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22.08.2014

Zwischen Sonnenblumen und netten Nachbarn

Die Geschichte von Hahnenweiler ist kaum überliefert. Die Einwohner berichten von vielen Spielgefährten und einem tollen Zusammenhalt, der bis heute anhält /

Dass der Name des Weilers Hahnenweiler auf einen geschenkten Hahn zurückgeht, ist wohl ein Ammenmärchen. Dass aber der heilige Johannes aus dem ehemaligen „Johannesweiler“ stammt, der später in „Hahnenweiler“ umbenannt wurde, ist – einer Überlieferung zufolge – eine Möglichkeit, wie der Weiler zu seinem Namen kam. Der heilige Johannes ist heute noch zu finden – als Figur in Kloster Holzen. Weitere Details zur Geschichte des Weilers sind nur schwer nachzuvollziehen. Belegt ist, dass 1750 sieben Feuerstellen und vier Gnadenhäuser den Weiler bildeten und 18 Menschen dort lebten.

„Heute sind es zehn Einwohner“, weiß Georg Roppel, der mit seiner Frau Anna in Hahnenweiler lebt. 1803 haben seine Vorfahren das Anwesen erworben.

Die Anzahl der Häuser habe sich allerdings nicht verändert. Dies sei auch nicht möglich, da der Nachwuchs in der Regel keine Baugenehmigung bekommt, weil die Weiler nicht wachsen dürfen. „Die Baugenehmigung für unser Haus zu bekommen, war wirklich schwer“, erinnert sich Waltraud Wegner, die bereits in dritter Generation in Hahnenweiler lebt und vor 28 Jahren neu bauen durfte.

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Gerne erinnert sie sich an ihre Kindheit zurück, die sie als Jüngste von drei Kindern immer genossen hat. „Wir Kinder im Weiler haben schnell begriffen, dass viele Hände ein rasches Ende bedeuteten“, erzählt sie.

Schon immer haben sie und die Nachbarskinder zusammengeholfen und beispielsweise gemeinsam Kartoffeln abgezupft. „Danach hatten wir Zeit zu spielen.“ Waltraud Wegner schätzte die Natur und die Freiheiten, die sie auf dem Weiler hatte. „Die Nähe zum Schwaighof und den Pferden dort gefiel natürlich insbesondere uns Mädchen“, erinnert sich die Mutter eines Sohnes.

An das Gut Schwaighof erinnert Georg Roppel nur noch der Stundenlohn von 35 Pfennig, den er in der finanziell schlechten Zeit nach dem Krieg dort bekam. Dennoch sei man damals zufriedener gewesen. Gemeinsam mit seiner Frau Anna, die im Alter von sechs Jahren aus dem Böhmerwald nach Allmannshofen kam, hat Georg Roppel sechs Kinder, die heute im Umkreis wohnen.

1959 hat er seine Frau geheiratet. „Deswegen kann ich mir auch den Bau der Schmutterbrücke gut merken, das war nämlich im selben Jahr“, verrät er. Mit der Begradigung und der Schmutterbrücke war auch die Hochwassergefahr weitestgehend gebannt.

Ungefähr in den Jahren 1880/1890 haben die Großeltern von Waltraud Wegner den Hof erworben. „Vorher lebten meine Großeltern in Kloster Holzen“, erinnert sie sich an Erzählungen. Ihr Großvater, der ursprünglich Goldschmied war, betrieb fortan die Landwirtschaft auf dem Hof. Doch schon zu ihrer Kindheit wurde der Hof nicht mehr als Vollerwerbshof betrieben. „Mein Vater fuhr Milchwagen und brachte die Milch aus der Gegend in die Molkerei zum Gut Schwaighof“, erzählt sie. Ihre Geschwister und sie haben alle Berufe erlernt, schließlich sei es heutzutage schwer, von der Landwirtschaft zu leben.

Waltraud Wegner und Georg Roppel schätzen den guten Zusammenhalt im Weiler. Gestern wie heute habe man stets zusammengehalten. Waltraud Wegner erinnert sich: „Ich weiß noch, dass wir gemeinsam Maschinen gekauft haben, weil einer allein sich diese nicht hätte leisten können.“

Doch auch die vierte Generation findet Gefallen am Leben auf dem Weiler. Erst kürzlich habe ihr Sohn die Bewohner im Vorfeld über eine anstehende Party in Hahnenweiler informiert. „Auf die Vorwarnung– es könne laut werden – wurde ihm nur begegnet: „Schön, wenn sich hier etwas rührt.“

Im nächsten Teil unserer Weiler-Serie sind wir in Peterhof bei Gersthofen zu Besuch.

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