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28.07.2010

Im Dickicht der Rohre

Die Ecke Galerie gleicht im Augenblick einer Werkstatt: In Kisten liegen graue HT-Rohre, die sonst Abwasser in die Kanalisation befördern. Gerade Stücke, Bögen und Abzweige. Anstelle eines Installateurs waltet aber die Künstlerin Annette Voigt über dieses Zentrallager. Die Erlanger Künstlerin verlegt die Rohre nämlich nicht unter dem Putz, vielmehr gestaltet sie damit gerade eine Rauminstallation, die sich vom Eingangsbereich im Erdgeschoss aus durch die gesamte Galerie im ersten Stock zieht.

Voigt ist die zweite Künstlerin, die für das Ecke Kunstforum eingeladen worden ist. Ausgeschrieben war es heuer in Anlehnung an die Architekturwoche mit dem Thema "Umbruch, Abbruch, Aufbruch". Die Konzeptkünstlerin hat dies zum Anlass genommen, mit den grauen Abwasserrohren zu arbeiten.

Was Architekten in Neubauten den Blicken entziehen, rückt Voigt in den Fokus der Aufmerksamkeit. Das billige Plastik allerdings verwandelt sie. Die Rohre, die im Erdgeschoss verlegt worden sind und ein wenig verschlungen in den ersten Stock führen, hat die Künstlerin mit Blattgold überzogen. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Allerdings scheinen die Falze der Plastikrohre, die Typenbezeichnungen und die Unebenheiten hindurch. Die Verwandlung des Plastikrohres in eine Goldleitung ist nicht abgeschlossen, Ur- und Endzustand liegen gleichzeitig vor.

Die Betrachter fügen neue Ebenen hinzu

Im Dickicht der Rohre

Dieses Transformieren eines Alltagsgegenstands gehört für Voigt zu einem ihrer wesentlichen Arbeitsprinzipien. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess komme dabei den Betrachtern zu, sagt sie. Erst durch das Sehen werden die neuen Ebenen hinzugefügt. Den Titeln ihrer Arbeiten kommt dabei die Aufgabe eines Sprungbretts zu. Sie geben die Richtung vor. "Neuer Wald" heißt die Installation, die im hinteren Raum der Galerie den Hauptteil der Ausstellung bildet.

Einen Wald aus grauen Rohren ließ Voigt vom Boden an die Decke wachsen. Ein Dickicht, das auf den ersten Blick undurchdringlich scheint. Und die Anschlusswülste dieser Stämme sind mit Blattgold überzogen. Durch diese Ringe wirkt der "Neue Wald" auch wie ein Bambusgehölz.

Obwohl Voigt Konzeptkunst erschafft, erzeugen ihre Arbeiten auch eine starke sinnliche Wirkung. Durch Voigts Wald führt ein Weg, auch wenn er auf den ersten Blick nur schwer zu entdecken ist. Und wer ihn begeht, kann dieses Kunstwerk fast blind erspüren. Beim Gang durch das Dickicht der Rohre ist der Blick außerdem auch nicht mehr auf das Kunstwerk als Ganzes, sondern auf das Hindurchkommen gerichtet. Die Lösung für dieses Werk muss innen gesucht werden.

Dass die Künstlerin über Humor verfügt, wird besonders in der Toilette der Galerie sichtbar. Dort hat sie eines ihrer Rohre an der Wand angebracht, das komplett vergoldet ist. Es ist nun also in der Galerie in den vergangenen Tagen eine Ausstellung entstanden, die Spaß macht und trotzdem zum Überlegen und Hinterfragen einlädt.

Aus der Endlosschleife gibt es kein Entrinnen

Passend zur Installation hat Annette Voigt auch Auflagenobjekte angefertigt: Rohrknoten, die das Prinzip des Weiterleitens ad absurdum führen, weil es aus der Endlosschleife kein Entrinnen gibt, Rohrreifen, die als Schmuck getragen werden oder als Objekt liegen können. Voigt gelingt es, auch in den für den kleinen Geldbeutel angefertigten Arbeiten, ihrer künstlerischen Linie treu zu bleiben.

Ausstellung Eröffnet wird die Schau, die Annette Voigt gestaltet hat, am Donnerstag, 29. Juli, um 19.30 Uhr in der Ecke Galerie. Zu sehen ist die Arbeit bis zum 7. August. Die Öffnungszeiten sind Mo bis Do von 14 bis 19 Uhr, Fr von 14 bis 17 Uhr, Sa von 11 bis 13 Uhr.

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