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Augsburger Geschichte

23.11.2020

Augsburg belebte die Peter-Kötzer-Gasse nach historischem Vorbild wieder neu

Teil der Peter-Kötzer-Gasse um 1950. Die Figurennische am Haus Nr. 7 links ist leer. Die Straßenlaternen befinden sich jetzt an der hohen Mauer gegenüber
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Teil der Peter-Kötzer-Gasse um 1950. Die Figurennische am Haus Nr. 7 links ist leer. Die Straßenlaternen befinden sich jetzt an der hohen Mauer gegenüber
Bild: Sammlung Häußler

Plus Die Peter-Kötzer-Gasse im Ulrichsviertel ist seit dem 14. Jahrhundert bewohnt. Anfang der 1970er-Jahre wurde sie zum Sanierungsgebiet. Bei der Modernisierung stand die Historie Pate.

Anno 1380 war Baubeginn an der Peter-Kötzer-Gasse im Ulrichsviertel. In diesem Jahr gab der Abt der Benediktinerabtei St. Ulrich den Obstgarten seines Klosters unterhalb der Ulrichsbasilika zur Bebauung mit Wohn- und Handwerkerhäusern frei. Eine hohe Mauer stützt das stark abfallende Terrain, auf dem die Ulrichsbasilika steht. Sie bildet die Westseite einer schmalen Gasse. An der Ostseite erstanden zwischen Milchberg und Kirchgasse ab 1380 Handwerkerhäuser.

Sieben Häuser sind dort im 15. Jahrhundert nachweisbar. In einem lebte und arbeitete 54 Jahre lang der Webermeister Peter Kötzer. Er brachte es zu Ansehen und war 1491 Zunftmeister der Weber. Er war derart populär, dass sich als Adresse „Des Ketzers Gäßlin“ einbürgerte. Es könnte sein, dass zu seinen Lebenszeiten gebaute Häuser noch in den 1950er-Jahren standen. Der morbide Charme des abfallenden Putzes lockte vor 70 Jahren Fotografen in die Peter-Kötzer-Gasse. Sie dokumentierten den Zustand der historischen Häuser, die nicht mehr dem Wohnkomfort der 1950er-Jahre entsprachen. Anfang der 1970er Jahre erklärte die Stadt die Gasse schließlich zum Sanierungsgebiet.

Die Stadt Augsburg erwarb mehrere Uralt-Häuser

Die Peter-Kötzer-Gasse vor rund 70 Jahren. Seit 40 Jahren stehen hier Neubauten.
Bild: Sammlung Häußler

Bereits um 1930 hatte die Stadt sechs der Uralt-Häuser gekauft, da über die Peter-Kötzer-Gasse ein Straßendurchbruch zwischen Eserwall und Milchberg geplant war. Er wurde nie verwirklicht. Im August 1975 bekamen Architekten den Auftrag, die stadteigenen Grundstücke Peter-Kötzer-Gasse 5 bis 13 neu zu bebauen. Drei Häuser fehlten bereits. Sie waren im Zweiten Weltkrieg zerstört oder wegen Baufälligkeit abgebrochen worden.

Bei der Vermessung und Dokumentation der Altbauten wurde klar, dass eine Sanierung einzelner Gebäude nicht infrage kam. Die städtebauliche Bedeutung der historischen Häuserzeile an der Peter-Kötzer-Gasse erforderte eine Gesamtplanung. Das hieß: Alle Häuser werden abgebrochen und neu errichtet. Nur der relativ junge Bau der Gaststätte (Striese) an der Ecke zur Kirchgasse solle bleiben. Die Vorgabe an die Architekten: Das Erscheinungsbild der Gasse ist wiederherzustellen! Giebel, Fenster und Dächer der Neubauten orientieren sich an den historischen Vorbildern. Optisch soll die „alte“ Gasse mit komfortablen Wohnungen wiedererstehen.

32 Mietwohnungen entstanden

Bei der Erneuerung der Peter-Kötzer-Gasse beschritt man bewährte Wege in der Stadtsanierung: Die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Augsburg (WBG) fungierte als Bauherrin und Eigentümerin. Die WBG verwirklichte das Großprojekt zügig: Im Januar 1978 begannen die Abbrüche, im November 1979 waren die Häuserzeilen Milchberg 6 und Peter-Kötzer-Gasse 1 bis 13 erneuert. Im sozialen Wohnungsbau war eine Wohnanlage mit acht Mehrfamilienhäusern entstanden. 32 Mietwohnungen mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von 59 Quadratmeter (insgesamt 1883 Quadratmeter) waren Anfang 1980 bezugsfertig.

Der Blick aus der Peter-Kötzer-Gasse nach oben ist spektakulär. Die Ulrichsbasilika überragt das Ulrichsviertel.
Bild: Sammlung Häußler

Das homogene Erscheinungsbild des Häuserensembles wurde bis ins Detail gewahrt. Darauf basierte das Neubaukonzept, auf dem Denkmalschützer bestanden. Die historischen Baufluchten und die Bauform blieben, unterschiedliche Fenster, Laubengänge und Außenaufgänge wurden rekonstruiert. Das Haus Peter-Kötzer-Gasse 7 bekam eine Figurennische wie der Vorgängerbau. Darin steht eine Holzskulptur von St. Ulrich, geschaffen vom Bildhauer Friedrich Brenner.

Im Augsburger Ulrichsviertel entstanden mehr Freiflächen

Der Wohnkomfort entspricht den ausgehenden 1970er-Jahren. Dazu griffen die Architekten zu Tricks: Durch Verkürzung von Häusern gegenüber den alten Grundrissen, und durch die Beseitigung von Rückgebäuden entstanden Freiflächen. Sie ermöglichten an der Ostseite der Häuserzeile Hof-, Spiel- und Gartenbereiche. Sie erhöhten den Wohnkomfort.

Zur „Rundumerneuerung“ der Peter-Kötzer-Gasse gehörte die Umwidmung zum verkehrsberuhigten Bereich. 1981 wurde die Gasse im Recycling-Verfahren gepflastert: Großsteinpflaster aus Granit wurde wiederverwendet. Auch der glatte Streifen für Fußgänger und Radfahrer besteht aus recycelten Granitplatten. Die wenigen Autostellplätze stehen Anwohnern zur Verfügung. Die Erneuerung der Peter-Kötzer-Gasse war Teil der Sanierung des gesamten Ulrichsviertels. Neue Wohnbauten auf einstigen Klosterarealen erweiterten das Viertel.

Weitere historische Exkursionen von Franz Häußler finden Sie hier hier

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