Newsticker
EMA gibt grünes Licht für Johnson-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Theater in der Stadthalle Gersthofen: Warum Atlantis untergeht

Gersthofen

11.11.2019

Theater in der Stadthalle Gersthofen: Warum Atlantis untergeht

Dem Musical „Atlantis“ liegen klassische Themen zugrunde: Liebe, Verantwortung und Loyalität, aber auch Macht und Gier. 
Foto: Siegfried P. Rupprecht

Ambitioniertes Stück zeigt in der Umsetzung in der Gersthofer Stadthalle Mängel. Das lag allerdings nicht an fehlender Begeisterung.

Gleich vorweg: Mit Musicals wie „Tanz der Vampire“, „Die Hexen von Oz“ oder dem Fugger-Stück „Herz aus Gold“, das grandios die Augsburger Freilichtbühne eroberte, kann „Atlantis“ nicht mithalten. Da lief im Kleinen Saal der Gersthofer Stadthalle manches nicht perfekt und griffig. Dennoch muss man in gewisser Weise vor den Darstellern und Machern dieses Werks den Hut ziehen. Ambition und Begeisterung konnte man ihnen nämlich nicht absprechen.

Warum „Atlantis“ nicht mit Großproduktionen zu vergleichen ist, liegt auf der Hand: Hier handelt es sich um ein privates Förderprojekt um den Augsburger Autor, Komponisten und Produzenten Alexander Mohr. Im Mittelpunkt stehen talentierte Nachwuchskünstler, die mit diesem Stück Bühnenpräsenz lernen. Der professionelle Anspruch war spürbar. Dennoch haperte es bei verschiedenen Positionen an der Umsetzung.

Tonqualität war kein Genuss

Kein Genuss war die Tonqualität. Die Mikrofone rauschten nahezu permanent, zuweilen waren einzelne Gesangsabschnitte überhaupt nicht zu hören. Keine Faszination löste auch die Lichttechnik aus. Wenn das Bühnenbild fast nur aus projizierten Bild- und Filmszenen auf eine Leinwand besteht, dann kommt dem Licht besondere Bedeutung zu. Unverständlich deshalb, warum meist nur der Bühnenboden und die untere Partie der Akteure ausgeleuchtet waren, nicht jedoch deren Gesichter. Hinzu kam, dass der erste Akt zu zäh war. Eine bessere dramaturgische Verdichtung würde dem Stück sicher guttun.

Dabei verfügt das Musical über alle Aspekte eines unterhaltsamen Werks. Es handelt von Macht und Leidenschaft, Gier und Verrat, von Gut und Böse. Ein forschendes Trio aus der Zukunft stürzt mit seinem Raumschiff ab. Es wird von General Rambold, dem Oberbefehlshaber von Atlantis, gerettet. Schon bald verliebt sich die außerirdische Forscherin Cara in den für den Thron auserkorenen Herrschersohn Xenon. Damit beginnt das Unglück. Xenons Schwester Cilia fordert nämlich als Ältere unmissverständlich das Herrschaftsrecht. Zudem ordnet Herrscher Dragon an, sein Sohn müsse aus Gründen der Staatsräson eine bereits ausgewählte Prinzessin heiraten.

General Rambold nutzt die Situation, zieht Cilia auf seine Seite und sät Zwietracht. Bei der Hochzeit von Xenon und der Prinzessin kommt es zum Machtkampf. Dank der Kraft der Liebe wendet sich aber alles zum Guten. Doch dann tritt die Katastrophe ein, und Atlantis wird – wie die Legende berichtet – vernichtet.

Eine solide Leistung, wenn auch gesanglich noch weit ausbaubar

Bei den Darstellern ragten gesanglich Michael Gebauer (Herrscher Dragon) und Xenons Mutter (Constanze von Kotzbue-Gebauer) hervor. Eine solide Leistung, wenn auch gesanglich noch weit ausbaubar, lieferten Annalena Lipp (Cara) und Helena Yannakopoulos (Lumina). Glücksgriffe waren Sandra Haug als Hohepriesterin Tecia und Lukas Gahabka als Tempellehrling Orphan. Beide lebten in ihren Rollen sichtbar komödiantisch auf. In nichts nach stand Franziska Wetzler als Herrschertochter Cilia. Sie überzeugte mit gelebter Emotionalität und treffsicherem Gesang.

Zweifelsohne ein Hingucker und zugleich bereichernder und stimmiger Faktor war das Ballett. Die Musik aus der Konserve pendelte zwischen bombastischen, rockigen und melodiösen Klängen. Mit dem Titel „Sei bereit für die Zeit“ wies sie Hitqualität auf.

Bilanz: Ein ambitioniertes Musical, bei dem noch längst nicht alles rundlief und viel Luft nach oben war. Jetzt gilt es, an den kritischen Stellschrauben zu drehen, um den Zuschauern künftig eine stimmige Präsentation in Darstellung und Technik zu bieten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren