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29.07.2010

"Ich würde hier niemals ausziehen"

Elisabeth Matthiesen bäckt gerne "Frühapfelkuchen". Nicht nur, weil er so lecker ist, sondern vor allem, weil er ein Symbol für ihre Heimat ist: Vor 70 Jahren pflanzte ihre Mutter in der Siedlung den Frühapfelbaum. Heute gibt es Baum und Siedlung immer noch. Die Siedlung des Volkes in Haunstetten feiert am Samstag ihr 75-jähriges Bestehen mit einem Straßenfest.

Auch Edgar Mathe, Direktor der Wohnbaugesellschaft (WBG), die die Siedlung verwaltet, wird zum Fest kommen. Mathe mag an der Siedlung besonders den dörflichen Charakter und das viele Grün. Zudem sei es eine der besten Wohnanlagen der WBG. "Die Menschen leben sehr friedlich zusammen und lösen ihre Konflikte selber."

Wichtiges Stück Stadtgeschichte

Vor allem aber habe die Siedlung des Volkes für die WBG einen hohen Symbolwert. "Sie ist Bestandteil unserer Gründungsgeschichte." Denn die WBG sei 1927 gegründet worden und wenige Jahre später, im Jahr 1935, wurde die Siedlung erbaut. Sie sei auch ein wichtiges Stück Stadtgeschichte. "Die Siedlung und ihr Erhalt liegen uns sehr am Herzen", betont Mathe. Am Herzen liegt die Siedlung vor allem Elisabeth Matthiesen - sie ist heute die älteste in der Siedlung geborene Bewohnerin. 1935 wurde die Siedlung für Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg und für kinderreiche Familien erbaut. Als eine der ersten Familien zogen Matthiesens Eltern in Haus Nummer 5 ein. Dort kam Matthiesen 1939 auf die Welt. Heute lebt sie immer noch in diesem Haus. Es ist zwar nicht groß, gerade mal 70 Quadratmeter.

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Aber Matthiesen würde niemals ausziehen, obwohl sie und ihr Mann sich etwas Größeres leisten könnten. "Dieses Haus und die Siedlung sind mein Leben. Ich bin dort glücklich", sagt die 71-Jährige.

Matthiesen muss lächeln, wenn sie den Mietvertrag ihrer Eltern aus dem Jahr 1935 in den Händen hält: "35 Reichsmark Miete und 25 Pfennig Rauchschutzgebühr", liest sie vor. Damals, erinnert sie sich, lief sie immer drei Kilometer, um Essen zu kaufen. "Natürlich war nicht alles so annehmlich wie heute."

Dafür aber sei der Zusammenhalt in der Siedlung sehr stark gewesen. Wie in einem kleinen Dorf sei es gewesen, jeder kannte den anderen gut und man half sich immer aus.

Die Nachkriegszeit habe die Bewohner dann noch mehr zusammengeschweißt. Leider sei das aber später verloren gegangen. Lange Zeit, so Matthiesen, habe jeder nur auf sich geschaut.

Aber nicht mehr jetzt, sagt Matthiesen zufrieden. Seit einiger Zeit habe sie das Gefühl, dass die Bewohner wieder mehr zusammenrücken. Die Nachbarn schauen nach ihren Pflanzen - wie früher.

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