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Interview

24.08.2017

Alt-OB vermisst kreative Lösungen

Paul Wengert hat in seiner Regierungszeit den Augsburger Bahnpark auf den Weg gebracht. Wo er Haken beim aktuellen Rettungskonzept sieht

Herr Wengert, Sie haben als früherer Augsburger Oberbürgermeister den historischen Bahnpark mit auf den Weg gebracht. Was halten Sie von dem aktuellen Rettungskonzept?

Nach allem, was ich weiß, bleiben die neuen Vorschläge weit hinter dem zurück, was ursprünglich für den Augsburger Bahnpark vorgesehen war. Er sollte zum lebendigen Museum werden, in dem sich was bewegt – so ähnlich, wie wir es für das Staatliche Textil- und Industriemuseum erreicht haben.

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Für uns war der Bahnpark ein wichtiger Teil der großen Augsburger Industriegeschichte. Zu meiner Zeit gab es zum Bahnpark auch immer einstimmige Beschlüsse im Stadtrat. Jetzt hat der Bahnpark eine lange Hängepartie hinter sich. Ich meine, er hätte in den vergangenen Jahren mehr Unterstützung der Stadt verdient gehabt. Denn mit diesem Gelände ist auch eine große Chance verbunden, aus einer Industriebrache etwas Einzigartiges zu schaffen.

...aber Oberbürgermeister Kurt Gribl hat jetzt die Rettung des Bahnparks zur Chefsache gemacht. Reicht das nicht?

Ich bin zunächst froh, dass eine Absichtserklärung zur Rettung des Bahnparks unterzeichnet worden ist. So scheint fürs Erste wenigstens das Überleben gesichert. Aber eigentlich hätte ich mir schon früher mehr Kreativität und Empathie der Stadtspitze für das Projekt gewünscht. Ich kann derzeit nicht nachvollziehen, warum einige gute Ideen für den Bahnpark nicht weiter verfolgt werden, etwa das neue Studentenwohnheim im alten Eisenbahner-Übernachtungshaus oder das geplante Eisenbahn-Themenhotel für Familien.

Experten der Stadt gehen davon aus, dass beide Projekte baurechtlich nicht durchsetzbar sind, die müssen es wissen...

Ich kann mir nicht vorstellen, warum ein Themenhotel und ein Studentenwohnheim auf dem Gelände baurechtlich nicht machbar sein sollen. Es gibt heute wohl kaum ein Intercity-Hotel in Deutschland, das nicht an einer Bahnstrecke steht. Auch in Augsburg stehen bereits Hotels und Studentenwohnheime an großen Durchgangsstraßen oder direkt an stark befahrenen Bahnstrecken. Es finden sich immer ganz schnell Bedenken gegen ein Projekt. Man kann die Sache aber auch anders angehen und sich fragen, wie sie machbar ist. Ich weiß nicht, ob kreative Lösungen im Fall des Bahnparks voll ausgeschöpft wurden.

Sie haben Ministerpräsident Horst Seehofer um Unterstützung für den Augsburger Bahnpark gebeten. War das nicht etwas dick aufgetragen? OB Gribl hat bekanntlich einen sehr kurzen Draht zum Ministerpräsidenten.

Nachdem der Bahnpark-Geschäftsführer dem Ministerpräsidenten geschrieben und auch mich um Unterstützung gebeten hat, habe ich gerne Herrn Seehofer bei der Allgäuer Festwoche darauf angesprochen und ihm einen Brief übergeben. Ich denke, ein Wink aus München kann dem Projekt helfen. Interview: Eva Maria Knab

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