Leben im Hochfeld I

28.02.2011

Der Macher

Hubert Thiel engagiert sich seit langem für das Hochfeld.
Bild: Ruth Ploessel

Die Entscheidung, wo er in Augsburg leben will, traf Hubert Thiel nicht selbst, als er 1966 in die Stadt kam. „Damals musste man sich bei der Stadt bewerben und bekam dann eine Wohnung zugewiesen“, erinnert er sich.

Die Entscheidung, wo er in Augsburg leben will, traf Hubert Thiel nicht selbst, als er 1966 in die Stadt kam. „Damals musste man sich bei der Stadt bewerben und bekam dann eine Wohnung zugewiesen“, erinnert er sich. Es verschlug ihn ins Hochfeld. Dort ist er geblieben. Seither ist er nur einmal umgezogen, und das innerhalb der Ackermann-Siedlung.

Zunächst ging es im neuen Stadtteil wenig harmonisch zu. „Anfang und Mitte der siebziger Jahre galten das Hochfeld und der Bärenkeller als Hochburgen der Jugendkriminalität“, erinnert sich der frühere Polizist.

Gemeinsam mit anderen Bürgern habe er überlegt, was sie dagegen unternehmen könnten. Als ihnen die Stadt 1979 ein Grundstück in der Von-Parseval-Straße zur Nutzung anbot, griffen sie zu: die Geburtsstunde der Bürgeraktion Hochfeld. Aus dem Gebäude machten sie das Bürgerhaus und einen Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. Bis zu 40 von ihnen strömen seither jeden Tag in die Einrichtung. Ob die Betreuung des Nachwuchses oder handwerkliche Reparaturarbeiten, vieles wurde in ehrenamtlichem Engagement erledigt.

Thiel und seine Frau Gisela übernahmen von Beginn an Verantwortung. Zunächst leitete sie die Bürgeraktion 20 Jahre. Als er vor elf Jahren in Rente ging, übernahm Hubert Thiel die Aufgabe. „Alle Beteiligten waren voller Euphorie und ich denke, wir haben auch dazu beigetragen, dass die Kriminalität zurückging“, so der heute 70-Jährige.

Sichtlich stolz berichtet er, dass die Räumlichkeiten bis September 2011 an den Wochenenden mit Familien- und Vereinsfeiern ausgebucht sind, und bei der Betreuung von Kindern gebe es eine Warteliste. Das Bürgerhaus ist ein zentraler Bestandteil im Leben der Thiels. „Wir verbringen jede Woche etwa 14 Stunden hier“, sagt er. Am Herzen liegt ihm besonders, das Miteinander zu stärken, auch über Grenzen der Nationalitäten hinweg. „Zu behaupten, Multikulti sei tot, ist völliger Unsinn. Entscheidend ist, die Leute mitzunehmen. Über 80 Prozent unserer Kinder haben einen türkischen Hintergrund.“

Bei aller Freude über die Entwicklung des Hochfeldes hat er doch noch einen sehnlichen Wunsch: Einen Nachfolger als Vorsitzender der Bürgeraktion sucht er bislang vergebens.

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