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Neujahrskonzert

24.01.2012

Unter Donner und Blitz

Angela Rossel (links) und Ruth Maria Rossel im Streicherduett, traten beim Neujahrskonzert des Stadtberger Symphonieorchesters auf.
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Angela Rossel (links) und Ruth Maria Rossel im Streicherduett, traten beim Neujahrskonzert des Stadtberger Symphonieorchesters auf.
Bild: Fotos: Thomas Hack

Symphonieorchester Stadtbergen präsentiert wuchtige Kompostionen im Bürgersaal

Stadtbergen Das Symphonieorchester Stadtbergen lud mit Pauken und Trompeten zum traditionellen Neujahrskonzert in den Bürgersaal ein und sorgte so wieder einmal für ein ausverkauftes Haus. Und eine geniale Vorstellung darf auch durchaus mal eine Viertelstunde später beginnen, wenn ein verschollener Musiker gesucht wird, wie es an diesem Abend anfangs der Fall war.

Doch ein gewiefter Bürgermeister versteht es, auch eine solche Sachlage souverän in den Griff zu bekommen. Paulus Metz übernahm spontan die Begrüßung und klärte die Zuschauer eigenhändig mit augenzwinkerndem Charme über die Vermisstenmeldung auf: „Sie sind mit daran Schuld, dass der Musiker zu spät kommt, denn er findet keinen Parkplatz!“

Als jedoch kurze Zeit darauf alle Mitwirkenden die Bühne betraten, war die Stimmung im Saal umso ausgelassener. Und mit dem dramatischen Exposeé der „Diebischen Elster“ konnte eine dreistündige Musikreise mit wienerischen Walzerklängen, ergreifenden Duetten und den schönsten Melodien der anspruchsvollen Opernliteratur seinen Anfang nehmen.

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Die Dirigenten schwangen mit Tristan Uth und Irene Anda diesmal gleich im Doppelpack den Taktstock und führten das Orchester abwechselnd zu den ausdrucksstarken Höhepunkten der alten Meister. Gleich einem musikalischen Klanggewitter rollte die Polka „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauß durch den Saal – bebende Trommelschläge vermischten sich mit zuckenden Violinenläufen und brachten die Zuhörersitze zum Vibrieren.

Etwas ruhiger, aber nicht weniger leidenschaftlich präsentierten sich die sinnlichen Streicherduette von Angela und Ruth Maria Rossel. Mal im harmonischem Einklang, dann wieder gegenläufig wie ein pikantes Zwiegespräch erzählten die schwingenden Saiten von venezianischen Karnevalsgeschichten („Le carneval de venise“) und heißen Kanarienvögeln („Hot Canary“).

Untypische Arrangements mit Horn und Tuba

Der zweite Teil des Abends begann dann mit den tiefen Klanglinien des Bläserensembles Brass Couture, das bekannt dafür ist, eher untypische Arrangements mit Horn und Tuba vollkommen neu zu interpretieren und damit eigene kleine Kunstwerke zu schaffen. Dem Quintett gelang es mühelos, zunächst auf stramme Schrammelart den „Marsch“ zu blasen, um gleich anschließend in den düsteren Walzer Nr. 2 von Dmitri Schostakowitsch überzugehen, der es nicht zuletzt durch den Hollywood-Streifen „Eyes Wide Shut“ zu weltweiter Berühmtheit gebracht hat.

Isabell Münsch und Maximilian Lika nahmen sich gemeinsam mit den Symphonikern ganz der zauberhaften Welt des Musicals an. „Anything you can do“ aus „Annie get your Gun“ von Irving Berlin und „Tu’s doch!” aus dem Klassiker „My Fair Lady“ von Frederick Loewe waren stimmgewaltige Ansagen an das Publikum und wurden von diesem in wohlverdienter Weise mit lautstarken Beifallsrufen quittiert.

Doch es durfte an diesem Abend freilich auch ausreichend gelacht werden: Moderator Stefan Schön führte durch das mannigfaltige Programm und gab zwischen den Stücken kleine Anekdoten rund um die Welt von Klassik und Kultur zum Besten. Selbst erfahrene Musikfreunde werden wohl zum ersten Mal erfahren haben, dass die (inoffizielle) amerikanische Nationalhymne „God bless America“ und der Varieté-Klassiker „There’s No Business Like Show Business“ aus der Feder desselben Mannes stammen.

Der Conférencier zeigte auf schmissige Art, dass man anspruchsvolle Musik keineswegs auf staubtrockene Weise ankündigen muss: „Paganini lässt jetzt gleich den lustigen Hund auf Sie los!“

Das Symphonieorchester Stadtbergen hat insgesamt ein farbenfrohes Programm voller Spielfreude, Klassikkunst und musikalischer Abwechslung auf höchstem Niveau präsentiert. Und auch der verspätete Musiker konnte beruhigt sein: Das Stück „Bringt mich pünktlich zum Altar“ wurde erst ganz am Ende dieses spannenden Konzertes gespielt.

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