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10.10.2009

Und sie vergessen ihn nicht

Bobingen Hunderte von Fans aus ganz Deutschland pilgern an diesem Wochenende wieder nach Bobingen. Sie gedenken hier ihrem Idol Roy Black und bestärken sich in der Gemeinschaft Gleichgesinnter. Der Schauspieler und Sänger starb am 9. Oktober 1991. Unter seinem bürgerlichen Namen Gerhard Höllerich ist er an seinem Geburtsort im Stadtteil Straßberg beigesetzt.

Von Peter Stöbich und PitT Schurian

Seit 18 Jahren wird das unauffällige Grab im Friedhof an der Ludger Hölker-Straße für die Anhänger immer wieder zur Gedenkstätte. "In unseren Herzen lebst du weiter" steht auf einer kleinen Tafel inmitten des Blumenschmucks. Hier werden sich heute und morgen weitere frische Gebinde anhäufen. Fans aus dem ganzen deutschsprachigen Raum sind da. Meist sind es Damen, die die Gefühle bekannter Schlager in sich wach halten. Ihre Ehemänner fungieren als geduldige Chauffeure.

Männer sind ebenso unter den Fans. Sie spielten in ihrer Jugend oft selbst in einer Band, wollten Rockstar werden - wie Roy Black - und wurden es dann doch nicht, sondern brav und bürgerlich - halt so, wie letztlich auch er erschien. Die Musik und die Erinnerung an die Unbeschwertheit der Wirtschaftswunderzeit haben sie noch alle in sich.

Und sie vergessen ihn nicht

Zu jedem Geburtstag und Todestag kommen sie angereist, etwa hundert oder auch zweihundert insgesamt. Die Stadt Bobingen bietet ihnen die Singoldhalle für Erinnerungsabende und eine Matinee. Günter Ortmann, der Leiter von Roy Blacks immer noch existierender Band "Cannons", hat zusammen mit dem Bobinger Kulturamt wieder ein buntes Programm gestaltet, das am 10. und 11. Oktober an die Musik und die Filme von und mit Roy Black erinnert.

Die Karriere des berühmten Bobingers ist vor 13 Jahren mit Christoph Waltz in der Hauptrolle sogar verfilmt worden. Nach dem Besuch des Augsburger Holbein-Gymnasiums wollte Gerd Höllerich Biologie studieren, entschied sich aber aus finanziellen Gründen für eine Betriebswirtschaftslehre. Erstmals öffentlich sang er im Fasching 1963 in der Band "The Honky Tonks", die in der Augsburger Kneipe "Charlys Affenstall" auftrat. Am 14. September 1963 gründete er die Band "Roy Black and his Cannons". Den Vornamen entlieh er seinem musikalischen Idol Roy Orbison, den Spitznamen Blacky hatte er wegen seiner schwarzen Haare. Und singen wollte er Rock.

"Unseren ersten offiziellen Auftritt hatten wir am 6. Dezember 1963 im Augsburger Tanz-Club Femina", erinnert sich der heute 64-jährige Bankkaufmann Günter Ortmann. Roys Freundin Vivian, die am Augsburger Stadttheater im Ballett tanzte, stammte aus Liverpool und brachte von dort die ersten Beatles-Platten mit. Auch deren Lieder spielten die Cannons in den drei großen US-Kasernen von Augsburg. Im Juni 1964 gewannen sie einen Talentwettbewerb bei einem Schülerball im Augsburger Moritzsaal; dadurch wurde de Musikproduzent Hans Bertram auf den Sänger aufmerksam.

Die ersten Singles (Sweet Baby mein und Darling my Love) waren allerdings kein großer Erfolg, bis 1965 "Du bist nicht allein" die Top Ten der deutschen Hitparaden stürmte und auch in einer englischen und italienischen Version aufgenommen wurde. "Es heißt immer, dass der Roy ein Egozentriker und todunglücklich gewesen sei, weil er statt deutscher Schnulzen lieber Rock 'n' Roll gesungen hätte", sagt Ortmann. "Aber wer viele Millionen Platten verkauft und Dutzende von Auszeichnungen bekommen hat, der kann mit seinem Job ganz zufrieden sein." Wie in jedem anderen Beruf habe es allerdings auch für Roy Black Höhen und Tiefen gegeben, und immer wieder machten ihm Herzprobleme zu schaffen.

Erfolge hatte Roy Black sowohl als Sänger als auch als Schauspieler. In der Fernsehserie "Ein Schloß am Wörthersee" feierte er 1989 sein Film-Comeback als Hoteldirektor Lenni Berger. Am 18. September 1991 hatte Roy Black seinen letzten Fernseh Auftritt in der ZDF-Hitparade. Er starb am 9. Oktober 1991 mit 48 Jahren, einsam an seinem privaten Fischweiher - wie es heißt an Herzversagen.

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