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Nachruf

27.05.2015

Der Mann für die private Tragik

Der wunderbare Schauspieler Arno Bergler in „Heute weder Hamlet“ am Theater Augsburg.
Bild: Lioba Schöneck

Arno Bergler, dieser wunderbare Schauspieler, ist im Alter von 85 Jahren gestorben

Man schätzte ihn, man liebte ihn, egal in welcher Rolle. Und der Augsburger Publikumsansturm war dann am größten, wenn er alleine – oder fast alleine – auf der Bühne stand. Wenn er sich gleichsam psychisch auszog als eine verschrobene, professionell deformierte, ja tragische Künstlertype.

So war es in Augsburgs unvergessener Altstadt-Spielstätte „Komödie“ in Lewandowskis „Heute weder Hamlet“ – wo er von sich als einst erfolgreichem Schauspieler erzählte – und vom unglückseligen Karriereknick, der ihn zum Vorhangzieher machte außerhalb von Bühnenlichtkegel und Publikumsanteilnahme. So war es in Süskinds „Kontrabass“, wo er als Musiker eine Hassliebe zur Kunst zu entwickeln hatte, eine gestörte Liaison zum Instrument – und eine unerwiderte Zuneigung zur Sängerin Sarah.

Es waren anrührende, tragikomische Abende. Erinnern wir uns daran! Denn Arno Bergler, dieser wunderbare, dieser auf der Bühne und privat so überaus genaue Schauspieler, ist tot. Er starb Ende letzter Woche nach kurzer Krankheit.

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Ganze drei Jahrzehnte lang war er ab 1964 ein Mittelpunktsschauspieler am Augsburger Stadttheater. Die Intendanten jener Jahre übernahmen ihn ob seiner Kunst in Folge: Ebert, Stromberg, Thoma, Baumgardt. Dass er eine Ausnahmeerscheinung war, belegte schon früh die Tatsache, dass er 1959 bei der späten Uraufführung von Brechts „Heilige Johanna der Schlachthöfe“ im Deutschen Schauspielhaus seiner Geburtsstadt Hamburg mitwirkte – weil ihn dort der Intendant und Regisseur Gustav Gründgens verpflichtet hatte.

In Augsburg dann lieh er seine Stimme regelmäßig auch den Puppen der Puppenkiste. In seinen letzten Schauspieljahren spielte Arno Bergler in der Komödie im Bayerischen Hof in München, unter anderem in „Feuerwerk“, „Feuerzangenbowle“ und „Ein Käfig voller Narren“. In München, mit Blick auf die Isar, lebte Bergler zuletzt – in Reichweite seiner geliebten Staatsoper und seines früheren Intendanten Helge Thoma. (rh, khf)

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