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Wirtschaft

30.11.2019

Klimaneutrales Reisen rückt stärker in den Fokus

Augsburger Reiseveranstalter spüren eine steigende Nachfrage nach umweltfreundlichem Urlaub. Ein Anbieter setzt dafür ganz gezielt auf den Reisebus. Auch ein Augsburger Start-up beschäftigt sich mit dem Thema

Die Klimadebatte hält Deutschland auf Trab. Neben klassischen Themen, wie dem CO2-Ausstoß im Verkehr, ploppt auch das Thema umweltfreundlich Reisen immer wieder einmal auf. Dass in Augsburg noch lange nicht jeder Wert darauf legt, seine Urlaubsreise klimaneutral zu bewältigen, ist klar. Das hat auch eine Kurzumfrage in Reisebüros ergeben. So ist beispielsweise beim Reisevermittler „STA Travel“ in der Philippine-Welser-Straße das Thema klimaneutrales Reisen kaum relevant. Die Nachfrage sei gering, sagt Pressesprecherin Eileen Geibig.

Doch das Thema ist im Kommen – auch das hat unsere Kurzumfrage gezeigt. In der „ReiseLand“-Filiale in der Maxstraße beispielsweise werden häufig Informationen über Möglichkeiten des klimaneutralen Reisens eingeholt, wie Büroleiterin Dagmar Jahn erzählt. Besucher würden sich stark für Antriebe von Schiffen oder neueren Flugzeugmodellen, die weniger CO2 ausstoßen, interessieren. Um dieser Nachfrage entgegenzukommen, hat „ReiseLand“ sein Angebot erst kürzlich ausgeweitet. Seit September kooperiert es mit der Non-Profit-Organisation „Atmosfair“. So können Kunden die durch ihre Reise verursachten Schadstoffe mit einem freiwilligen Klimaschutzbeitrag kompensieren.

Immer mehr Reiseveranstalter bieten solche Angebote, auch das Augsburger Unternehmen Hörmann. Hier können Flüge, Übernachtungen und Kreuzfahrten seit Kurzem vom Kunden klimaneutral gestellt werden. Das komme bei den Kunden bereits gut an, erzählt Geschäftsführer Philipp Hörmann. Wer mit einem Bus des Unternehmens verreist, tue dies ohnehin umweltschonend. Denn Hörmann ist als erstes Busreiseunternehmen Deutschlands als klimapositiv eingestuft worden. „Das heißt, wir kompensieren über Fahrzeugtechnik und verschiedene Umweltprojekte mehr CO2, als die Busse ausstoßen“, erklärt der Reisefachmann.

Ein Aspekt, der Hörmann am Herzen liegt. Denn der Reisebus hat aus seiner Sicht ein viel zu schlechtes Image. Dabei schneide er mit einem Kohlendioxid-Ausstoß von 32 Gramm pro Personenkilometer mit einer besseren Klimabilanz ab, als Bahn, Flugzeug oder Auto. Das bestätigte auch Ralph Pütz, Professor am Belicon Institut für angewandte Abgasanalytik in Landshut, beim Tag der Bustouristik in Augsburg. Daher sei die Forderung, das Reisen mit dem Bus einzudämmen oder bei Städtereisen die Busse vor den Stadttoren zu parken und für die letzten Kilometer den Öffentlichen Nahverkehr zu nutzen, aus seiner Sicht „schwachsinnig“.

In Augsburg wird diese Debatte derzeit nicht geführt. Die Fahrt mit dem Reisebus in die Innenstadt – beispielsweise für Besucher des Christkindlesmarkts – ist nach wie vor erlaubt. „Das ist nicht nur ein wichtiger Service für den Touristen, sondern auch für den Wirtschaftsfaktor Tourismus entscheidend“, sagt Götz Beck, Leiter der Regio Augsburg Tourismus. Die Augsburg-Besucher seien wichtig.

Wer nicht nur als Privatmann, sondern auch als Geschäftsreisender seinen CO2-Fußabdruck verbessern will, kann dies ebenfalls tun. Das Augsburger Start-up Convien hat die Software „Meeting Place Finder“ entwickelt, die es Veranstaltungsorganisatoren ermöglichen soll, den optimalen Ort für eine Firmenveranstaltung zu finden. Das System (convien.com) berücksichtigt bei der Auswahl des Veranstaltungsorts nicht nur den CO2-Fußabdruck, sondern auch die Produktivität sowie die Gesamtkosten einer Reise. Durch das Programm könne der CO2-Fußabdruck einer Veranstaltung um bis zu 40 Prozent verbessert werden. Bei den Reise- und Arbeitszeitkosten ließen sich bis zu 30 Prozent sparen, so Unternehmenssprecherin Anna Castell-Rüdenhausen. Erste große Konzerne seien bereits davon überzeugt.

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