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04.01.2014

„Ich spiele, bis der Tod mich abholt“

Der Künstler Urban Ehm vor seiner Arbeit „Sandmännchens Mondfahrt“. Das Foto wurde bei Ehms letzter großer Einzelausstellung in der Ecke Galerie im Jahr 2010 aufgenommen.
Bild: Michael Hochgemuth

Urban Ehm ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Seine Frau, die Journalistin Ingrid Bergmann-Ehm, erinnert an den Bildhauer, der in Augsburg viele Spuren hinterlassen hat

Der in Augsburg geborene Künstler Urban Ehm ist im Alter von 83 Jahren am Donnerstag nach einem Herzinfarkt gestorben. Getreu seinem Motto „Ich spiele, bis der Tod mich abholt“ ließ der Bildhauer kaum einen Tag aus, an dem er nicht in seiner Werkstatt im Äußeren Pfaffengässchen seine oft skurrilen Ideen in Kunst umsetzte. Seine „Bastelbude“, wie er das Atelier nannte, hatte sich in Jahrzehnten in ein Gesamtkunstwerk verwandelt, das zuletzt schon fast für ihn selbst keinen freien Platz mehr übrig hatte.

Seine uferlose Fantasie spiegelte sich in den fertigen Arbeiten, aber auch in den Fundstücken, die er sich in der Natur – vor allem am Lech – und auf Flohmärkten aneignete. Ähnlich wie Paul Klee, der gerade in Augsburg mit seinem bemalten Lech-Ziegel und seinen Zeichnungen vom Gersthofer Flugplatz gefeiert wird, streifte auch Urban Ehm immer wieder auf den Kiesbänken herum und fand Bleche, Steine, Hölzer, denen er neue Gestalt gab.

Seine Ausstellung „Der Lech – großer Transformator“ 2005 in den Lechwerken bot einen Überblick über diese künstlerische Umformung vorgefundener Dinge, der objets trouvés.

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Neben etlichen kleineren Schauen vermittelte zuletzt die umfangreiche Ausstellung zu seinem 80. Geburtstag im August 2010 in der Ecke-Galerie einen Eindruck seiner späten schöpferischen Tätigkeit unter dem Titel „Ware für Wunderkammern“. Die Vernissage geriet wegen des großen Besucherandrangs zu einem regelrechten Happening.

Urban Ehm, der einen Teil seiner Jugend in Berchtesgaden verbrachte und dort nach der kriegsbedingt kurzen Schulausbildung die Fachschule für Holzschnitzerei besuchte, blieb seinem Werkstoff Holz immer treu. Schließlich hatte er im großelterlichen Betrieb in Augsburg eine Schreinerlehre abgeschlossen und danach den Meisterbrief in München erworben.

Nach Werkkunstschule und Tätigkeiten in Architekturbüros und bei einer Holzfachzeitung gehörte er zu den Künstlern, die durch Wettbewerbsbeteiligungen und Aufträge Kunst im öffentlichen Raum schufen. Meist in Zusammenarbeit mit dem Maler und Goldschmied Hans Heichele entstanden bildhauerische Arbeiten in Schulen (z. B. Friedrich-Ebert-Grund- und Hauptschule, Agnes-Bernauer-Realschule, Reischlesche Wirtschaftsschule), Rathäusern, Schwimmbädern und auf öffentlichen Plätzen (z. B. der Fliegerbrunnen im Universitätsviertel). Daneben erhielten sie Aufträge für Türen und Tore, die in der Altstadt von Augsburg einen hübschen Blickfang bilden. Hin und wieder verband der Schreinermeister seine Fähigkeiten mit seinen künstlerischen Intentionen auch beim Bau ausgefallener Möbel (z. B. einem Flugschrank mit angeblichen Utensilien des Schneiders von Ulm).

Doch freie künstlerische Arbeiten hatten immer einen großen Anteil an Ehms Oeuvre. Das entwickelte sich von Skulpturen über Glaskästen und Stelen bis hin zu kleinen surrealen Idolen und Objekten.

In all den Jahren in Augsburg pflegte Urban Ehm den Kontakt zu Künstlerkollegen, gehörte dem Berufsverband Bildender Künstler und der Künstlervereinigung „Die Ecke“ an und hatte viele Freunde, mit denen er sich zuletzt gern auf dem Stadtmarkt vor dem kleinen Café der Frau Kroetz, vor allem bei Sonnenschein, aufhielt.

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