Film

04.02.2017

Drei von Sinnen

Nichts sehen, hören, sprechen: Drei Freunde machen ihre Erfahrungen.
Bild: Artvid

Wie es sich anfühlt, nichts sehen, nichts hören, nichts sprechen zu können: ein extremes Experiment kommt ins Kino

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – das Bild der drei Affen ist bekannt. Genau dieses brachte drei Freunde auf ein spannendes Experiment. Sie reisten vom Bodensee bis an die Atlantikküste Frankreichs. Dabei durfte jeweils einer von ihnen nichts sagen, einer nichts hören und einer nichts sehen. Die Rollen wurden wöchentlich gewechselt. Bart Bouman, David Stumpp und Jakob von Gizycki wollten so herausfinden, wie man sich mit diesen Sinneseinschränkungen fühlt. Tatsächlich lernten sie aber auch einiges über sich selbst, ihre Freundschaft zueinander und den Umgang miteinander.

Auf ihrer Reise im Juli 2014 wurden die Freunde von einem Kamerateam begleitet. Daraus entstand der sehenswerte Dokumentarfilm „Drei von Sinnen“, der im Thalia in Augsburg präsentiert wurde (und ab nächster Woche regulär läuft). Der Andrang war groß, der Kinosaal voll besetzt. Das Publikum wollte wissen: Wie ist es den drei Männern ergangen? Was war die größte Herausforderung?

„Am schwierigsten war es, aufs Hören zu verzichten“, sagt Bouman. Obwohl jeder von ihnen zuvor davon ausgegangen war, dass das Nicht-Sehen das größte Problem sein würde. Um sich von allen Umgebungsgeräuschen abzuschirmen, nutzten die Männer auf ihrer Reise einen Gehörschutz für den Gehörgang mit integrierten Lautsprechern, die permanent ein Störgeräusch abspielten, sowie zusätzliche Kopfhörer. Dadurch habe man sich laut Bouman sehr isoliert gefühlt. „Es war sehr schwierig, mit anderen in Kontakt zu treten. Man wusste nie, worum es in den Gesprächen gerade geht.“ Immer wieder musste demjenigen, der gerade nicht hören konnte, die Dinge mithilfe von Stift und Papier vermittelt werden.

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Um aufs Sehen zu verzichten, klebten sich die Männer lichtundurchlässige Pflaster über die Augen. So wurde zum Beispiel das Laufen schwierig. Anrührend zu sehen, wie die anderen den vermeintlich Blinden führen und ihm berichten, wie die Umgebung gerade aussieht. Dennoch isolierte auch der Verzicht aufs Sehen, ließ den Betroffenen in seiner eigenen kleinen Welt zurück. Jakob von Gizycki berichtet im Film, dass ihn seine Träume während dieser Zeit noch lange in den Tag hinein verfolgten. Nicht zu sprechen, hatte ebenfalls so seine Tücken. Die Freunde versuchten, sich mit Händen und Füßen auszudrücken, oder schrieben Dinge auf – was immer einer nicht sehen konnte. So traten vor allem in der Kommunikation Konflikte auf. Die Freunde waren ständig aufeinander angewiesen; sie mussten sich gegenseitig helfen. Das belastete die Freundschaft auch. „Die gemeinsame Reise war eine Extremsituation“, sagt David Stumpp. „Bei einer normalen Reise kann man sich auch mal zurückziehen. Das ging hier nicht.“

Alle drei stellten aber auch fest, dass sie sich einander – im wahrsten Sinne des Wortes – blind vertrauen können. „Unsere Freundschaften haben sich durch das Experiment auf einer tieferen Ebene intensiviert“, sagt Bouman. „Das hat uns mehr zusammengeschweißt.“

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