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22.04.2015

Ein Flirren in südlicher Hitze

Philharmoniker mit französischem Flair

Leicht, duftig und verspielt – französische Musik begleitet diese Erwartungen. Das Kammerkonzert der Philharmoniker erfüllte sie perfekt, zumal die äußeren klimatischen Begleiterscheinungen des aufblühenden Frühlings mitmachten. Doch das Publikum im Rokokosaal konnte Varianten genießen. Die Palette des Programms mit musikalischem Impressionismus schillerte in vielen Farben, auch heftigen Kontrasten. Dafür sorgten Flöte, Violine, Viola, Cello und Harfe, eine spezielle Besetzung, die Judith Müller, Dace Salmina, Christian Döring, Johannes Gutfleisch und Christine Steinbrecher mit Virtuosität und Leidenschaft realisierten.

Kernstück der Erwartung schwebender Klänge war Claude Debussys Sonate für Flöte, Viola und Harfe, eine instrumentale Mixtur mit besonderer Bildkraft. Doch nicht auf Tremolo-Wölkchen, Arpeggien-Glitzer der Harfe, Flötenmelos ist der Zauber beschränkt. Christian Dörings wunderbar sonore Viola zog auch scharfe metrische Linien, war mit den flinken Gesten und Farbtupfern der Partnerinnen verzahnt. Das betörend flirrende und lustvoll träge Auskosten einer mediterran brütenden Mittagshitze zelebriert ähnlich das Quintett von Jean Françaix (1912–1997). Dazu mischt dieser an musikalischem Humor reich gesegnete Tonkünstler Elemente fröhlich auffordernder Kirmesmusik oder kinderliedhafter Ingredienzen.

Auch von Maurice Ravel darf man Klangzauber erwarten, impressionistisches Zirpen und Glitzern. Dies vollzieht sich nur in einigen magischen Momenten seiner Sonate für Violine und Cello, denn dieses Werk wirft in seinem Gesamtauftritt mit rabiater Wut jeglichen verspielten Zierrat ab. Mit einem archaisch stampfenden musikalischen Material, unerbittlichen Ostinato-Bewegungen umkreisen sich die Instrumente. Taktwechsel, Dur-Moll-Schillern und bitonale Passagen wiederholen sich abgeändert in vier Sätzen, gipfelnd in den Pizzicato-Schlägen des Satzes „Très vif“. Hier standen Strawinski, vor allem Bartóks radikale Tonsprache Pate. Mit den finsteren Klangräumen und heftigen Gebärden des „Chant de Linos“ von André Jolivet (1905–1974) schloss die Matinee. Alle fünf Instrumente modellierten diese expressive, manchmal an Strawinskis „Sacre“ erinnernde altgriechische Totenklage um Linos, des Sohnes von Appollon.

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