Gesellschaft

22.06.2013

Ein Stück heile Welt

Seit eineinhalb Jahren lebt Pflegetochter Laura in der Familie von Andrea Mayr. Unterstützung erhalten sie vom Jugendamt.
Bild: Annette Zoepf

Pflegefamilien geben Kindern in Notsituationen ein Zuhause. Doch es gibt zu wenige von ihnen. Ein Besuch

Noch etwas verschlafen kuschelt sich die kleine Laura auf den Arm von Andrea Mayr. Die Zweieinhalbjährige fühlt sich wohl, das sieht man sofort. Doch das war nicht immer so. Lauras Eltern haben Suchtprobleme, können nicht für ihre Tochter sorgen. Trotzdem hatte sie Glück im Unglück: Eine Pflegefamilie kümmert sich um das kleine Mädchen. Um auch anderen Kindern das Aufwachsen in einem stabilen Umfeld zu ermöglichen, sucht das Jugendamt dringend Pflegefamilien.

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Etwa 400 Kinder leben in Augsburg zurzeit in Pflegefamilien. „Jedes Jahr müssen rund 100 Kinder zur Abklärung der weiteren Perspektive aus den Familien genommen werden, 25 von ihnen können anschließend nicht wieder zurück“, schildert Tanja Schneider die Situation.

Die Sozialpädagogin arbeitet beim Jugendamt und betreut rund 35 Pflegefamilien, so auch die Mayrs. Zu den Kindern, die nicht in ihre Familie zurückkonnten, gehörte vor gut eineinhalb Jahren auch Laura.

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Zuerst gab es eine Familienkonferenz

„Wir haben enge Verwandte, die schon länger Pflegekinder haben, deshalb war es nichts Fremdes für uns“, erzählt Andrea Mayr. Bevor sie den Schritt machten, sich als Pflegefamilie zu bewerben, stand eine Familienkonferenz auf dem Programm. „Es ist wichtig, dass alle Familienmitglieder damit einver-standen sind“, sagt auch Tanja Schneider. Kein Problem bei Familie Mayr mit ihren beiden erwachsenen Töchtern und dem 14-jährigen Sohn.

Plötzlich wieder durchwachte Nächte, ein neues Familienmitglied: „Es war eine große Umstellung für uns, aber auch eine schöne. Ich glau-be, dass Laura unserer Familie guttut“, sagt Andrea Mayr. Die Erzie-hung ihrer eigenen Kinder, aber auch ihre frühere Arbeit in einer Vorschulgruppe haben ihr geholfen. „Man wird einfach gechillter mit der Zeit“, sagt die 49-Jährige und lacht.

Unterstützung bekommt die Familie auch vom Jugendamt, sei es in Form eines Einstiegskurses, Seminaren zu Erziehungsfragen, einem regelmäßigen Treff für Pflegeeltern und Tanja Schneider als Ansprech-partnerin in allen Lebenslagen. Doch bevor es losgehen konnte, wurde das neue Umfeld von Laura erst einmal auf Herz und Nieren überprüft.

„Pflegefamilien müssen stabil sein, die Kinder nach ihren Fähigkeiten fördern, die räumlichen und finanziellen Mittel haben, mit uns zusammenarbeiten, aber auch den Kontakt zur Herkunftsfamilie fördern und diese tolerieren“, erklärt Tanja Schneider die Voraussetzungen für Pflegefamilien.

Auch Familie Mayr trifft sich regelmäßig mit Lauras Vater und den Großeltern, auch Lauras Vormund schaut einmal im Monat nach ihr. „Lauras Vormund ist Anwalt, der bei wichtigen Fragen wie dem Wohnort oder Operationen entscheidet, aber sonst haben wir eine recht weitreichende Vollmacht“, erklärt Andrea Mayr.

Laura ist inzwischen deutlich wa-cher, saust durchs Wohnzimmer und freut sich, dass ihr Planschbecken bald voll ist. Sie hat eine liebevolle Familie gefunden, doch gerade ältere Kinder hätten es da viel schwerer, so Schneider.

„Seit Monaten suchen wir händeringend nach einer Pflegefamilie für einen fünfjährigen Jungen“, so die Sozialpädagogin. Deshalb ist ihr großer Wunsch, künftig mehr Familien zu finden, die sich auch vorstellen können, ein älteres Kind zu nehmen. Wenn sie sich etwas wünschen dürfte, wären das 50 neue Pflegefamilien, „damit wir für jedes Kind eine passende Familie finden könnten“, so Schneider.

„Ich liebe Laura wie mein eigenes Kind“

Und Familie Mayr? „Ich liebe Laura wie mein eigenes Kind. Im Nachhinein denke ich, wir hätten das schon viel früher machen sollen“, sagt Andrea Mayr. Dann gibt es für Laura kein Halten mehr. Das Planschbecken ist voll.

Pflegefamilie werden Beratung er-teilt das Amt für Kinder, Jugend und Familie, Prinzregentenstraße 11. Terminvereinbarung ist Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8.30 bis 12 Uhr und am Mittwoch von 8.30 bis 9.30 Uhr unter 0821/3242834 möglich.

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