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24.01.2009

Aus dem Bauch des Museums

Museen haben ein Gesicht, und sie haben einen Bauch. Das Gesicht zeigen sie vor (ihren Bestand), doch was im Bauch, sprich im Depot, liegt, das sieht man nicht - zumindest nicht für gewöhnlich. Die Ausnahmen sind oft mit Entdeckungen verbunden. Und genau so - "Entdeckungen" - ist die Ausstellung im zweiten Stock des Schaezlerpalais überschrieben, in der Gemälde und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts aus dem Fundus der Kunstsammlungen und Museen Augsburg versammelt sind - insgesamt 44 Bilder von 24 Künstlern.

Nicht alle kommen aus dem Dunkel des Depots, manche Malerei wurde in Amtszimmern abgehängt, Dauerleihgaben wurden verfügt, Ankäufe getätigt, so "Im Atelier" (1849) von Liberat Hundertpfund, einem einst hoch geschätzten Maler in der Diözese Augsburg.

Die Bildauswahl traf Kurator Shahab Sangestan aus 250 Werken des 19. Jahrhunderts - Genreszenen, Porträts, Landschaften, Historisches (teils erstmals öffentlich gezeigt), Augsburger Künstler wie Johann Christian Karl Rebel, Johann Moritz Rugendas und Johann Wilhelm Rudolf Geyer, dem ein ganzer Raum gewidmet ist. Der Künstler starb 1875 an den Folgen einer Gehirnerschütterung, die er sich beim Sturz vom Augsburger Augustusbrunnen zugezogen hatte.

Seine biedermeierlich aufgeputzte "Dame am Fenster" (undatiert) sinnt, einen Brief in Händen, ihrem Geliebten in der Ferne nach. Sein Mittelalter-Gemälde "Kaiser Ludwig begibt sich in den Schutz der Reichsstadt Augsburg" (1844) zielt als politisches Programm in die Gegenwart - als Treuebekenntnis der Stadt zum wittelsbachischen Monarchen Ludwig I.

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Den Bildern ist manche literarische, religiöse oder mythologische Anspielung unterlegt. Man kann die Hell-Dunkel-Modulierungen studieren, das Spiel des Lichts auf Architekturen und im Inkarnat, Sakralisierungen in Nazarenerart wie in Johann Michael Wittmers "Raffael"-Ölbild (übrigens ein Neueintrag in der Literatur). Oder man lässt das genießerische Auge schweifen über malerische Delikatessen wie den Glanz der fein geschliffenen Gläser bei Hundertpfund ("Familienbildnis Fidelis Butsch") und über Trompe-l'œil-Effekte.

Aufs Ganze gesehen dokumentiert die Ausstellung das durchaus divergente, ja zerrissene 19. Jahrhundert in musealer Beruhigung. Das ist der Schau nicht vorzuwerfen, zumal sich der örtliche Bestand nicht systematischer Sammlung verdankt. Dem Betrachter bleiben Abgründe erspart. Die Porträts strahlen Selbstsicherheit aus. Die (in einem Raum gereihten) Landschaften, unter denen die von Johann Wilhelm Schirmer, Carl Rottmann und Karoly Marko d. Ä. herausragen, sind idealistisch überformt.

Umso mehr fällt in all dem sicher Gefügten und kulturell Verfeinerten die frische Ölskizze, das Spontane auf, sei es Johann Sperls "Bäuerin" im Grün, das "Junge Mädchen" von J. M. Rugendas (zugeschrieben), Albert von Kellers ruhende Madame Benazky, eine flammende Studie in Rot, oder Johann Geyers Kleinformate in Blei und Öl. Bezaubernd schließlich die beiden Bildnisse Berta Riedingers, der zweiten Ehefrau des Augsburger Fabrikanten und Ingenieurs August Riedinger - einmal von Friedrich August von Kaulbach im vergoldeten Jugendstilrahmen entrückt (mit locker hingeworfenen, wunderbaren Schulterpartien), das andere Mal von Franz von Lenbach als furiose Ölskizze vorgestellt.

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