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Augsburg

09.09.2020

Dieser Mann sucht mit der Magnetangel in Kanälen nach Schätzen

Niklas Fertl hat ein ungewöhnliches Hobby: Er sucht mit einem Magneten in den Augsburger Kanälen nach Schätzen. Wie das funktioniert.
Bild: Michael Eichhammer

Plus Niklas Fertl fischt in Augsburgs Kanälen nach Gegenständen aus Metall. Wie ihm ein Kunstherz dabei half, seine Freundin für das außergewöhnliche Hobby zu begeistern.

Mit seinem seltenen Hobby zieht Niklas Fertl regelmäßig die Blicke von Passanten auf sich. „Magnetfischen“ nennt sich die Freizeitbeschäftigung des 26-Jährigen. Das klingt nach dem Spiel für Kinder, bei dem es gilt, mit Mini-Magnetangeln Plastikfische aus einem Topf zu herauszuziehen. Doch tatsächlich ist Fertls Hobby viel spannender. Wie das funktioniert – und auf was ein der Magnetfischer aufpassen muss.

Mit einem Platschen schlägt der starke Magnet im Wasser auf. Was befördert er heute alles an die Oberfläche?
Bild: Michael Eichhammer

„Natürlich kenne ich das Spiel auch noch aus der Kindheit. Beim ersten Magnetfischen hatte ich diese Assoziation auch“, erinnert sich der Sportstudent. Doch beim Magnetangeln für Erwachsene ist die erhoffte Beute eine andere. Der an einem Seil befestigte Magnet, den Niklas Fertl immer wieder in den Kaufbach-Kanal wirft, soll Metall anziehen.

Zum Magnetfischen kam Fertl durch Youtube-Videos

Inspiriert zu seinem ungewöhnlichen Hobby wurde Fertl durch Youtube-Videos. Dort sah er, wie Metallangler anderswo in Deutschland Fahrräder und spektakuläre Funde wie Gewehre oder Munition aus dem Zweiten Weltkrieg an Land zogen. Prompt bestellte sich Fertl einen günstigen Magneten auf einer chinesischen Webseite und verband ihn mit einem 25 Meter langen Kletterseil. Doch schnell musste er feststellen, dass er am falschen Ende gespart hatte: Der Magnet war nicht stark genug. Mittlerweile hat Niklas Fertl aufgerüstet – mit einem 70 Millimeter großen Neodym-Magneten, der eine Haftkraft von 250 Kilo bietet. Diese Magnete werden auch als Supermagnete bezeichnet, da sie eine stärkere Anziehungskraft auf Metall ausüben als klassische Magnete.

Dieser Mann sucht mit der Magnetangel in Kanälen nach Schätzen

Die Beute des Tages, an dem wir Fertl zum Interview treffen, sieht bescheiden aus. Das erkennt man allerdings erst, nachdem der Angler Moos und Algen von seinen Fundstücken entfernt hat. Zum Vorschein kommen ein Meißel, ein Topf, viele Schrauben, ein verrostetes Fahrradschloss, die Abdeckung eines Generators und eine Münze. Enttäuscht ist der Magnetangler dennoch nicht. Ganz im Gegenteil: „Vorher nicht zu wissen, was man herausfischt, ist das Spannende daran. Das bereitet mir ein kindliches Vergnügen“, erzählt Fertl. Die rostige Münze hätte schließlich auch aus der Römerzeit stammen können, und die Patina des Meißels erzählt vielleicht die Geschichte eines vertuschten Einbruchs .

„Manchmal findet man auch gar nichts“, sagt Fertl. „Vor allem dann, wenn man einen Kumpel mitnimmt, um ihm das Hobby zu zeigen“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Sein liebstes Fundstück bisher war ein 50 Zentimeter großes Kunstherz. Als er das Mitbringsel seiner Freundin als romantisches Geschenk präsentierte, änderte sich ihre Einstellung zu seinem eigenwilligen Zeitvertreib: „Davor belächelte sie das Magnetfischen, aber seit ich ihr das Herz mitbrachte, findet sie es auch cool“, sagt der Augsburger lächelnd.

Seit Anfang des Jahres fischt er mindestens zweimal in der Woche in den Augsburger Kanälen nach Metall. Nach der Arbeit nimmt er sich dann gern eineinhalb bis zwei Stunden Zeit. Neben dem Kaufbach geht der junge Mann auch am Wolfsbach bei der Hochschule, dem Kanal im Park am Roten Tor, beim Vincentinum oder auf der Brücke gegenüber der City-Galerie auf Schatzsuche.

Was Magnetangler in Flüssen so alles finden – darüber kann man nur staunen. Hier ein Beispiel aus Berlin: Die Angler stoßen auf Gewehre und Schmuck. Ob sie sachgemäß damit umgehen? Darüber lässt sich wohl streiten.

Der Reiz des Unbekannten ist nur ein Aspekt, der ihn fasziniert. „Ich stehe gern abends allein an einer Brücke, während das Wasser vorbeifließt“, sagt er. In seiner beruflichen Tätigkeit im dualen Studium hat er nonstop Kundenkontakt. „Beim Magnetfischen komme ich zur Ruhe, genieße die Zeit für mich“, so Fertl. Gestört wird er nur gelegentlich, wenn neugierige Passanten fragen, was er da treibe.

Für sein Hobby braucht Niklas Fertl eine Genehmigung. Die hat er schon beantragt.
Bild: Michael Eichhammer

Der bis dato größte Fang des 26-Jährigen war ein E-Scooter, vermutlich von einem genervten Fußgänger versenkt. Für die Bergung des Geräts war sein Magnet jedoch nicht stark genug, daher rief er damals bei der Polizei an, die sich der Sache annahm. Apropos Polizei: Die sieht das Magnetfischen nicht unkritisch. „Je nach Gewässer kann es vorkommen, dass Munition, Waffen oder Kampfmittel aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg am Magneten haften bleiben, von denen ein hohes Gefährdungspotenzial ausgeht“, erklärt Polizeirat Roland Wenger vom Polizeipräsidium Schwaben Nord.

Ist das Hobby umweltfreudlich?

Zudem könnten durch den Magneten im Boden festgelegte schädliche Substanzen aus tiefen Schichten wieder in den Kreislauf von Flora und Fauna gebracht werden. Die Anhänger des Magnetfischens argumentieren dagegen, ihr Hobby käme der Umwelt zugute, da die Gewässer von Unrat und Rost befreit würden. Zudem würden im Gegensatz zum klassischen Angeln keine Fische leiden. Für das Magnetangeln in den Augsburger Bächen sowie in Wertach, Lech und Singold ist allerdings eine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich.

Ohne Erlaubnis ist Magnetfischen in Augsburg eine Ordnungswidrigkeit

„Mitte Juli ist erstmalig ein solcher Antrag eingegangen“, verrät Anja Kiederle von der zuständigen Unteren Wasserrechtsbehörde des Umweltamts der Stadt. Ohne diese Erlaubnis stelle das Magnetfischen eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Der erste Antrag befindet sich derzeit noch in Bearbeitung. Bald wird ein zweiter dazu kommen, denn Niklas Fertl wusste gar nicht, dass eine Erlaubnis nötig ist, als er sein Hobby begann. Die will er sich nun so schnell wie möglich holen, damit er wieder angeln gehen kann.

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