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Projekt

25.06.2019

Im Herbst startet das inklusive Angebot

An der Volkshochschule Augsburg gibt es bald ein neues Angebot für Menschen mit Lernbeeinträchtigungen und kognitiven Einschränkungen.
Bild: Silvio Wyszengrad

An der Volkshochschule können bald Menschen mit Lernschwierigkeiten an Kursen teilnehmen. Noch werden Begleitpersonen gesucht. Wie das Gemeinschaftsprojekt entstanden ist

„Weiterbildung und Kultur sollte für jeden Menschen offen sein“, sagt Sabine Hollstein von der Lebenshilfe Augsburg. Und genau deswegen wird es ab dem Wintersemester 2019 ein neues Angebot an der Vhs Augsburg geben. Menschen mit Lernbeeinträchtigung und kognitiven Einschränkungen können sich dann in Kursen einschreiben. Das Gemeinschaftsprojekt hat die Lebenshilfe zusammen mit der Vhs ausgearbeitet.

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Organisiert wird das Ganze von Alexandra Kiederle. Seit dem 1. Januar 2019 kümmert sie sich um die Vorbereitung des Projekts und die Auswahl der Dozenten und Kurse. „Zunächst wurden alle Dozenten informiert und einige Fragen geklärt“, sagt Kiederle. Fragen wie „Was kommt auf die Kursleiter zu?“ und „Muss der Kurs verändert werden?“. Kiederle sagt, dass viele Dozenten sehr interessiert gewesen seien und einige sogar Vorkenntnisse bei der Arbeit mit Menschen mit Lernbeeinträchtigungen haben. „35 Kurse können im Wintersemester aus fast allen Bereichen wie Gesundheit, EDV, Lebensart, Hauswirtschaft, Sprachen, Musik und Kunst und Vhs unterwegs angeboten werden“, erklärt Kiederle. Es wurde ein Auszug des regulären Vhs-Programmes in „Einfacher Sprache“ erstellt, welches zeitgleich mit dem Programmheft der Vhs verteilt wird.

Wie kam es überhaupt zu dem Projekt? „In Bamberg gibt es an der dortigen Vhs schon ein ähnliches Projekt“, sagt Hollstein. Daraufhin habe sie es dem Augsburger Direktor Stefan Glocker vorgeschlagen. „Inklusion entspricht dem Sinn der Volkshochschul-Bewegung“, sagt Glocker. Diese stünde unter dem Motto „Bildung für alle“.

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Dass das Projekt aber zustande kam, war erst möglich, nachdem „Aktion Mensch“ Gelder zusicherte. „Inklusionsprojekte brauchen viel Vorlauf und eine Menge Vorarbeit“, erklärt Hollstein. Deswegen habe man dank der Förderung durch „Aktion Mensch“ und durch die Unterstützung des Sozialreferats der Stadt Augsburg die Stelle von Kiederle schaffen können. „Ein Großteil der Personalkosten werden durch die Fördergelder gedeckt“, sagt sie.

Doch noch werden Begleitpersonen für das Projekt gesucht. „Sie sollen als Vermittler zwischen der Person mit Lernbeeinträchtigung und dem Dozenten oder anderen Teilnehmern dienen“, erklärt Kiederle. Eine Begleitperson zu nehmen sei dabei jedem selbst überlassen. Ziel des Inklusionsprojekts sei es nämlich, eine zunehmende Selbstständigkeit der Teilnehmer zu fördern. „So soll die Begleitperson nur eingreifen, wenn Unterstützung nötig ist“, sagt Hollstein. Damit meint sie, wenn der Teilnehmer beispielsweise Hilfe braucht, um zur Vhs zu kommen. Begleitperson könne jeder werden, der sich die Arbeit zutraut. Kiederle werde vor Beginn des Wintersemester Workshops für die freiwilligen Helfer anbieten. Auch würde sie den Kontakt zwischen Begleitperson und Kursteilnehmer herstellen, um sich vorab kennenzulernen.

In den Kursen selbst sollen dann ein oder zwei Menschen mit Lernbeeinträchtigung neben den anderen Teilnehmern lernen. Kiederle formuliert es so: „Wir wollen gerne voneinander und miteinander lernen.“ Zunächst läuft das Projekt bis Ende 2021. „Wir wollen, dass es ein Erfolg wird“, sagt Hollstein. Schon jetzt plane man, einen Vhs-Rat zu gründen, in dem die Dozentenbeauftragte, die Projektleitung und Menschen mit Lernbehinderungen sitzen sollen. Zusammen sollen dann möglicherweise Verbesserungsvorschläge diskutiert und neue Kursangebote herausgearbeitet werden.

Wenn das Projekt Erfolg hat, könnte es möglicherweise auf den Landkreis ausgeweitet werden, sagt Direktor Glocker. „Wir werden es auch dem schwäbischen Vhs-Verband vorstellen, vielleicht wird es ja ein Pilotprojekt.“ Hollstein ist der Meinung, dass es eigentlich normal sein sollte, dass man mit Menschen mit Beeinträchtigungen in Kontakt treten kann. „Leider hat man zu selten die Möglichkeit dazu“, sagt Hollstein. Das Gemeinschaftsprojekt der Lebenshilfe Augsburg und Vhs biete aber diese Möglichkeit.

Interessierte können sich ab dem 22. Juli an der Vhs für die Kurse anmelden.

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