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Konzerte

09.04.2019

Wuchtiger Trip nach Hollywood

Das Symphonieorchester Stadtbergen setzte den Helden preisgekrönter Hollywood-Produktionen ein klanggewaltiges Denkmal.
Bild: Thomas Hack

Stadtberger Symphonieorchester präsentiert ergreifende musikalische Werke

Sie entführten die Besucher in die bunte Fantasiewelt des Kinderhelden Peter Pan, sie eroberten mit voluminöser Klanggewalt die spannendsten Winkel des Wilden Westens, sie begaben sich unter Stadtberger Flagge auf opulente Piratenfahrt durch die sieben Weltmeere. Einige Hundert Gäste waren in den Bürgersaal geströmt, um die ergreifendsten Epen der Filmgeschichte mitzuerleben, dargebracht von nicht weniger als 45 Instrumentalkünstlern des Symphonieorchesters Stadtbergen.

Mit filigranen Flötenklängen, dominanten Streichern und dramatischen Paukenschlägen ließen die Musiker das Publikum sogleich in das traumhafte Neverland aus dem Fantasy-Blockbuster „Hook“ entschwinden – von instrumentaler Seite aus eine mitreißende Mixtur aus rasanten Action-Passagen und unbeschwerten Tagträumen.

Dass das Konzert der großen Filmkompositionen etwas Besonderes werden würde, war schon in diesen ersten Minuten zu sehen, in denen Orchesterleiterin Irene Anda erstmals ihre ungebremste Energie in den Saal transportierte: Ihre Arme zuckten, der Körper bebte, und sie gönnte dem Taktstock nicht eine ruhige Sekunde, während sie den speziellen Charakter der Musik vollständig in sich aufzusaugen schien.

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Von der abenteuerlichen Welt der Traumgestalten ging der wuchtige Hollywood-Trip fast nahtlos weiter in die endlosen Weiten der amerikanischen Prärie: Der Soundtrack des oscarprämierten Monumentaldramas „Der mit dem Wolf tanzt“ begann mit einer einzelnen, wehmütigen Kavallerie-Trompete, mit welcher mehr und mehr Instrumentalfarben das harmonische Zwiegespräch suchten – bis das unheilvolle Klanggewitter mit all seinen dazugehörigen Dissonanzen schließlich wie ein Feuersturm über die noch heile Welt der Indianer niederprasselte und auch die vermeintliche Idylle der Musik auf radikale Weise beendete. Von unbeschwerter Leichtigkeit gezeichnet war dagegen die Suite aus „Forrest Gump“, kaiserliche Walzerklänge gab es beim bezaubernden Arrangement „Die Schöne und das Biest“ zu genießen.

Nach jedem einzelnen Beitrag des Orchesters gab es seitens des Publikums Beifallsstürme. Als epischer Höhepunkt des Abends ließ schließlich eine ausgedehnte Version von „Fluch der Karibik“ den Bürgersaal erbeben. Die Dirigentin Irene Anda schien sich selbst auf einem gewaltigen Flaggschiff zu befinden und inmitten eines „feurigen Seegefechts“ ihre versierte Piratenmannschaft zu dirigieren, während diese alles aus ihren musikalischen „Waffen“ holte, was überhaupt nur möglich war.

Eine ungewöhnliche Idee des Orchesters zeigte sich am Ende dieses pathetischen Konzertabends: Mit den musikalischen Meisterwerken aus zwei verschiedenen „Robin Hood“-Produktionen präsentierten die Musiker einen spannenden Kontrast zweier völlig unterschiedlicher Zeitepochen. Während der Soundtrack zu Kevin Costners Blockbuster von 1991 insbesondere dem paukendominierenden Pathos geschuldet war, lebten die Melodien zu Erol Flynns Klassiker von 1938 ganz vom subtilen Spiel zwischen laut und leise sowie der spannenden Abwechslung von sanften Soloparts und gewaltigen Gruppenarrangements – vielleicht das komplexeste Stück des gesamten Konzerts. (hath)

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