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Theater

25.01.2014

Das Sterben gehört zum Alltag

Klara Höfels spielt in Marlene Streeruwitz’ Stück „Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin“ eine Frau, die sich plötzlich mit dem Tod auseinandersetzen muss.
Bild: Siegfried Kerpf

Der Tod der besten Freundin muss in Marlene Streeruwitz’ Ein-Personen-Stück verarbeitet werden. Im Hoffmannkeller-Gastspiel glänzt Klara Höfels

Wie ist das mit dem Tod? Er kommt unweigerlich! Manchmal sehr spät und manchmal viel zu früh. Sind wir auf den Tag X vorbereitet? Haben wir Angst, oder weitet sich, wie es Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“ vermutet, am Ende doch noch der Blick in neue Räume?

So präsent wie auf der Bühne im Hoffmannkeller ist der Tod selten. Dieser Feind des Lebens konfrontierte die Besucher so direkt mit ihrem Ende, dass diesen mitunter der Atem stockte. „Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin“ heißt das Ein-Personen-Stück von Marlene Streeruwitz, in dem Schauspielerin Klara Höfels (sie spielt am Theater Augsburg noch bis Ende Januar mit in Ibsens „John Gabriel Borkman“) sich nicht nur ihrer schwarzen Trauerkleider entledigte, sondern auch ihrer Gefühle. Am Ende aber dominierte die Stille.

Schuldgefühle, nicht dabei gewesen zu sein

Viele Fragen warf dieser bewegende Abend und die herausragende Leistung der Darstellerin auf, doch eines wurde bitter deutlich: Das Sterben und der Tod gehören zum Alltag! Und im Alltag, das heißt vor dem offenen Grab, werden all jene Lügen, von denen die „beste Freundin“ auf der Bühne erzählt, all die Männergeschichten, die Verletzungen, die Ungereimtheiten unbedeutend. Bedeutend ist nur dieser eine, letzte Augenblick. Bei diesem war die „beste Freundin“ aber nicht zugegen. Nun hat sie Schuldgefühle, tritt mit diesen vor ihr Publikum, verdrängt und entschuldigt anfangs, ja nimmt nicht einmal teil am „Leichenschmaus“ mit Schweinebraten einschließlich sozialer Entlastungs-funktion.

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Dafür sorgen ausgesprochene Gedanken wie „mein Leben nach diesem Begräbnis kann nicht mit einem Schweinebraten beginnen“ für ein kurzes, befreiendes Lachen bei den Zuschauern in dieser bedrückenden Atmosphäre vor der schwarz verhängten Bühne, wo sich eine quicklebendige Persönlichkeit auf der Heimfahrt vom Friedhof lauthals über Autofahrer aufregt. Besonders perfide sei das „I did it my way“, das laute Beerdigungslied gewesen. Bestimmt war diese Wahl nur eine kleine böse Rache der Familie!

Dieses ewig lächerliche Theater um den Tod, ist das nicht einfach nur trivial? Als das Begräbnis der besten Freundin endlich vorbei war, drängt sich erlebtes Leid in die Erinnerung, auch böse Ironie, die Eifersucht und ganz plötzlich die nackte Angst vor den eigenen Gefühlen, vor dem Alleinsein in jener Abschiedsstunde, in der es am wichtigsten ist, jemanden an seiner Seite zu haben.

Marlene Streeruwitz hat diesen entlastenden Redeschwall einer Frau, die über den Tod ihrer besten Freundin trauert, ursprünglich als eine zutiefst berührende, das Leben bejahende, sehr dichte Erzählung geschrieben. Auf der Bühne nun, als Inszenierung von Alwara Höfels, wird die literarische Kunst der Autorin durch die schauspielerische Leistung von Klara Höfels überhöht. Diese macht betroffen und bereit, über sich selbst, das Verhältnis zu sterbenskranken Freunden und die Angst, nicht zu genügen, nachzudenken.

Klara Höfels ist Leiterin des Autorentheaters Berlin e.V. Dort warb sie 2010 im Kesselhaus der Kulturbrauerei mit diesem Stück für ein Theater ausschließlich für Gegenwartsdramatik. Das Modellvorhaben fand bislang keine Finanzierung. Solche Gastspiele, das sei nach diesem bemerkenswerten Abend als Anmerkung erlaubt, wünschen sich die Augsburger auch für die Spielstätte Hoffmannkeller.

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