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Augsburg

15.10.2018

Klimawandel: In Augsburg forschen zwei Top-Wissenschaftler

Dürreschäden auf einem Feld in Niedersachsen: Viele machen den Klimawandel für die Hitze verantwortlich.
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Dürreschäden auf einem Feld in Niedersachsen: Viele machen den Klimawandel für die Hitze verantwortlich.
Bild: Holger Hollemann (dpa)

An der Uni gibt es gleich zwei hochkarätige Neuzugänge: Jed Kaplan richtet seinen Blick auf Probleme in Afrika und Südasien. Wolfgang Buermann untersucht das weltweite Pflanzenwachstum

Immer heißere Sommer, mehr Dürren und Ernteausfälle? Der Weltklimarat hat mit seinem neuesten Sonderbericht zur Erderwärmung um 1,5 bis 2 Grad die großen Risiken klar benannt, die Menschen in aller Welt drohen. Der Bericht stützt sich auf umfangreiche Daten von Klimawissenschaftlern. Sie beschreiben immer detaillierter, welche Gefahren die menschgemachte Erderwärmung mit sich bringt. Auch an der Universität Augsburg geht jetzt ein neuer internationaler Klimaforscher an den Start: Jed Kaplan ist dem Klimawandel in Afrika und Südasien auf der Spur.

Klimawandel? Als der Amerikaner Jed Kaplan seine Forscherkarriere in den 1990er Jahren beginnt, spielt dieses Thema in der öffentlichen Wahrnehmung noch keine große Rolle. Aber er erinnert sich noch gut, was ihn selbst als junger Mensch antrieb: „Ich war damals viel auf Gletschern unterwegs und habe sie schmelzen sehen, da wollte ich wissen, was vor sich geht und wie die Welt funktioniert.“

Auswirkungen sind zu spüren

Heute ist der Klimawandel mit seinen Folgen weltweit ein Mega-Thema. Viele Menschen spüren bereits die Auswirkungen wie extreme Wetterereignisse, auch in Schwaben. Es gibt immer mehr Wissenschaftler in diesem Bereich, die sich zunehmend spezialisieren. Professor Kaplan von der Universität Oxford zählt zu einem kleinen Kreis von internationalen Spitzenkräften, die innerhalb eines neuen länderübergreifenden Projekts an den Start gehen. Er wurde vom Deutschen Akademischen Austauschdienst ausgewählt, um die deutsche Forschung zum Klimawandel zu stärken. Die Förderung ist Teil des deutsch-französischen Programms „Make our planet great again“ (Machen wir unseren Planeten wieder großartig). Es wurde von beiden Regierungen im Nachgang des Pariser Klimaabkommens vereinbart. Jed Kaplan ist gerade in Augsburg angekommen. Er wird nun vier Jahre lang am Institut für Geographie der Universität Augsburg in Zusammenarbeit mit Professor Peter Fiener und Professor Harald Kunstmann forschen und ein neues eigenes Expertenteam mit rund einem halben Dutzend Mitarbeitern aufbauen.

Klimawandel: In Augsburg forschen zwei Top-Wissenschaftler

Was interessiert ihn als Wissenschaftler? Jed Kaplan will seinen Blick in weit entfernte Regionen richten: Er wird der Frage nachgehen, welche Auswirkungen die menschliche Landnutzung auf das regionale Klima in den wechselfeuchten Tropen Afrikas und Südindiens hat. Einfach gesagt, geht es darum, welche Folgen eine intensive menschliche Nutzung der Landschaft und die Veränderung der Landnutzung, etwa von Wald zu Ackerland, sowie die stark wachsenden Städte aufs Klima haben. Wie Kaplan vermutet, wird die regionale menschgemachte Entwicklung in diesen Regionen noch weiter durch den globalen Klimawandel verstärkt. Denn gerade dort sei wegen der klimatischen Verhältnisse mit einer besonders starken Zunahme von extremen Dürren und Hitzewellen zu rechnen.

Ein weißer Fleck in den Forschungen

Jed Kaplan sagt, für sein Forschungsthema seien die wechselfeuchten Tropen in Westafrika und Südasien noch weitgehend ein weißer Fleck. Den Ausgangspunkt seiner Überlegungen sieht er aber hier in Europa. Hier hätten die Klimaforscher bereits eine deutlich bessere Datenlage. „Wir haben Indizien, was in Europa passiert.“ Als ein Beispiel nennt Kaplan die Rekordhitzewelle im Sommer 2003, die zahlreiche Tote forderte. Die Intensität solcher Wetterextreme hänge nach seiner Einschätzung stark mit der Landnutzung zusammen.

Jed Kaplan vermutet, dass in Westafrika und Südasien die Wahrscheinlichkeit von größeren Hitzewellen und starker Luftverschmutzung durch Staub noch viel größer sein wird. Durch die Wechselwirkung von Klimawandel und Landnutzungswandel befürchtet er auch erhebliche gesellschaftliche Auswirkungen für die Menschen in diesen Regionen. „Langfristige Folgen könnten soziale Instabilität und Migrationsbewegungen sein“, sagt er.

Jed Kaplan will die Wechselwirkungen zwischen Landschaft und Klima mit innovativen Feldmethoden und Computersimulationen untersuchen. So will er Zusammenhänge aufzeigen und Szenarien entwickeln, wie beim Klimawandel gegengesteuert werden kann.

Jed Kaplan ist gerade erst in Augsburg angekommen. Er spricht gut Deutsch und fühlt sich hier sehr wohl, wie er sagt. Ein Grund ist die kreative Forschungsumgebung mit einer wachsende Zahl von Klima- und Umweltforschern am Institut für Geographie der Uni Augsburg. In Augsburg trifft Kaplan nun auch auf einen weiteren Top-Klimaforscher, der gerade angekommen ist: Professor Wolfgang Buermann, der den Lehrstuhl von Professor Jucundus Jacobeit übernimmt.

Wird weniger CO2 gebunden?

Buermann kommt von der University of Leeds (England) nach Augsburg. Er ist Hauptautor einer neuen Studie, die im Wissenschaftsjournal „Nature“ veröffentlichten wurde. Forschung Die neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass durch den Klimawandel das Pflanzenwachstum im Frühling immer früher beginnt. Bisher dachte man, dass dieses Phänomen den Klimawandel verlangsamt, weil dadurch mehr Biomasse produziert und Kohlenstoff aus der Atmosphäre gebunden wird. Satellitendatenauswertungen zeigen nun das Gegenteil: In vielen Gegenden führt ein vorverlegter Frühling sogar zu einer verringerten Biomasseproduktion im folgenden Sommer und Herbst. Es wird dadurch also eher weniger als – wie bislang angenommen – mehr CO2 aus der Atmosphäre gebunden.

Analysiert wurden Satellitenbilder aus dreißig Jahren – der gesamte Globus nördlich des 30. Breitengrades wurde untersucht, von Südeuropa und Japan bis zu den Tundra-Regionen im Norden. Ergebnis Buermann sagt, „die bisher verwendeten Klimamodelle müssen also angepasst werden, die Lage des Weltklimas ist noch angespannter als bisher gedacht.“ Die Mechanismen seien jedoch kompliziert und regional unterschiedlich, sagt Mitautor Matthias Forkel von der TU Wien. (AZ/eva)

Lesen Sie auch den Kommentar: Klimaforscher machen von sich reden

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Die Diskussion ist geschlossen.

21.10.2018

Warme Tage sind schön – Hitze und Dürre kann aber auch töten

2017 war und 2018 wird sehr heiß. In diesem und im letzten Jahr gab es nicht einmal das Wetterphänomen El Niño. https://de.wikipedia.org/wiki/El_Ni%C3%B1o Bei diesem werden durch Änderungen pazifischer Meeresströmungen extreme Hitzewellen aber auch extreme Niederschläge verursacht. Durch El Niño steigt auch die weltweite Jahresdurchschnittstemperatur.
Dennoch erreichten 2017 die weltweiten Temperaturen einen Rekordwert. 2018 kann nach ersten Prognosen weltweit sogar noch wärmer werden. Wenn demnächst mal wieder ein El Niño Jahr sei wird, wird es noch deutlich höhere Rekordtemperaturen geben.
Überlegen Sie mal, was es für Folgen für die Menschen hat, wenn die täglichen Durchschnittstemperaturen auf über 30, sogar über 35 und über 40 ° C steigen.
22.6.17 https://weather.com/de-DE/wissen/klima/news/forscher-warnen-vor-rekord-hitzewellen-doch-es-gibt-auch-eine-gute-nachricht
„Manche Regionen der Erde dürften in absehbarer Zeit unbewohnbar werden. Eine Studie im Fachjournal Nature Climate Change im Juni 2017 fand heraus, dass die Schwelle zwischen "warmen" und "tödlichen" Bedingungen schon bei 37 Grad Celsius liegen kann. Derzeit seien etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung jedes Jahr solchen "tödlichen Bedingungen" ausgesetzt.“
In Teilen des Iran von Pakistan und dem Irak wurden Tagestemperaturen von 50 ° C gemessen. Das ist eine tödliche Bedrohung: 11. Juli 2018 http://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-das-weltwetter-wird-zur-toedlichen-bedrohung-1.4048075
Ebenfalls sehr bedrohlich ist der Anstieg der Meere durch infolge Erderwärmung abschmelzendes Eis In Grönland, der Antarktis und auf unseren Gletschern. Von Bangladesh wie den Niederlanden liegen große Teile unter dem Meeresspiegel.
Gut, wenn bald Wissenschaftler der Uni Augsburg hierüber forschen und aufklären und auch den unverantwortlichen Leugnern der menschengemachten Erderwärmung die Stirn bieten.

Raimund Kamm

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19.10.2018

Viele Menschen in Deutschland müssen ihre Betrachtungsweise globaler ausrichten!

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/energiepolitik-deutschland-treibt-den-ausstieg-voran-doch-weltweit-boomt-die-kohle/23141178.html?ticket=ST-2679492-G9qOLfpHuzurChIldnje-ap4

>> Weltweit ist ein Kohleausstieg aber überhaupt nicht in Sicht. Die 120 größten Kohlekonzerne haben aktuell knapp 1.400 neue Kraftwerke in 59 Ländern in Planung oder sogar schon im Bau. Damit kämen neue Kapazitäten von gut 670 Gigawatt dazu. Das entspricht einem Drittel der aktuell installierten Kapazitäten. <<

Das aggressive innenpolitische Vorgehen dient in Deutschland nicht dem Weltklima sonder ist ein Baustein des industrie und arbeitsplatzfeindlichen Linksrucks in diesen Land.

Das wichtigste für Deutschland sind Arbeitsplätze für die vielen neuen Menschen die zu uns kommen. Für den sozialen Frieden dürfen wir hier keine Kompromisse mit sog. Umweltschützern machen. Deutschland braucht auch künftig preiswerte Energie für seine perfekt global ausgerichtete Wirtschaft!

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19.10.2018

Ich finde das neue Wetter prima!

Klimawandel ist spitze!

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18.10.2018

Leider sind durch die Erderwärmung die Perspektiven der Menschen düster. Fatal ist, dass die Erderwärmung dem Ausstoß der Treibhausgase mit einigen Jahrzehnten Verzögerung folgt.

Wäre die Reaktion unmittelbar, würden wir Menschen reagieren und die Freisetzung von Treibhausgasen radikal verringern, um Hitze- und Dürrewellen aber auch Fluten infolge Starkregen und um Extremstürme zu vermeiden.

Umso wichtiger ist es, dass Wissenschaftler die vielen Aspekte des Klimawandels erforschen und dabei immer wieder auf die Gesamtzusammenhänge und die fatalen Folgen für unsere Kinder und Enkel hinweisen. Und aufzeigen, wie wir den Klimawandel entscheidend bremsen können.

Hoffentlich hat die Uni Augsburg dem pensionierten Meteorologen, der mit abenteuerlichen Aussagen den Klimawandel leugnete und sogar immer wieder in der AZ groß zu Wort kam, ohne wissenschaftliche Beweise für seine Behauptungen vorzulegen, den Lehrauftrag entzogen. Und gut, dass Frau Knab hier in der AZ fundiert Aspekte des Klimawandels schildert.

Raimund Kamm, Augsburg

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19.10.2018

Das der Klimawandel schon längst statt gefunden, aber man sucht immer noch wieso! Das ist doch längst klar, aber die Politiker weltweit leiten nicht die nötigen Programme ein um einen weiteren Anstieg zu bremsen. Auch Ihre Grünen haben den Hambacher Wald zum Abholzen freigegeben. Z.B. ein Kreuzfahrtschiff setzt soviel Schadstoffe frei, wie alle Diesel PKW in Deutschland, was wird dagegen unternommen!!!! Oder, die Auslandslkw, fahren fast alle ohne Ad blu und Ihr Politiker tut nicht das geringste dagegen.

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