppiche aus islamischen Ländern habe er dort vorsichtshalber nie gekauft, erklärt der Museumsleiter. Viele der sehenswerten, alten Teppiche habe er aber beim Stöbern auf Flohmärkten hierzulande entdeckt.

Im Gegensatz zu den „Warrugs“ erzählen die großen Wandteppiche aus Nordindien lebendige Geschichten. In der Art von Moritatenerzählern wurden große Bildgeschichten in Rajastan an Wänden ausgerollt und dem Volk erklärt. „Sie waren damals ähnlich zu sehen, wie heute Handy oder Fernsehen und dienten der Integration“, weiß der Museumsleiter. Viele der abstrakten Textilkunstwerke sind zunächst aber gar nicht als Kunstwerke geschaffen worden, sondern wurden in afrikanischen und Südseeländern zunächst als Nutzgegenstände verwendet.

Erinnerung an Paul Klee

Manche wirken höchst modern, erinnern beispielsweise an die Arbeiten Paul Klees und anderer Künstler des 20. Jahrhunderts. Dies nahm Stöhr zum Anlass, den Textilkunstwerken fremder Kulturen, die Arbeiten moderner Künstlern aus der Umgebung entgegen zu setzen. Ist es doch stets das Bestreben Stöhrs, im Haus der Kunst fremde Kulturen, heimatliches Brauchtum und moderne Kunst zu vereinen.

Gezeigt werden Werke der Bobinger Künstlerin Gabriele Andersen, die Kleidungsstücke, gefertigt aus Kletten und Waldrebenblumensamen, für die Dauerausstellung von einem Jahr, zur Verfügung gestellt hat. Marie-Luise Dietl beteiligt sich mit einem geometrischen Bild, das aus Flechten verschiedener Leinwandstreifen gefertigt wurde. Weiter soll die Ausstellung mit Werken zweier Künstlerinnen aus Berlin und München ergänzt werden.

Mit „seltsamen Tierwesen aus Stoff“ würde Michael Stöhr seine Ausstellung gerne noch bereichern. Offizielle Vernissage ist am Marktsonntag, 1. Mai um 11 Uhr. Es darf aber auch jetzt schon hineingeschnuppert werden.

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