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Neue Straßen

24.09.2015

60 Jahre Leonhardsberg

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4 Bilder
1950 war erst ein Teil der Trasse für den Leonhardsberg (im Vordergrund) freigeräumt. Im Hintergrund ist die Rückseite der Stadtmetzgerei erkennbar.

Den Kriegszerstörungen folgte eine Verkehrsachse durch die Stadt

Fotos aus dem ersten Jahrzehnt nach Ende des Zweiten Weltkriegs dokumentieren Augsburgs Wandel nach den Zerstörungen durch Bomben. Im Augsburg-Album wurden solche Bilder des Öfteren publiziert. Diese Rückblende in die kurze Nachkriegsepoche, in der das „neue“ Augsburg entstand, setzt sich heute mit einer Maßnahme zur Verkehrserschließung fort: der Planung und dem Bau der sogenannten Ost-West-Achse. Das sind die Pilgerhausstraße durch die Jakobervorstadt, der Leonhardsberg, die Karlstraße, die Ludwigstraße und die Grottenau bis zum Stadttheater.

Diese Trasse hat eine lange Vorgeschichte. Die Notwendigkeit dafür ergab sich bereits mit der Verlegung der ersten Straßenbahnschienen im Jahre 1881. Die Verkehrsführung der Tram zwischen dem Stadtzentrum und Lechhausen war kurvenreich, denn die Gleise mussten auf vorhandenen Straßen verlegt werden. Das erste Konzept für neue Straßenzüge stammt aus den 1920er Jahren.

Konkret wurde der Baulinien- und Verkehrsplan von 1930. Er sah einen Straßendurchbruch durch die dicht bebaute Jakobervorstadt zum Schmiedberg vor. Der 1930 erarbeitete Plan war von epochaler Bedeutung, denn nach ihm wurden Jahrzehnte später vierspurige Straßentrassen gebaut. Seit der Inkraftsetzung des Plans wurden die vorgesehenen Trassen von Bebauung freigehalten. Nur so waren die Ackermannstraße, die Hans-Böckler-Straße, die Amagaski-Allee und die Kurt-Schumacher-Straße möglich.

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Der Generalverkehrsplan enthielt auch eine Ost-West-Trasse zwischen dem Jakobertor und dem Stadttheater. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Pläne von 1930 aus den Schubladen geholt. Sie konnten jedoch den neuen Verhältnissen entsprechend umgearbeitet werden. Bomben hatten nämlich 1944 eine Schneise durch die Jakobervorstadt geschlagen, sodass eine andere Trasse als 1930 vorgeschlagen gewählt wurde. Die Zone der Totalzerstörung ermöglichte eine großzügige Verkehrsführung. Leicht geschwungen verläuft die breite Pilgerhausstraße zwischen der Jakobskirche und dem Mittleren Graben. Da stand kein heiles Haus mehr im Wege. Die Ruinen der einstmals dichten Bebauung wurden ab 1947 beseitigt. Es dauerte bis 1953, ehe auf der projektierten Straße zuerst die Straßenbahnschienen verlegt wurden. Die Tram fuhr auf diesem Abschnitt lange vor den Autos. Beidseitig sollten neue Wohnblocks erstehen. Nur an der Nordseite der Pilgerhausstraße ist die Bebauung abgeschlossen. Entlang der Südseite klaffen noch 2015 große Lücken. Es sind noch immer sichtbare Narben, die der Bombenkrieg schlug.

Der Leonhardsberg als geradlinige Verbindung zwischen der Pilgerhausstraße und der querenden Karolinenstraße entstand völlig neu. Hier verlief zuvor lediglich das Fußgängern vorbehaltene schmale Saugäßchen. Die breite Ost-West-Achse setzt sich mit der Karlstraße fort. Die Karlstraße gab es zwar bereits, doch sie war schmal. Auch hatten Bomben eine Schneise geschlagen. Beim Wiederaufbau wurde nur die südliche Baulinie beibehalten. Gegenüber war kein Haus erhalten geblieben. So wurde die Baulinie für die Neubauten etliche Meter nach Norden verlegt.

Entlang der Karlstraße waren Grundstückskäufe und Tauschangebote an die Besitzer nötig, ehe „eines der wichtigsten Straßenbauvorhaben dieser Zeit und die Lösung eines alten Verkehrsproblems verwirklicht werden konnte“. So war es 1955 kurz nach Fertigstellung der Ost-West-Achse zu lesen. Pläne und Fotos verdeutlichen weit eindrücklicher als Schilderungen die innerstädtischen Veränderungen im ersten Nachkriegsjahrzehnt.

So ist es auch beim Entstehen der Durchbruchstraße. Augsburger Fotografen boten sich um 1950 ungewöhnliche Motive, die durch die Neubebauung rasch wieder verschwanden. Diese zeitgeschichtlichen Aufnahmen sind heute stadtgeschichtliche Bilddokumente ersten Ranges.

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