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Augsburg

20.10.2019

Augsburger Imam lobt türkischen Angriff in Syrien

Ein Augsburger Imam ruft in sozialen Netzwerken zur Unterstützung der türkischen Armee auf. Dabei dürfte er das gar nicht.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Plus Der Augsburger Geistliche ruft öffentlich zur Unterstützung für die türkische Armee in Syrien auf. Nun sagt er, alles war "ein Versehen".

Der türkische Einmarsch in Nordsyrien verstärkt Konflikte auch in Augsburg. Recherchen zeigen, dass Religion und Kriegspropaganda bei rechtsextremen Organisationen des türkischen Spektrums und bei Moscheen teils gut zusammengehen. Erdogans „Operation Friedensquelle“ stößt bei den rechtsextremen Grauen Wölfen des Vereins „Alparslan Türkes Ülkü Ocagi“ in Oberhausen auf Beifall.

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Zu Beginn der von Politikern und Experten in Deutschland als völkerrechtswidrig eingestuften Invasion verschickte der Vorsitzende des Oberhauser Vereins Bilder von Soldaten in Siegespose unter der türkischen Flagge: „Möge der erhabene Gott unseren Helden und Sicherheitskräften beistehen.“ Darunter „Amen“-Likes und Siegeswünsche. Auch Mitteilungen des Münchner Generalkonsulats finden sich. Sie erklären den Einmarsch als Maßnahme im Anti-Terror-Krieg und als Fortsetzung der erfolgten „Befreiung“ Nordwestsyriens im Februar 2018. Die Operation werde fortgeführt, bis „alle Terroristen vernichtet“ seien.

Bitte um Gottes Beistand für die türkische Armee

Nicht nur vom Verfassungsschutz beobachtete Vereine wie der in Oberhausen, sondern auch Verantwortliche von Moscheen, deren Vertreter am Runden Tisch der Religionen in Augsburg sitzen, verbreiten Kriegspropaganda. Orhan Sahin, Imam der Katzenstadel-Moschee, bat auf Facebook täglich mehrfach um Gottes Beistand für den Sieg der „ruhmreichen“ türkischen Armee. Am Dienstag dieser Woche war es das Tagesgebet des türkischen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten, dem der Ditib-Dachverband und damit auch die Katzenstadel-Moschee zugeordnet sind: „Oh Gott, gib jenen keine Gelegenheit, die es auf unseren Stolz, unsere Unabhängigkeit, unsere Zukunft und unser Vaterland abgesehen haben.“ Tags zuvor: „Mein Gott, schenk dieser ruhmreichen Armee, deren türkische Nation das Banner des Islam seit tausend Jahren trägt, den Sieg.“

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Eine weiterer, mit einer martialischen Montage bebilderter Facebook-Post des Geistlichen stellt den Angriff in eine Reihe mit militärischer, türkisch-nationalistischer Legendenbildung: Syrien 2019 folgt dem Sieg über die Briten bei Canakkale (1915), diesem ging die Eroberung Konstantinopels (1453) voraus. Auch vor einer Jugendgruppe der Grauen Wölfe macht der Imam nicht Halt. Von ihr verbreitete er ein Bild mit einer Herde von Eseln, die sich um einen Fressnapf drängt. Überschrift: „Versammlung der Arabischen Liga“. Empathie findet sich in keinem Statement, dafür Religion als Propagandamittel, Feindbilder und Kriegsverherrlichung – kann so ein Imam Jugendlichen in Korankursen und religiösen Unterweisungen Frieden vermitteln?

Der Moscheeverein ist überrascht

Orhan Sahin wurde Ende letzten Jahres vom türkischen Religionspräsidium nach Augsburg entsendet. Mit der Katzenstadel-Moschee betreut er seitdem die gemäß dem internen Ditib-Ranking wichtigste der drei Augsburger Ditib-Moscheen. Abuzer Korkut, Vorsitzender des Moscheevereins, zeigt Überraschung über die Statements, aber auch Verständnis für die Inhalte: „Schauen Sie, wie bei Demonstrationen letzte Woche unser Präsident beleidigt wurde, Terrorist nennen sie ihn.“ Er bezieht sich auf Kundgebungen, in denen Demonstranten und Kriegsgegner „Terrorist Erdogan“ rufend durch die Innenstadt gezogen waren.

Dass der Geistliche dies alles öffentlich teilt, überrascht Korkut. „Er darf sich nicht politisch äußern, das ist eine Vorgabe unseres Dachverbandes“, sagt er und veranlasst, Posts zu löschen. Der Imam war für ein Gespräch nicht bereit, ließ aber ausrichten, er habe diese „aus Versehen“ geteilt. Doch was, wenn der Imam im Koranunterricht auf das Thema Krieg angesprochen wird? „Damit hatten wir noch nie ein Problem“, so Korkut. Die Stellung des Vereins als Kooperationspartner beim Runden Tisch der Religionen zeige doch, dass sie tolerant seien.

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21.10.2019

Ein Blick außerhalb Augsburgs würde bei der Beurteilung helfen...

https://taz.de/Ditib-Moscheegemeinden-in-der-Kritik/!5633852/

>> Tatsächlich sei der Vorfall in Herne „bei näherer Betrachtung kein Ausrutscher oder Einzelfall“. <<

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20.10.2019

DITIB - der Wolf im Schafspelz...

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20.10.2019

"Augsburger Imam lobt türkischen Angriff in Syrien" Etwas anderes kann man nicht erwarten. Ein Versehen? Daran glaube ich nicht als Atheist.

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