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Preisverleihung

12.12.2017

Damit kein neues Unrecht geschieht

Ingrid Seinsch und Bürgermeister Stefan Kiefer (2. von links) überreichten den Marion-Samuel-Preis an Christian Streit (links) und Bernhard Blankenhorn vom Berliner Verein Kontakte-Kontakty.

Die Stiftung Erinnerung des Ehepaars Seinsch ehrt einen Verein, der sowjetische Opfer der deutschen Wehrmacht mit Spenden entschädigt.

Im Rahmen eines Festaktes im Goldenen Saal verlieh die Stiftung Erinnerung von Walter und dessen Frau Ingrid Seinsch ihren diesjährigen Marion-Samuel-Preis an den Berliner Verein Kontakte-Kontakty. Im Beisein von Bürgermeister Stefan Kiefer, Vertretern des bayerischen Landtags, des Amts- und Landgerichtes Augsburgs und einer Abordnung der FCA-Internatsspieler nahm Bernhard Blankenhorn vom Vereinsvorstand den mit 15000 Euro dotierten Preis an.

Kontakte-Kontakty gründete sich 1990 als deutsch-sowjetischer Freundschaftsverein. Doch statt eines lediglich kulturellen Austausches konzentrierten sich die Aktivitäten schnell auf konkrete Hilfen für die Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. 6000 Kindern konnte der Verein mit Hilfe von Spenden bisher helfen. In den Folgejahren wandte sich der Verein den bis heute oft verdrängten Verbrechen der Wehrmacht und den überlebenden sowjetischen Kriegsgefangenen zu. Er sammelte Spenden, recherchierte Überlebende und ließ ihnen einen Brief mit der Bitte um Verzeihung sowie 300 Euro zukommen. Bis heute konnten sie an 7000 ehemalige Kriegsgefangene 3,8 Millionen Euro ausschütten.

In Weißrussland aktiv

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Mit einem weiteren Projekt ist der Verein in Weißrussland aktiv, wo die Wehrmacht in Zusammenarbeit mit der SS zur angeblichen Partisanenbekämpfung 5300 Dörfer niederbrannte, 11800 Menschen ermordete und 2000 deportierte. Insgesamt konnte Kontakte-Kontakty bisher 1400 Überlebende ermitteln und entschädigen. Das Preisgeld sowie 100000 Euro, die die Stiftung Erinnerung dem Verein bereits im letzten Jahr zukommen ließ, werden für die Fortführung dieser Arbeit verwendet werden, so Blankenhorn.

„Erinnern heißt wissen, was war“, betonte Ingrid Seinsch. Sie äußerte sich entsetzt über aktuelle politische Entwicklungen, bei denen Gruppierungen wieder Hass und Vorurteile schüren und dafür bejubelt werden. Ein genaues Hinschauen fördern und Haltung zeigen, das sei die Aufgabe der Stiftung, die sie und ihr Mann 1996 in Lindau ins Leben riefen. Marion Samuel, Namensträgerin des seit 1999 jährlich verliehenen, unter der Schirmherrschaft der Stadt Augsburg stehenden Preises, stammte aus Brandenburg und wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Der Historiker Götz Aly, der in seinem Buch „Im Tunnel“ ihr Schicksal rekonstruierte, erhielt den Preis 2003. Der Ehrenbürger und ehemalige FCA-Präsident Walter Seinsch konnte wie in den beiden Jahren zuvor auch an dieser Verleihung nicht teilnehmen. Sein Gesundheitszustand erlaube die Anreise aus dem westfälischen Münster, wo das Ehepaar lebt, nicht, betonte seine Frau.

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