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Projekt

16.12.2014

„Einfühlsame“ Technik steigert das Wohlgefühl

Helga Durand

Augsburger Forscher entwickeln intelligentes System, das Senioren hilft. Weitere Testpersonen gesucht

Die Augsburgerin Helga Durand, 76, hat sich als Testperson für ein neues Forschungsvorhaben zur Verfügung gestellt. Wissenschaftler entwickeln ein technisches Assistenzsystem mit künstlicher Intelligenz speziell für Senioren. Es soll das Wohlbefinden von betagten Menschen verbessern, die in ihren eigenen vier Wänden leben. Nach einer dreiwöchigen Probephase ist Helga Durand sehr zufrieden mit den ersten Ergebnissen: „Ich bin froh, dass ich mitgemacht habe, und fühle mich aktiviert.“

Das Projekt läuft unter dem Titel „Care“ in Deutschland und Griechenland. Die Federführung hat die Informatik-Professorin Elisabeth André vom Lehrstuhl für Mensch-Maschine-Interaktion an der Uni Augsburg. Partner sind die Hochschule Augsburg und die Technische Universität Athen. Fördermittel kommen vom Bundesbildungsministerium.

Hintergrund des Forschungsvorhabens ist der gesellschaftliche Wandel. Der Anteil an älteren Menschen in der Bevölkerung wächst insbesondere in industrialisierten Ländern rasant. Den höchsten Prozentsatz an älteren Menschen haben Deutschland und Griechenland, das ergab eine Studie von Eurostat. In beiden Ländern liegt auch die Lebenserwartung über dem europäischen Durchschnitt.

Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit typischen Problemen älterer Menschen. Diese haben oft nur noch wenige soziale Kontakte. Wegen körperlicher Beeinträchtigungen sind sie wenig aktiv. Care soll das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Senioren verbessern.

Helga Durand kann wegen eines Schlaganfalls und anderer gesundheitlicher Probleme die Finger der linken Hand nicht mehr richtig bewegen. Als Testperson bekam sie ein Armband mit Sensoren, das beispielsweise aufzeichnete, ob sie die empfohlenen Übungen für die Hand auch wirklich ausgeführt hat. Wann und wie sie das Training machen soll, daran erinnerte die Seniorin zur richtigen Zeit ein Display.

Der Bildschirm hängt in ihrer Wohnung an der Wand. Darauf erscheinen im Verlauf des Tages auch immer wieder Erinnerungsaufgaben, die sie lösen muss, oder Entspannungsübungen. „Dieses Training hat mir was gebracht“, sagt Helga Durand.

Aktuell feilen die Forscher weiter an der Care-Technologie. Das große Ziel ist ein Assistenz-System, das abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse von Senioren „unaufdringlich“ Empfehlungen gibt, wie sie ihren Alltag gestalten. Dabei messen Sensoren die Körperfunktionen, aber auch Werte in der häuslichen Umgebung, etwa Helligkeit, Temperatur oder Raumklima in der Wohnung. Diese Daten werden ausgewertet und dann Empfehlungen für passende Aktivitäten ausgesprochen. Letztlich könnte der Assistent auch empfehlen, was man kochen und wen man mal wieder anrufen sollte, oder welche Veranstaltung interessant ist.

Für den nächsten Testlauf im April/Mai werden weitere Augsburger Haushalte gesucht. Interessenten, auch Organisationen, können sich ab sofort anmelden unter Telefon 0821/5982341 oder 0821/5982368.

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