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Soziales

30.11.2018

Ein Freundeskreis soll das Grandhotel retten

Das „Grandhotel Cosmopolis“ steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Nun soll ein Freundeskreis das Projekt retten.
Bild: Michael Hochgemuth

Nach ihrem Hilferuf vor wenigen Wochen erfahren die Macher der Einrichtung im Domviertel große Hilfsbereitschaft. Sie erklären, warum sie eine dauerhafte finanzielle Unterstützung für ihr Projekt benötigen

Das Video ist geschnitten und bearbeitet und wird bald ins Internet gestellt. Einige Menschen sind darin zu sehen, die in verschiedenen Sprachen „Danke“ sagen. So bedanken sich die Hoteliers des Augsburger Grandhotel Cosmopolis bei ihren Freunden, Wegbegleitern und Gönnern. Vor wenigen Wochen erst hatten sie sich mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt und um finanzielle Unterstützung gebeten. Seither ist viel passiert.

Über 600 kleine und große Geldspenden haben die Einrichtung erreicht. Die Band Mississippi Isabel gab ein Solidaritätskonzert, Fikret Yakaboylu sammelte in seinem Kulturcafé Neruda und Hans Söllner zeigte ebenfalls Herz. Der Liedermacher wird noch im Dezember ein Benefizkonzert im Spectrum an der Ulmer Straße geben – sowohl er, seine Crew als auch die Mitarbeiter des Clubs arbeiten an diesem Abend umsonst. „Wir sind sehr dankbar und überrascht, wie viele uns spontan geholfen haben“, sagt Micha Kfir. Es habe zahlreiche Rückmeldungen gegeben. „Es wurden die unterschiedlichsten Aktionen gestartet, um Geld für uns zu sammeln. Einer hat FCA-Kapuzenpullis verkauft und uns das Geld gespendet“, erzählt Stef Maldener.

Für die Hoteliers kommt diese Welle der Hilfsbereitschaft einer Aufforderung gleich, weiterzumachen – das Projekt weiterzudenken, das sie seit dem Jahr 2011 beschäftigt. Damals tat sich eine Gruppe von Künstlern und Aktivisten zusammen, die einen ganz besonderen Ort in dem leer stehenden Seniorenheim der Diakonie im Springergäßchen im Domviertel schaffen wollten. Lange bevor die große Flüchtlingswelle einsetzte, war ihr Ziel, Menschen zusammenzubringen: Künstler und Gäste mit und ohne Asyl – Reisende und Flüchtlinge. Das Konzept wurde von der Stadt eingehend geprüft – Anfang 2013 durften die idealistisch handelnden Macher mit einer Vielzahl von freiwilligen Helfern durchstarten.

Knapp 60 Flüchtlinge sind in dem ehemaligen Seniorenheim untergebracht, daneben gibt es Hotelzimmer, einen Seminarraum, ein Café und vegetarische Mittagsverpflegung. Die Einrichtung hat sich auch durch ihre vielfältigen kulturellen Veranstaltungen einen Namen gemacht. Sie würden eine Politik der offenen Tür verfolgen, so Stef Maldener, ein Miteinanderleben, das Bewohnern und Besuchern gleichermaßen Möglichkeit zur Kontaktaufnahme biete. „Das Grandhotel ist nicht unser aller Hobby. Wir nehmen hier eine gesellschaftliche Aufgabe wahr und wurden dafür mehrfach ausgezeichnet“, betont Micha Kfir, die wie Stef Maldener von Anfang an dabei ist.

Für die Macher sei das Miteinander in ihrem Grandhotel Cosmopolis kein Traum, sondern schlichtweg Realität. Jeder der acht Mitstreiter, die Verantwortung für einen Bereich des Grandhotels übernommen haben, hätten in den vergangenen Jahren berufliche und finanzielle Entwicklungen zurückgestellt, um das Haus am Laufen zu halten und das Konzept weiterzuentwickeln. Ihnen gehe es nicht um geflüchtete Menschen allein. „Da gibt es weitere Themen, die dahinter stehen, wie Klima, Ernährung, Lebenssituationen in den verschiedenen Ländern“, sagt Stef Maldener. Es sind Themen, die sie in ihrer Akademie in Workshops und Seminaren behandeln. Für Micha Kfir zeigen die Hoteliers des Grandhotels mit all ihrem Tun eine Haltung, die weit über die lokalen Grenzen hinaus ausstrahlt.

Diese Haltung habe in den vergangenen Jahren viel Zuspruch erfahren. „Über 600 Menschen haben erst jetzt wieder mit ihrer Spende gezeigt, dass sie hinter unserem Konzept stehen. Das ist gut, denn unser Projekt soll von einem ganzen Netz von Leuten getragen werden“, betont Micha Kfir. Das Grandhotel Cosmopolis benötige eine dauerhafte finanzielle Unterstützung, um weiter bestehen zu können. Kfir: „Wir wollen das finanzielle Drama beenden. Ständig kurz vor knapp zu sein, zehrt ganz schön an einem.“ Denn entgegen aller Gerücht würde das Hotel kein Geld mit den dort untergebrachten Flüchtlingen machen. „Das läuft alles über die Regierung von Schwaben.“ Das Grandhotel profitierte zuletzt von umfangreichen finanziellen Zuwendungen der Kulturstiftung des Bundes oder der Robert-Bosch-Stiftung. Doch diese Finanzspritzen sind ausgelaufen.

Nach Angaben der Macher habe das Grandhotel einen monatlichen Bedarf zwischen 40000 und 50000 Euro, der durch Miet- und Nebenkosten, Personalkosten, Versicherungen und Steuern zusammenkomme. Dem gegenüber stünden Einnahmen, die durch Übernachtungen, kulturelle Veranstaltungen, Café und Mittagstisch, Workshops, Seminare und Spenden generiert werden, so Stef Maldener. Ein Förder- und Freundeskreis soll dem Verein nun helfen, sich dauerhaft zu finanzieren. „Mit dem Geld wollen wir das Projekt weiterentwickeln, die Akademie ausbauen“, sagt Stef Maldener. Die Akademie sei ein Destillat aus den vergangenen sieben Jahren, das nun in verschiedene Formen gegossen wird. Sie soll die Zukunft des Grandhotels werden.

Interessenten können sich unter der E-Mail-Adresse freundeskreis@grandhotel-cosmopolis.org an das Grandhotel wenden. Weitere Infos unter grandhotel-cosmopolis.org.

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