1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Haydar soll jetzt Rächer werden

Interview

28.11.2016

Haydar soll jetzt Rächer werden

„Döner mit Sauerkraut“ ist die Sitcom der Kültürtage. Zum sechsten Mal bringt Fikret Yakaboylu die Satire auf die Bühne. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Herr Yakaboylu, Sie sind nicht nur der Autor von „Döner mit Sauerkraut“, sondern spielen auch den Helden Haydar. Er, seine Frau Halime, die Augsburger Nachbarn und seine Verwandtschaft aus Anatolien füllen jedes Jahr zwei Mal hintereinander die Kresslesmühle und bringen hunderte Augsburger zum Toben. Was ist das Erfolgsrezept?

Wir bringen die Kraft des Theaterspielens mit politischer und gesellschaftskritischer Satire zusammen. Und das von deutscher wie von türkischer Seite. Der tollpatschige, gleichzeitig großmäulige Haydar, der seiner Frau Halime kommunikativ und sozial total unterlegen ist, ist das Klischee des rückständigen, chauvinistischen türkischen Dorfbewohners. An dem ist natürlich etwas Wahres dran. Aber derart zugespitzt ist er eben lustig.

Und die Deutschen?

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Für die Deutschen sind Haydar und Halime Gastarbeiter der ersten Generation, wie sie sie von der Straße kennen. Der Mann grimmig, vielleicht mit Bart und Häkelkäppi, die Frau ein paar Meter hinter ihm. Deutsche sehen meist nur diese Außenfassade. In den vier türkischen Wänden aber hat Halime die Hosen an. Das Stück deckt dieses Versteckspiel auf und parodiert es.

Das Klischee vom „typischen Türken“ – dem Macho, dem Chauvinisten – satirisch aufs Korn zu nehmen: Darf ein Autor das nur, wenn er selbst türkeistämmig ist?

Nein. Weil Chauvinismus ein allgemeines Thema ist, das ist ja kein exklusives türkisches Problem.

Wie hat sich Haydar mit der Zeit entwickelt? Und die wichtigste Frage: Ist er integriert?

Haydar habe ich vor 15 Jahren entworfen. Ich hatte einen Charakter gesucht, wie ich ihn aus meinem eigenen Dorf kannte, solche, die als „Gastarbeiter“ hierhergekommen waren. Er fühlt sich – auch wenn ihm viele Pannen passieren – als Augsburger. Schließlich ist er seit 50 Jahren hier. Er und Halime bemühen sich um Nähe zwischen Augsburgern und Türken. Sie bestaunen die Augsburger Vergnügungsszene, laden die deutschen Nachbarn ein und machen sogar mit ihnen zusammen Urlaub in ihrem türkischen Dorf. Trotz allem – und das ist ein Thema der aktuellen Produktion – wird er von Verwaltungsbeamten bis heute gefragt, wo er denn herkomme. Nein, er ist nicht integriert, jedenfalls nicht im Sinne von akzeptiert.

Hat die diesjährige Folge von „Döner mit Sauerkraut“ einen Bezug zur aktuellen politischen Situation in der Türkei?

Natürlich. Haydar steht in engem Kontakt zu Erdogan, Putin und Merkel. Es geht um seinen schnarchenden Schwiegervater Hüsnü, den alle für einen Terroristen halten und der jetzt in Deutschland Asyl beantragen muss. Außerdem geht es um Selbstjustiz und Ehrenmorde. Haydar soll seine Tochter rächen, die in der Türkei geheiratet hatte, jetzt aber nach Augsburg zurückgekehrt ist. Ihr Ehemann war fremdgegangen. Haydar soll das Problem aus der Welt schaffen. Mehr wird nicht verraten. Interview: Stefanie Schoene

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20B%c3%bcchStUlr_04.tif
Augsburg

Wie Pfarrbüchereien der Konkurrenz trotzen

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden