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Augsburg

31.12.2019

Als das "Feüerwerck" ein Fall für den Meister war

In der Silvesternacht wird der Himmel über Augsburg wieder von Raketen erleuchtet. Früher gab es das Feuerwerk nicht zum Jahreswechsel.
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In der Silvesternacht wird der Himmel über Augsburg wieder von Raketen erleuchtet. Früher gab es das Feuerwerk nicht zum Jahreswechsel.
Bild: Ulrich Wagner

Während heute jeder Böller und Raketen zünden darf, waren die Regeln früher streng. Alte Unterlagen aus dem Stadtarchiv erzählen von "Fontainen" und "Cometen".

Sie gehört zu Silvester, wie Bleigießen oder Dinner for One: die Diskussion um das Feuerwerk. Tradition sagen die einen, unnötig und ungesund die anderen. Auch Verbote der Böller und Raketen werden diskutiert. Das wäre nicht neu, denn früher waren die Regeln strenger. Schon vor rund 250 Jahren gab es Feuerwerk in Augsburg. Aber nicht um das neue Jahr zu begrüßen. Ausgeführt werden durfte das "Feüerwerck" ausschließlich von ausgebildeten Meistern, die sich dafür eine Genehmigung der Stadt einholen mussten.

Im Stadtarchiv findet sich unter anderem ein Antrag von Christian Resener im Jahr 1780, der mit folgenden Worten die Genehmigung der Stadt ersuchte: "Unterthäniges Anflehen [...] um hochobrigkeitliche Erlaubniß die in den sub Lit. A angeschloßene Beylage verzeichneten Feuerkunststücke in einem Privathauße allhier produciren zu därfen". In der Anlage beschreibt der Feuerwerker aus Danzig dann seine Kunst. Die Show, die er da ankündigt, klingt spektakulär und hat wohl wenig mit den Raketen zu tun, die wir in der heutigen Zeit in den Himmel schießen: "4 Fontainen, die sich in so viel Blumentöpfe und dan in eben so viel chinesische Hiangmiahi Bäume verwandlen. Eine große Sonne, die über 30 Verwandlungen hat. Das hochlöbliche Stadtwappen als wäre es von lauter Juwelen zusammen gesetzt. Es zerspringt und zeigt die Gestalt desjenigen Cometen, der die heiligen 3 Könige nach Betlehem gewiesen [...]."

Die Böller wurden nicht in den Himmel geschossen

In Tagebuchaufzeichnungen des Augsburgers Johann Gottfried Franck finden sich viele Hinweise auf die Feuerwerkskunst zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Auf einer Karikatur aus dem Jahr 1816 ist zu sehen, dass die Feuerwerker Holzkonstruktionen benutzten und das Lichtspiel am Boden veranstaltet wurde und nicht in den Himmel geschossen wurde. Außerdem verraten seine Tagebücher etwas über die Anlässe, zu denen es Feuerwerk zu sehen gab. Ein eingeklebtes Flugblatt nennt eine Vorstellung des Feuerwerkers Barnickel zur Sommersonnenwende: "Sontags den 21ten gab Barnickel ein auserordentliches Feüerwerck laut beiliegendem Zettel. Da aber in der 6ten Stunde abermal das 4te Donnerwetter schnell einfallen und ein starcker Plazregen erfolgt, so ist daß Feüerwerck verschoben, auf beßeres Wetter."

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Die Tatsache, dass mehrere Feuerwerksvorstellungen Erwähnung in den Tagebüchern finden, zeigt, wie außergewöhnlich ein solches Ereignis für die Stadtbevölkerung damals war. "Noch im 16. Jahrhundert kannte man Feuerwerk nur aus den großen Fürstenhäusern", sagt Archivar Mario Felkl. "Erst im 18. Jahrhundert wurde es durch die Feuerwerker zugänglich für eine breite Bevölkerungsschicht."

Feuerwerker tourten wie Theater durchs Land

Felkl hat viele Unterlagen und Dokumente zu den frühen Augsburger Feuerwerkern zusammengesucht. Einige der Feuerwerker beschrieben in ihren Bitten um Genehmigung Auftritte in anderen großen Städten. Wie Musikgruppen oder Theater tourten sie durch das Land und boten ihre Künste an. "Bemerkenswert ist, dass einige von ihnen angaben, die Kunst in China erlernt zu haben", sagt Felkl. Resener beschreibt seinen bisherigen Werdegang gegenüber der Stadt wie folgt: "Einem hochedel und hochweisen rath unterwinde ich mich unterthänig endesgesetzter gehorsamst vorzutragen wasmasen durch sehr mühsame in holländischen see-kriegs-diensten unternommene reisen nach China und Japan die dasige tafelfeuerwerkerey erlernet und durch erlangte känntniße in der chymie, physic und mechanic selbige in eine solche form umgegoßen, daß ich besage, derer häufig bey mir habenden attestaten [...] aller orten den größten beyfall zu erhalten..."

Es waren also physikalische, mechanische und chemische Kenntnisse erforderlich, um die Kunst zu beherrschen. Dabei experimentierten die Feuerwerker mit Schwefel, Salpeter und Pulver. Bei diesen explosiven Zutaten ist es kein Wunder, dass die Stadt Augsburg vorsichtig war mit den Genehmigungen. Es herrschte ein erhöhtes Brandrisiko, das mit den Genehmigungsanträgen minimiert werden sollte.

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31.12.2019

Feuerwerk gehört auch in die Hände von Experten. Dann lieber ein großes, professionelles. Wie viele dumme, unvernünftige werden auch diesmal wieder pünktlich zu Neujahr im Krankenhaus landen? Die armen Notärzte und Feuerwehrleute.

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