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01.07.2010

Ein Stadtteil mit 98 Bewohnern

Ein Stadtteil mit 98 Bewohnern
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Den weiten Blick über blühende Wiesen in der engeren Trinkwasserschutzzone (im Hintergrund der einstige Gutshof Siebenbrunn Haus Nr. 14) genießen viele Radler und Spaziergänger. Foto: Franz Häußler
Bild: Franz Häußler

Siebenbrunn Heute feiert Siebenbrunn seinen 100. Geburtstag: Am 1. Juli 1910 wurde aus dem Dorf Meringerau der Augsburger Stadtteil Siebenbrunn. Amtlich wird er als Stadtbezirk 12 geführt. Es ist der Stadtteil mit der geringsten Bevölkerungsdichte, denn er weist mit 1821,5 Hektar nach Bergheim (2207 Hektar) Augsburgs zweitgrößte Stadtteilfläche auf. In Siebenbrunn gibt es eine weitere Besonderheit: Hier sind die Hausnummern wichtiger als Straßennamen! Bei der Eingemeindung genügten Hausnummern, um sich in Siebenbrunn zurechtzufinden. Straßennamen fehlten völlig. Erst 1963 bekam die Siebenbrunner Straße ihren Namen, 1965 der Hugenottenweg.

VON FRANZ HÄUSSLER

Im Jahre 1814 wurden die damals 18 Anwesen nummeriert, bis 1912 war ihre Zahl auf 54 gestiegen. Sie trugen die Nummern 2 bis 48, sieben "halbe" lagen dazwischen. Wie die Fuggerei, die Birkenau und Wellenburg durfte Siebenbrunn die bestehende Hausnummerierung bis zum heutigen Tag behalten. Das kann für Nichteingeweihte ein Problem darstellen: Da steht nämlich neben Nr. 36 die Nr. 47, neben Nr. 21 das Haus Nr. 15! Bei den nach 1818 errichteten Bauten zählte man mit 19, 20, 21 … weiter, egal wo das Haus gebaut wurde. 62 ist die höchste vergebene Nummer. 2010 gibt es noch 31 Gebäude.

1804 hatte die Besiedelung begonnen, 1850 wohnten erst 90 Menschen in Meringerau. Die Bevölkerungszahl war anfangs also langsam gewachsen. Zuzugsschübe folgten erst mit der Industrialisierung. Die Umwandlung des Gutshofs Haus Nr. 15 in ein Arbeiterwohnhaus (1856), die Gründung der Mechanischen Weberei am Siebenbrunnenbach (1867) und der nachfolgende Bau der dortigen Fabrikkolonie brachten "Fabrikler" nach Meringerau. Damit veränderte sich die bäuerliche Struktur.

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Da lohnte sich die Errichtung einer Bäckerei mit "Spezereihandlung" (Haus Nr. 43), einer Gaststätte nahe der Weberei, eines Milchladens (Haus Nr. 35) und einer Schmiede (Haus Nr. 23). Die Eingemeindung brachte auch eine Polizeistation (Haus Nr. 4). Darin wohnten bis zu drei Beamte der Stadtpolizei. 1914 bekam Siebenbrunn sogar eine "Posthilfsstelle" mit Telefon. 1929 zur richtigen Poststelle mit eigener Zustellung aufgestuft, wurde sie am 30. Oktober 1985 geschlossen. Ab 1949 band die Buslinie 30 Siebenbrunn ans Stadtnetz an.

Bis 30. November 1983 fuhr der Bus mitten durch den Siebentischwald. Die Statistik von 1895 nennt 370 Einwohner (davon 154 evangelisch), bei der Eingemeindung vor 100 Jahren waren es 436. Die Zahl der Anwesen stieg bis Ende 1912 auf 54. In den 1930er Jahren kamen einige dazu. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren alle Gebäude aufgrund eklatanter Wohnungsnot und Unterbringung Heimatvertriebener überbelegt. So waren bei der ersten Nachkriegsstadtratswahl (26. Mai 1946) 463 Erwachsene ab 21 Jahre aufgerufen, ihre Stimme im Wahllokal Siebenbrunner Schule abzugeben.

Inzwischen ist Siebenbrunn kein Stimmbezirk mehr, sondern Haunstetten-Ost zugeschlagen. 634 war der Einwohnerhöchststand (1949), im Jahre 1959 zählte Siebenbrunn noch 506 Bewohner.

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