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Winterwetter

25.01.2015

Einige Anwohner müssen schippen, andere nicht

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Auf dem kombinierten Geh- und Radweg auf der Nordseite ist die Stadt für den Winterdienst verantwortlich.

Warum am Kobelweg in Kriegshaber unterschiedliche Regelungen gelten.

Es gibt Tage, an denen würde Hellmut Kreppel lieber auf der anderen Straßenseite wohnen. Wie etwa am 30. Dezember, als er den ganzen Tag damit beschäftigt war, den an sein Grundstück grenzenden, rund 40 Meter langen Fußweg inklusive Garagenzufahrten von den Schneemassen zu befreien. An solchen Tagen müssen Kreppel und seine Nachbarn, die auf der Südseite des Kobelwegs wohnen, ihrer Räumpflicht nachkommen. Die Nachbarn auf der Straßenseite gegenüber sind fein raus: Hier ist die Stadt für den Winterdienst zuständig. „Es kann doch nicht sein, dass eine Straßenseite für Reinigung, Schneeräumen und Streuen aufkommen muss, die andere aber nicht“, wettert der 72-Jährige.

Was Kreppel wie ein Schildbürgerstreich vorkommt, lässt sich erklären. Denn die unterschiedliche Handhabung hat nichts mit Willkür zu tun, sondern mit der unterschiedlichen Widmung der Wege. Relativ einfach ist die Situation auf der Nordseite, die mit dem entsprechenden Schild als kombinierter Geh- und Radweg ausgewiesen ist. Die Radfahrer müssen den Weg benutzen, die Reinigung fällt in die Zuständigkeit der Stadt. Die Südseite hingegen ist als Fußweg ausgewiesen. Radler dürfen ihn benutzen, können aber stadteinwärts auch auf der Fahrbahn in die Pedale treten.

Warum es am Kobelweg diese beiden Varianten gibt, erklärt Tiefbauamtschef Josef Weber. Er geht dafür ins Jahr 2001 zurück, als es auf der Südseite einen mit einer weißen Trennlinie abmarkierten getrennten Geh- und Radweg mit einer Benutzungspflicht für die „Pedalritter“ gab. Wegen des schlechten Straßenzustands hätten sich die Radler damals über die Benutzungspflicht beklagt. Diese sei dann abgeschafft, die Trennlinie jedoch noch beibehalten worden.

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Bis 2013: „Als wir feststellten, dass der Radweg nur einen Meter breit ist, haben wir den Strich entfernt“, erklärt Weber. Mit Folgen: Die Räumpflicht ging von der Stadt auf die Anlieger über.

Dies können die Betroffenen in Paragraf 6 der Straßenreinigungs- und Sicherungsverordnung nachlesen: „Die Anlieger haben auf ihre Kosten die öffentlichen Straßen und Gehwege zu reinigen (Reinigungspflicht) und die Gehwege zu sichern (Sicherungspflicht)“, steht da geschrieben. Laut Georg Holder, Chef des städtischen Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetriebs, kommen die Bewohner des Kobelwegs dieser Aufgabe nach und nehmen es hin, dass es in ihrer Straße zwei Regelungen gibt. Dieselbe Situation liege beispielsweise in der Ulmer Straße vor, sagt der Amtsleiter. Und er weiß auch, dass es vor Jahren einmal Bestrebungen gab, in derartigen Straßen eine einheitliche Lösung zugunsten der Anwohner zu finden. „Die hat damals aber der zuständige Ausschuss wegen der höheren Kosten abgelehnt.“

Sein Kollege Josef Weber vom Tiefbauamt macht den betroffenen Anliegern auf der Südseite des Kobelwegs dennoch Hoffnung. Bei einem Ortstermin habe er jetzt den Fußweg ausgemessen und dabei eine Breite von 2,50 Meter festgestellt. Gerade genug, um einen kombinierten Rad- und Fußweg wie auf der Nordseite auszuweisen – womit die Räumpflicht wieder bei der Stadt läge. Dazu müsse allerdings zuerst der marode Belag saniert werden. „Wir haben vor, in diesem Jahr ein weiteres Teilstück zu erneuern“, sagt Weber. Ob Geigenbauer Hellmut Kreppel dann seine Schneeschaufel einpacken kann?

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