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Ausgrabungen

14.10.2017

Die verborgenen Schätze der Theaterbaustelle

Bauschmuck des Theaters von 1876.
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Bauschmuck des Theaters von 1876.

Nicht nur Römerzeit und Mittelalter haben Spuren hinterlassen. Auch die Theatergeschichte zeigt sich

Die Ausgrabungen am Stadttheater fördern Dinge zutage, die dort teils seit Jahrhunderten im Verborgenen schlummern. Archäologe Günther Fleps und seine Mitarbeiter schaufeln das Erdreich dafür sorgfältig in Schubkarren, untersuchen es und sortieren selbst winzige Keramikteile sorgfältig in beschriftete Plastikdosen. Dabei sind sie umgeben von gemauerten Fundamenten, von denen die meisten aus dem Mittelalter stammen. Denn wo heute das Theater steht, befand sich ab dem 16. Jahrhundert eine Bastion, deren Überreste jetzt wieder sichtbar sind. Das hatte Fleps bereits erwartet – denn die Bastion ist in den Karten des 19. Jahrhunderts verzeichnet. Deutlich älter ist das Fundament eines Turmes, der ganz in der Nähe des heutigen Haupteingangs stand und der für die Bastion abgerissen wurde. Im sogenannten Seld-Plan von 1521 ist er zwar zu sehen, seinen genauen Standort kannte Fleps bisher aber nicht. Dem Archäologen zufolge stammt er aus einer Siedlung, die an dieser Stelle im 13. Jahrhundert entstanden ist.

Der Archäologe geht davon aus, dass unter der Bastion immerhin ein Großteil des Turmfundaments erhalten war. Weitere Steine wurden für den Theaterbau entfernt, die letzten entsorgte man offenbar während des Theaterumbaus in den Jahren 1938/39. Mit dem Fassadenschmuck, der bis dahin das Stadttheater zierte, gingen die Bauleute damals offensichtlich wenig zimperlich um. Einige große Säulen wurden einfach umgestürzt und liegen gelassen. Auch sie kommen nun wieder ans Tageslicht. Besonders schön: der Kopf einer Skulptur, der nun vor Wettereinflüssen geschützt im Büro des Archäologen auf seine weitere Bestimmung wartet.

In den 1930er Jahren wurde nicht nur die Fassade des im Jahr 1876 erbauten Theaters erneuert, sondern auch ein riesiger Lüftungsschacht gebaut. Viel Rücksicht auf alte Bausubstanz wurde auch dabei nicht genommen – der Schacht geht mitten durch die mittelalterliche Stadtmauer, deren Fundament ebenfalls unter dem Theater zu finden ist. „Immerhin gibt es eine Zeichnung davon, die zeigt, wie gut erhalten die Steinbögen zu diesem Zeitpunkt noch waren“, sagt Fleps.

Auch das sei archäologische Arbeit, erklärt er. Denn nicht immer können die alten Mauern erhalten bleiben, rund um das Stadttheater werden die meisten Funde nach dem Ende des Umbaus ebenfalls nicht mehr existieren. Die Grabung sei also die letzte Gelegenheit, um die Informationen so zu dokumentieren, dass auch kommende Generationen davon erfahren.

Überraschungen erwartet der Fachmann erst, wenn die neueren Erdschichten abgetragen sind und Funde aus der Römerzeit zutage gefördert werden. Reste von Gebäuden werden sie dort zwar nicht finden, weiß der Archäologe – denn vor 2000 Jahren war Augsburg rund um das Theater nicht bebaut. Eine spannende Entdeckung aus dieser Zeit haben die Arbeiter aber trotzdem schon gemacht: Bei den Ausgrabungen stießen sie wahrscheinlich auf einen Wehrgraben. Und manchmal sind es die Kleinigkeiten, die dem Fachmann am meisten Freude bereiten. In einem Erdklumpen verbarg sich eine römische Bronzefibel, eine Kleiderspange, die erstaunlich gut erhalten ist.

Gut möglich, dass sich noch weitere Schmuckstücke aus verschiedenen Epochen unter dem Theater verstecken – denn in den kommenden drei Jahren werden die Archäologen noch eine deutlich größere Fläche zu untersuchen haben. Sobald die Brechtbühne und das Verwaltungsgebäude abgerissen wurden, werden sie auch dort nach Geheimnissen der Augsburger Stadtgeschichte suchen.

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