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Augsburg

07.08.2016

Geteilte Talente in der Keller-Uni

Seit dreieinhalb Jahren bringt Peter Biet in der Keller-Uni im Herrenbach Suchende und Fragende zusammen.
Bild: Annette Zoepf

Peter Biet ist „der Dekan“ und freut sich über bereits sieben erfolgreiche Semester.

Herrenbach Momentan bleibt in der Keller-Uni das Licht aus. Bevor ab Herbst wieder Vorlesungen stattfinden und das achte Semester beginnt, freut sich Peter Biet erst einmal über das schon dreieinhalbjährige Durchhaltevermögen der Einrichtung im Herrenbach. So lange sei es ihm nun gelungen, den Betrieb zusammenzuhalten. Der 60-jährige evangelische Theologe, der von den Studenten augenzwinkernd „der Dekan“ genannt wird, verfolgt mit der Einrichtung eine ganz besondere Philosophie. Und die heißt: „Jeder Mensch hat Talente und soll die Gelegenheit bekommen, andere daran teilhaben zu lassen.“

Die Anregung zur Keller-Uni geht laut Biet auf die Stadl-Uni in Unterbergen/Schmiechen zurück. Im Verteiler des Augsburger Pendants sind mittlerweile 130 Personen registriert. Je nach Thema kommen nach Auskunft Biets mal mehr, mal weniger Interessenten. Im Durchschnitt versammeln sich rund 20 Hörer in der Matthias-Claudius-Straße 9 zu den Vorlesungen – die meisten aus dem Stadtgebiet, aber auch von weiter her.

„Wenn wir uns als Uni bezeichnen“, sagt Peter Biet, „dann geschieht das mit einem Augenzwinkern.“ Als festen und mindestens ebenso wichtigen Bestandteil bezeichnet „der Dekan“ das stets vorgesehene gemeinsame Essen. Jeder Teilnehmer trage dann mit etwas – bestenfalls auch etwas Selbstgemachtem – zur Gemeinschaft bei.

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Wie es sich besser leben lässt

Peter Biet ist seit 22 Jahren Lehrer für evangelische Religion am Holbein-Gymnasium, Kirchenvorsteher der Barfüßer-Gemeinde in der Innenstadt und außerdem Ortsvereinsvorsitzender der SPD Herrenbach. Beim Teilen von Talenten wollen die Studenten der Keller-Uni sehen, wie es sich besser leben lässt in einer immer komplexeren Welt. Beste Erfahrungen hat Biet mit den freiwilligen Dozenten gemacht. So sprach einer, der wenig Gelegenheit zur sprachlichen Entfaltung hat, mit Erfolg über Rhetorik.

In der Stadl-Uni wiederum referierte eine gehörlose Studentin darüber, wie es sich ohne akustische Wahrnehmung leben lässt. Nach den eigenen Talenten gefragt, muss Peter Biet erst einmal überlegen. Hartnäckig sei er, sagt er, und ausdauernd. Dies kommt ihm auch bei seiner sportlichen Ambition zupass. Als Kanufahrer, so scheint es, muss er des Öfteren auf dieses Talent vertrauen.

Diejenigen, die regelmäßig zur Keller-Uni kommen, begreifen sich als „Suchende und Fragende“, sagt der Kopf der Gruppe. Auch ganz lebenswirkliche Fragen werden immer wieder aufgeworfen. Mit dem „Freund des bedingungslosen Grundeinkommens“ lässt sich trefflich über die Praktikabilität diskutieren. (sil)

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