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Umweltschutz

03.11.2010

Augsburg: Der Auwald schreit nach Wasser

Zurzeit schafft nur der Biber Feuchtbiotope im Stadtwald Augsburg.
Bild: Pfeuffer

Eine Machbarkeitsstudie zeigt Wege auf, wie den bedrohten feuchtigkeitsliebenden Pflanzen und Tieren am Lech relativ schnell geholfen werden könnte.

Früher leuchteten die feuchten Wiesen im Naturschutzgebiet "Stadtwald Augsburg" im Frühjahr rosa. Doch die Mehlprimel ist selten geworden. Auch die blauen Teppiche des Stengellosen Enzian sind Vergangenheit. Heute gibt es nur noch wenige Exemplare. Immer mehr Pflanzen- und Tierarten verschwinden, weil die wechselfeuchten Biotope im Auwald zunehmend trocken fallen. Nach der Begradigung des Lechs fehlt die natürliche Dynamik, der Grundwasserspiegel sinkt immer tiefer.

"Wasser ist das wesentliche Element der Aue", sagt Eberhard Pfeuffer, Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben. "Sie schreit geradezu nach Wasser." Der Naturforscher beobachtet den Artenschwund in dem wegen seiner Fauna und Flora europaweit bedeutenden Naturschutzgebiet seit Jahren mit großer Sorge. Das Vorkommen des Waldwiesenvögelchens ist erloschen, ebenso das des Goldenen Scheckenfalters, der in den 50er Jahren hier noch sehr häufig war, der Grasfrosch ist heute sehr selten - die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Deshalb waren Pfeuffer und seine Mitstreiter sehr erfreut, als der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg bei zwei Planungsbüros eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gab. Die Fragestellung war, wie gezielt Wasser in die Aue geleitet werden kann, ohne den Trinkwasserschutz zu beeinträchtigen. Das 113 Seiten starke praxisorientierte Werk liegt jetzt vor.

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Und es zeigt, es gibt Wege: Aus der Lech-Staustufe 23 auf Höhe Königsbrunn könnte Wasser ausgeleitet und über ehemalige Flussrinnen des Lechs, bis vor 100 Jahren eine Wildflusslandschaft, geleitet werden. Die Aue würde wieder nass und es entstünde eine gewisse Dynamik. Trocken gefallene Rinnen könnten reaktiviert und strukturarme Bachläufe ökologisch aufgewertet werden.

Insgesamt entstünden 6,6 Kilometer neue Fließgewässer. Auf einer Fläche von 50 Hektar würden die Bodenverhältnisse verbessert. Der Grundwasserspiegel könnte durch versickerndes Wasser stellenweise angehoben werden. Interessant für die Forstwirtschaft: Die Wuchsbedingungen für den Wald würden sich auf 500 Hektar verbessern.

Da sehr viel wissenschaftliche Basisarbeit geleistet wurde und umfangreiche Daten vorliegen, könnte die Studie schnell in die Praxis umgesetzt werden. Die Lechallianz, ein überparteilicher Zusammenschluss, der mehrere Tausend Mitglieder vertritt, hat einen offenen Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl und seinen Umweltreferenten Schaal (beide CSU) geschrieben. Darin appelliert die Natur-Allianz an die Stadtregierung, schnell zu handeln. (Die Machbarkeitsstudie ist im Übrigen mit Mitteln aus der Bayerischen Biodiversitäts-Kampagne finanziert worden.) Andernfalls sei der Artenschwund nicht zu stoppen.

"Augsburg hat eine bundesweite Verantwortung für das Natura-2000-Gebiet", sagt Günter Bretzel, Sprecher der Lechallianz. Die Umweltstadt könnte bei der Europäischen Union ein sogenanntes LIFE-Projekt mit einer Laufzeit von fünf Jahren beantragen. Die EU fördert dann die in der Studie kalkulierten Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro zu 50 Prozent, dazu kämen Landesmittel. Bretzel rechnet vor: Bei kluger Finanzierung mit Drittmitteln hätte die Stadt als Pflichtanteil an dem LIFE-Projekt lediglich zehn Prozent der Summe aufzubringen, und das in einem Zeitraum von mehreren Jahren. "Wir können doch nicht weiter zuschauen, wie die Arten aussterben."

Umweltreferent Schaal begrüßt den Vorstoß der Lechallianz im Prinzip. Die Umsetzung sei aber eine Frage des Geldes. Im städtischen Haushalt stünden dafür derzeit keine Mittel bereit.

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