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Bonstetten

29.11.2017

Wie die „Neue Mitte“ entsteht

Wie soll die Ortsmitte von Bonstetten gestaltet werden?
Bild: Marcus Merk

Der Planer stellt bei einer außerordentlichen Bürgerversammlung Ideen und Zeitplan für das Areal an der Hauptstraße von Bonstetten vor. Manches gefällt den Zuhörern nicht

Die Bonstetter lassen anscheinend das Herz eines erfahrenen Städteplaners höherschlagen. Jedenfalls war Experte Antonius Janotta, der mehr als anderthalb Stunden im Zentrum der regen Diskussion um die Neue Mitte stand, anschließend „voll des Lobes für Engagement und Vorschläge“ der etwa 50 Gäste im Bräustüble. Das vorgesehene Areal schickt sich an, zum neuen Mittelpunkt des Holzwinkelortes aufzusteigen. Es liegt an der Hauptstraße gegenüber dem Bräustüble, einer „gut funktionierenden Gastwirtschaft, die es so nur noch selten gibt“, wie es Janotta sagte.

Das ehemalige Brauereigelände war im September auch schon Thema eines Bürgerentscheids. Eine Bürgerinitiative wollte verhindern, dass das Rathaus in das neue Mehrzweckgebäude dort zieht. Doch das Ergebnis war deutlich: 64 Prozent sprachen sich bei der Abstimmung für den Neubau aus. Nun kann die Planung weitergehen. Bei einer außerordentlichen Bürgerversammlung, der bereits Anhörungen von Anliegern und Vereinen zur Neuplanung vorausgegangen waren, sparten höchst engagierte Gäste weder mit Ideen noch mit offenen Worten.

Bürgermeister Anton Gleich, dem eine gewisse Genugtuung über die hohe Zahl an Vorschlägen aus dem Publikum anzumerken war, hatte schon zu Beginn des Treffens signalisiert: „Wir bauen die Neue Mitte nicht für den Gemeinderat oder den Bürgermeister, sondern für Sie.“ Es geht um ein mindestens Drei-Millionen-Euro-Projekt auf einem rund anderthalb Hektar großen Gelände, das „dank wunderbarer Umstände“ (Gleich) auch noch der Gemeinde selbst gehört. Und: „Wir können den Bau schuldenfrei stemmen.“

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Im Fokus des Vorhabens steht ein über 1000 Quadratmeter großes Mehrzweckgebäude. Die Bezeichnung passt, denn dort sollen neben Verwaltung und Gemeinderat auch die Musiker und die Feuerwehr ein neues Domizil beziehen. Letztere können wohl mit dem Löwenanteil von etwa 400 Quadratmetern mit drei großen Stellplätzen rechnen und so der beengten Situation im alten Gebäude davonbrausen, über das im Bräustüble den ganzen Abend kein Wort fiel.

Umso mehr war von den Nutzungswünschen der anderen Bereiche der zentralen Anlage die Rede, für die schon im nächsten Herbst ein europaweiter Architektenwettbewerb laufen soll und die vorsichtigen Einschätzungen zufolge Ende 2020 stehen könnte. Als besondere Attraktion gilt ein geräumiger und multifunktional nutzbarer Bürgersaal, der mithilfe von flexiblen Trennwänden den Aufenthalt von allen Gruppen aus Bildung, Kultur und Freizeit ermöglicht und das Haus so mit vielfältigem Gemeindeleben füllen kann. Im neuen Zentrum ist auch eine Wohnbebauung angedacht. Dazu gab es verstärkt kritische Töne im Saal. „Neben Rathaus, Feuerwehr und Musik zu leben kann ich mir schwer vorstellen“, monierte einer und bezog sich damit auf die sechs Wohneinheiten mit bis zu 75 Quadratmetern, die im Planungspapier vorgesehen sind. Da sei Ärger ja wohl programmiert.

Während ein paar Besucher in Abrede stellten, dass die Kommune „in diesem Bereich mitmischen muss“ und lieber die Finger davon lassen sollte, sprachen andere gar von einer „Flächenverschwendung“. „Das kostet bloß einen Haufen Geld und bringt nichts ein – soll sich der Bürgermeister dann um tropfende Wasserhähne kümmern?“ Gleich reagierte mit einem Hinweis auf die Beschlusslage im Gemeinderat und äußerte: „Auch in Bonstetten kennt man Wohnungsnot.“ Allerdings war die Idee bereits bei anderen Vorstellungsrunden auf wenig Gegenliebe gestoßen.

„Immissionsgründe“ spielten auch eine Rolle bei der vereinzelten Ablehnung von einem Wechsel des „Stockerplatzes“ vom Brauereigelände zum neu gestalteten Dorfplatz: „Beim Zusammenstoß dieser schweren Dinger gibt es ordentlich Krach“, kritisierte ein besorgter Anlieger und bestätigte damit den Hinweis von Landschaftsarchitekt und Projektleiter Janotta, dass man bei den derzeit „landauf, landab stattfindenden Ortsmitteplanungen dieses Thema stets auf dem Schirm haben sollte“. Die Zuhörer waren anderer Ansicht und applaudierten dem Referenten lautstark.

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