1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Ein bayerischer Kulturschock für Amma und Appa

Filmtage II

08.05.2014

Ein bayerischer Kulturschock für Amma und Appa

Seit kurzem sind Franziska Schönenberger und Jayakrishnan Subramanian offiziell ein Ehepaar, getraut wurden sie allerdings in Kopenhagen. Im Film „Amma und Appa“ beschreiben sie witzig ihre heikle interkulturelle Eheanbahnung.
Bild: Wolfgang Schick

Franziska Schönenberger hat ihre heikle Eheanbahnung zu einem witzigen Film gemacht

Wo die Liebe halt hinfällt: Franziska liebt Jay und Jay liebt Franziska. Sie hat einen bleichen Teint, er hat eine ziemlich dunkle Haut und pechschwarze Haare. Sie kommt aus München, er aus einer Kleinstadt in Südindien. Übers Internet sind sie miteinander in Kontakt gekommen und Franziska, die bayerische Studentin mit Indien-Faible, hat sich zu einem Blind Date in Mumbai hinreißen lassen, sodass sich ihrem Vater immer noch die Haare sträuben, wenn er daran denkt, was alles der Tochter hätte zustoßen können.

Entspannt kann Albert Schönenberger inzwischen darüber reden, immerhin ist die Sache gut ausgegangen und Franziska hat über die heikle interkulturelle Annäherung beider Familien einen witzigen Film gemacht. Im brechend vollen Mephisto-Kino rufen die gegenseitigen Missverständnisse und übervorsorglichen Rücksichtnahmen während der bayerisch-indischen Eheanbahnung zur Eröffnung der Filmtage bei den Zuschauern immer wieder herzhaftes Lachen hervor.

Jays Eltern hielten die Freundin für eine Rache der Götter

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Dabei war’s eigentlich gar nicht zum Lachen, was Franziska in Cuddalore erwartete. Das Mädchen aus Europa wird von Jays Eltern als eine Rache der Götter empfunden, dafür dass sie den bei der Geburt schwächlichen Sohn am Leben gehalten hatten. Denn ihre Liebe verstößt gegen die eherne Tradition, dass die Eltern für ihren Sohn die passende Partnerin bestimmen – und dass das Paar nach der Hochzeit im Haus bleibt. „Wir haben alles verloren“, klagt Mama Viruthambal vor laufender Kamera. Sie meint es bitterernst.

Sind das alles authentische Dialoge? So fragen Zuschauer im Mephisto. „Amma und Appa hatten mich hinausgeschickt, als sie interviewt wurden“, erzählt die Filmemacherin. Erst beim Schnitt habe sie erfahren, was die Schwiegereltern gesagt haben. Zumal Viruthambal Tamilisch statt Englisch spricht. Bei ihrem Vater Albert war Franziska großzügiger. „Ein paar Stellen sind herausgeschnitten worden“, erklärt er. Aber er habe auch noch nie vor einer Kamera agiert. Mitunter führt er recht private Dialoge mit seiner Ehefrau Christine, Franzis Mutter.

Zwei Jahre hielten sie ihre Beziehung vor Jays Eltern geheim. Dann kam ihre Ansage, sie hätten nun eine Braut für Jay … „Erst habe ich aus Jux gefragt, ob wir den Besuch bei seinen Eltern filmen sollen“, verrät Franzi, die an der Hochschule für Film und Fernsehen in München studiert. Im Oktober 2011 fuhr fünf Tage ein Kameramann mit nach Indien. „Aus dem Material solltest du etwa machen“, rieten ihr Freunde an der Hochschule. Auch der Bayerische Rundfunk fand Gefallen an der „verrückten Verbindung“. Und so reisten im Sommer 2012 ihre Eltern mit nach Cuddalore, sie lernten von Bananenblättern zu essen und Blumengirlanden zu binden, zeigten umgekehrt Lederhose und Dirndl in Indien und mussten den Subramanians hoch und heilig versprechen, dass ihr Sohn in Deutschland nicht dem Alkohol verfallen werde. Franzi hat sich daran gehalten: „Aber ich habe ihm gezeigt, wo der Bierkasten im Keller steht“, feixt sie.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Autist Klaus Tieber
Augsburg

Wie ein Vater für seinen autistischen Sohn kämpfen muss

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen